Hi, charis!
Schöne Sprache und Sprachmelodie.
Am Rhythmus musst du noch arbeiten: Hebungen der Vierzeilerstrophen: 543(mit betontem Auftakt)5 4443 5455(mit Senkungsprall) 4554 456(mit betontem Auftakt)4
Für MICH ist das ein wunderbarer Rohdiamant mit zu wenig Regelmaß drin. Ich würde versuchen, alle Zeilen auf EINE Heberzahl zu bringen (4 oder 5).
S1Z3, S3Z4 sowie S5Z3 solltest du umbauen. Die Inversion in S4Z4 kommt auch nicht so gut, derlei klingt unnatürlich und bemüht.
S1Z1, S1Z3 - Komma am Zeilenende.
Abgesehen davon ein sehr schönes Gedicht mit viel lyrischem Feingefühl und schönen Bildern!
Deine Erlaubnis vorausgesetzt, erlaube ich mir zu Demonstrationszwecken eine durchgehend 5-hebige Version zu unterbreiten.
Natürlich kann man behaupten, dass unregelmäßige Zeilenstruktur eben ganz der persönlichen Sprachmelodie und dem Duktus des Autors folgt, und es gibt manch schönes Beispiel dafür, dass das auch funktioniert. Deshalb behaupte ich auch nicht, deine Version wäre "falsch" - ich sage nur, dass MIR eine regelmäßige Struktur eben besser gefällt und ich sie für geeigneter erachte, lyrische Stimmung zu generieren.
Lies beide Versionen und urteile selbst, was deinen Inhalt lyrisch besser transportiert.
Mit einem Male ist das Laute still,
die Jubelchöre der Zikaden schweigen.
Kein Singen regt sich und tönt drängend schrill,
und alles will sich vor dem Mond verneigen,
der mürrisch blass am dunklen Himmel blüht,
die Wasser zieht wie schwarz gefärbte Laken,
die träge nun sich wiegen, welk und müd
am kahlen Felsen immer anzuschlagen.
Das blasse Licht ist seltsam heimatlos
und fremd das Glitzern auf den sanften Wogen.
Wie Engelscharen in den dunklen Schoß
gezogen und vom fernen Mond belogen.
Die Wellen gurgeln, purzeln zärtlich leis,
auf Zehenspitzen scheinen sie zu schleichen,
der rauhen Küsten wiegender Beweis,
dass Weiches stärker ist und ohnegleichen.
Und dieses leise Schauen mag den Schmerz
geduldig heilen, doch dein Kuss schmeckt bitter
lavendeln, und in meinem bangen Herz
trifft weiches Licht auf Diamantensplitter.
Sehr gern gelesen!

(Besonders die Conclusio ist der Hammer!!!)
LG, eKy