Hi Günter!
Ich denke, es ist weniger eine Sättigung als eine Veränderung des Denkens selbst, auch aufgrund biologischer Veränderungen. Das Bewusstsein verlangsamt sich, die Zeit scheint mehr und mehr zu eilen, man nimmt kaum noch bewusst wahr. Für ein Kind ist jeder Tag wie ein eigenes Universum, voller Erlebnisse und Eindrücke - und der alte Mensch dreht sich verwundert um und denkt: "Wo sind die letzten 10 Jahre bloß geblieben!?"
Der Geist ritualisiert sich, folgt mehr und mehr ausgetretenen Pfaden und Gewohnheiten, die ihn seiner Stabilität versichern und in der Welt verankern. Wir verlernen das Erleben, das bewusste Schauen und Hinterfragen, wir verlieren das Interesse an der Welt, die wir zu kennen glauben, weil sich irgendwann allzu viel nur noch wiederholt.
Ich bemerke das sehr an mir: wo ich mich früher zu Tode gelangweilt und wie auf Kohlen gesessen hätte, verliere ich heute Stunden und ganze Tage im "Unerleben", ohne dass es mir überhaupt bewusst wird. Ich sitze gefühlte 10 Minuten am Computer, und wenn ich auf die Uhr sehe, sind 2 oder 3 Stunden verstrichen! Früher war das doch umgekehrt: Man dachte, der Unterricht wäre schon nahezu unerträglich, die Stunde müsste doch bald rum sein - und der sehnsüchtige Blick zur Uhr offenbart: Gerade erst mal 10 Minuten geschafft!
Einst freute ich mich auf die Pension und gedachte sie ausgefüllt zu genießen - aber wenn es so weitergeht, werden mir 20 Jahre dann wie eines vergehen - es passiert einfach nichts mehr, und man ist es zufrieden ... - vorausgesetzt, ich erlebe den Ruhestand überhaupt, was mehr und mehr unwahrscheinlich zu werden scheint ...
LG, eKy