Autor Thema: In die Nacht fallen  (Gelesen 2559 mal)

Syranie

  • Gast
In die Nacht fallen
« am: Mai 13, 2017, 18:24:08 »
In die Nacht fallen


Wie ein Dschungel undurchdringlich,
dunkel, düster und verschlungen,
nimmt der Tod unwiederbringlich,
unerforscht und unbezwungen. 

Leben tropfen rasch wie Regen,
streifen Blätter in der Nacht,
fallen tief auf vielen Wegen, 
manchmal hart und manchmal sacht.

Und sie gleiten aus dem Dunkeln
eines letzten Abendrots
unter fernem Sternenfunkeln
in das Schattenreich des Tods.





 
« Letzte Änderung: Mai 15, 2017, 11:20:01 von Syranie »

Erich Kykal

Re: In die Nacht fallen
« Antwort #1 am: Mai 14, 2017, 17:44:50 »
Hi Sy!

Wie ein Dschungel undurchdringlich,
dunkel, düster und verschlungen,
nimmt der Tod unwiederbringlich,
was in kurzer Zeit besungen.

Leben tropfen rasch wie Regen,
streifen Blätter in der Nacht,
fallen tief auf neuen Wegen,
manchmal hart und manchmal sacht.

Und sie gleiten in dem Dunkel
von dem letztem Abendrot,
dabei gibt es Sterngefunkel -
Wohin weiß nur noch der Tod.


Schöner, intensiver Text. Ein paar Stellen könnten sprachlich feiner und eleganter formuliert sein. Das ist wohl Übungssache, und man braucht einen großen Fundus an Möglichkeiten, die Bausteine der Sprache zu kombinieren und zu "verlinken".

Schau mal:

Wie ein Dschungel undurchdringlich,
dunkel, düster und verschlungen,
nimmt der Tod unwiederbringlich,
unerforscht und unbezwungen. Dies vermeidet den unvollständigen Satz deiner Version. So etwas wirkt meist gezwungen und geschraubt.

Leben tropfen rasch wie Regen,
streifen Blätter in der Nacht,
fallen tief auf vielen Wegen, Warum "neue" Wege? Das stört die Aussage, dass die Schicksale mannigfaltig sind, so als wären nur immer die neuen Wege die guten.
manchmal hart und manchmal sacht.

Und sie gleiten aus dem Dunkeln
eines letzten Abendrots
unter fernem Sternenfunkeln
in das Schattenreich des Tods.

Vor allem hier in S3 hattest du doch ein paar recht ungeschickte Wendungen benutzt: "und sie gleiten in dem Dunkel von dem letzten Abendrot" - 2mal "dem" in 2 uneleganten Dativkontrukten hintereinander! Tut dir das nicht weh beim Lesen?
Das lapidar drangeklatschte "dabei gibt es Sterngefunkel" wirkt lustlos formuliert, wie eine Aufzählung in einem Kochrezept: Und dabei immer gut rühren ...
Die letzte Zeile endlich beginnt bei dir unbetont - in einem betont auftaktenden Gedicht! Metrischer Schluckauf!

Ich wollte dir hier mit S3 zeigen, wie einfach sich hier alles zu einem einzigen und flüssig lesbaren Satz fügen lässt, wenn man die Bilder zu einem Handlungsablauf verbindet.

Bis auf die beschriebenen Stellen gern gelesen!  :)

LG, eKy
« Letzte Änderung: Mai 14, 2017, 17:49:26 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Syranie

  • Gast
Re: In die Nacht fallen
« Antwort #2 am: Mai 15, 2017, 11:16:57 »
Hi eKy, :)

Den Text habe ich zu schnell gepostet. Er ergab sich in fünf Minuten und du hast das Lyrische ;) und das Kochbuch ::) sofort erkannt. Eigentlich schlafe ich immer eine Nacht über meine geschriebenen Worte, dieses Mal hat mich der "Schickesrausindiefernetroll" geritten >:D ;D

Ich folge dir in allen Punkten. Ich folge der Logik. Aber ich muß dir sagen, was ich in S1, Zeile 4 gemeint habe, dass damit das Leben gemeint ist.

was in kurzer Zeit besungen.

Das Leben ist je länger man lebt paradoxerweise immer zu kurz. Im Moment fällt mir nichts ein, wie ich diesen Sinn noch in das kleine Gedicht hineinbringen kann....

Aber manchmal ist weniger auch mehr!

Ich bedanke mich für die Verfeinerungen und immer für die Satzzeichen. :)

Liebe Grüße aus Schleswig – Holstein sy




cyparis

Re: In die Nacht fallen
« Antwort #3 am: Mai 17, 2017, 19:22:14 »
Besten Dank Euch beiden für die gelungenen Gedichte!
Sie verschönern die Nächte und laden zum träumen ein - über Leben und Tod und die Unendlichkeit.

Lieben Gruß
von
Cyparis

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