Autor Thema: Anouk, mal wieder auf die Aue!  (Gelesen 135 mal)

Martin Römer

Anouk, mal wieder auf die Aue!
« am: April 14, 2019, 19:02:47 »
Ich konnte meine Mutti schwer bedrängen.
Das Schicksal kam mit prächtigem Geritte.
Ich lenke meinen Blick von jeder Bitte
und will den Tag mit manchem Wahn vermengen.

Ich war erquickt von deinen frischen Klängen!
Ich war erquickt von deiner milden Sitte.
Ich bin im Weltenhain schon bald die Mitte
samt Spielchen oder Sonnenuntergängen.

Dämonisch nenne ich die Daimlerkutsche.
Wirst du von Wirbelschleppen benedeit?
Kennst du, mein holdes Ding, die große Rutsche?

Es ist der Ruf nach einer neuen Zeit,
wenn ich sofort an deinen Brüsten lutsche.
Ich gab als Maus den Göttern das Geleit.
« Letzte Änderung: Mai 25, 2019, 12:59:50 von Martin Römer »

Curd Belesos

Re: Anouk, mal wieder auf die Aue!
« Antwort #1 am: Mai 21, 2019, 20:52:40 »
Moin Martin,

ich bin erquickt von deinen frischen Klängen,
die ich nur selten über Tiefen fand,
sie tönten meist zu düsteren Gesängen,
wenn dumpfes Sein vor einem Abgrund stand.


Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: Anouk, mal wieder auf die Aue!
« Antwort #2 am: Mai 23, 2019, 18:46:14 »
Hi Martin!

Inhaltlich für mich an manchen Stellen kryptisch oder übersymbolisiert, die Bilder kommen sprunghaft wie Stakkato, den logischen Zusammenhang stelle ich eher mühsam her, wenn überhaupt.
Ich wäre glücklich, wenn du mir deine Intention darlegen könntest: Was soll das Gedicht aussagen?

Dennoch konnte ich bei einem Sonett natürlich nicht widerstehen, noch dazu einem so wortgewaltigen! Es liest sich schmissig und sprachmelodisch wohlabgewogen.

Das "Mutti" in Z1 kommt in diesem eher lyrisch aufgemöbelten Stil ein wenig arg gemeinsprachlich daher, ich hätte ein schlichtes "Mutter" bevorzugt.

In S1Z4 habe ich Probleme mit der Formulierung: "Etwas zum Tag vermengen" erscheint mir nicht ganz korrekt. Man kann etwas mit etwas vermengen, aber etwas nur ZU etwas anderem (dazu)mengen. Ich hätte also so formuliert:

"ich will mit Tag den letzten Wahn vermengen (oder: den letzten Wahn mit Tag)"

oder: "ich will zum Tag den letzten Wahnsinn mengen"


Trotz Deutungsproblemen sehr gern gelesen!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Martin Römer

Re: Anouk, mal wieder auf die Aue!
« Antwort #3 am: Mai 25, 2019, 13:12:40 »
Grüß euch, meine Guten!....

.... das sind nicht frische Klänge, das sind Traumesklänge..... Sozusagen Schnee von gestern: "gutes Mädchen vom Lande". Aber ich lasse gerne mal den Gedanken freien Lauf, anstatt im Kieselgraben des Realistischen zu wühlen.

Ich bin schon weit über dreißig.......

Annlieslein: Großartig! So manches Auge wird geblendet sein.

Und glaube noch immer, dass dem lauen Ordinären ein Strich durch die Rechnung gemacht werden müsste. Also fröhliches Eintauchen in den Antagonismus - werden die gewissen Sitten und Prinzipien bei Leuten der gleichen Wellenlänge nicht automatisch überflüssig? Sie ist wohl erzogen, ich bin wohl erzogen, machen wir doch ne milde Schändung. Derartige Gespenster ziehen immer mal wieder ins Schloss des Herzens: nix Neues unter der Sonne.

Die Sache mit der Mutti zeigt, dass wir noch entfernte Kameraden sind. Ich müsste mich aber auch endlich mal entfalten und an die Werke gehen..... Auch hab ich noch was in petto, was uns drei betrifft: also mich, Lady Anne und - dich.  >:D Hast du überhaupt keinen Schimmer, insbesondere wenn da von Bedrängen die Rede ist? Na, dann is Pech.  ;) Mutti ist sozusagen Standard und Mutter wäre zu schamlos.

Deinem scharfen Auge können auch Unsicherheiten der etwas leichteren Muse nicht entgehen. Ich gebe mich geschlagen und habs ein wenig abgeändert - vielleicht so besser und auch "beflügelter".

Ansonsten, wie üblich: die Welt ist kalt und roh geworden. Leiden und Verfall, wohin das Auge schaut: selbst auf der Wiese neulich zu bemerken. Auch elegische und ermattete Töne lassen sich vermehrt vernehmen. Das Brieflein hatt ich fast fertig, aber der letzte Schliff, das letzte Salz: das macht mich immer so melancholisch... Deine Worte, guter Erich, sind milde und zuweilen weise und groß.


Genesungs- oder Wohlergehenswünsche
von eurem kleinen Admiralsgeschöpfelein.

wolfmozart

Re: Anouk, mal wieder auf die Aue!
« Antwort #4 am: Juli 13, 2019, 16:06:19 »
Hallo Martin,

Also du bist wohl der Meister des ausgefallenen sprachlichen Formulierens.
Da neige selbst ich das Haupt vor dir.

Eine kleine Amerkung sei gestattet: Vielleicht schreibst du so außergewöhnlich, dass für manchen Leser die Aussage schon schwer zu verstehen ist?
Aber man kann halt nicht aus seiner Haut heraus, ich auch nicht.

Deine Werke würd ich teilweise - ohne Übertreibung oder Schmeicheln - an der Grenze des Genialen sehn.

Lieben Gruß wolfmozart

Martin Römer

Re: Anouk, mal wieder auf die Aue!
« Antwort #5 am: Juli 13, 2019, 19:18:37 »
Du unvermittelt brausender Schmeichler und guter Geselle!

Das hier ist ja kein wirkliches Werk, sondern entsprang einer törichten Nachtgrübelei. Ich hör mich selber noch von der "Dichterwürde" reden: aus einer kleinen Sache.....

Das Allzu-Nüchterne, Allzu-Bröselige und Allzu-Zweckmäßige im Duktus muss unsereiner doch von Natur aus verstimmen. Mein "Sonnenlicht" liegt diesbzgl. natürlich bei unserm guten Annlieslein, für immer fort und doch noch ewig da - beschleicht einen nicht irgendwie das Gefühl, sie hätte immer nur in Versen geschrieben? Voll der Bilder, Gleichnisse und Klang....

Was die dunklen und mystischen Verse anbelangt, sage ich schwungvoll wie sie, wenn sie sozusagen bei was ertappt worden ist: wie recht du hast!!!! Eher an Verhexungen ist in meinem Falle zu denken, als an Häute....

Bleibt zu hoffen, nicht in den Wahnsinn abzurutschen! Im Augenblick zeigt uns Erich deutlich, wo lyrisch-melodische Vollendung zu suchen ist - und nonchalant, ohne Theater, ein zärtlicher Riese sozusagen.... So mancher Kommentar ist da noch nachzuholen, ehe ich dann schauen werde, was aus verbrannter Erde und anderem Spuk noch zu machen sein möge.


Empfange meinen Abendgruß
und meinen Dank fürs Antreiben!

das Prinzlein.