Autor Thema: Die Krankheit zum Tode  (Gelesen 43 mal)

gummibaum

Die Krankheit zum Tode
« am: April 14, 2019, 20:25:40 »
Ein Messer sich ins Herz zu drehen,
das tat ihm in Gedanken gut.
Er sah sein Leben leicht verwehen
und sich befreit von trübem Blut.

Und doch, das Gift in seinen Adern
war stärker als sein Wunsch zur Tat.
Es ließ ihn an den Pforten hadern
und flocht ihn lebenslang aufs Rad…
« Letzte Änderung: April 14, 2019, 21:00:56 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Die Krankheit zum Tode
« Antwort #1 am: April 16, 2019, 08:36:19 »
Hi Gum!

So kann man es natürlich auch sehen, wenn man zu feig zum Suizid ist. Ich habe andere Erfahrungen gemacht und sehe es so: Wer tot ist, kann nichts mehr dazulernen, sich nicht mehr ändern, nicht mehr innerlich wachsen. Es ist der Ausweg der Schwachen, mal abgesehen von Schwerstkranken, die einen unentrinnbaren Leidensweg abkürzen wollen. Das kann ich nachvollziehen.
Aber junge Menschen, die blind für die Möglichkeiten des Lebens alles wegwerfen, weil sie sich nicht vorstellen können, dass sich alles ändern kann - das ist Dummheit und Schwäche! Ich war - so mit 15, 16, 17 - selbst mitunter knapp davor: Wie man als junger, unreifer Mensch eben so denkt: "Wenn ich tot bin, wird es ihnen leid tun!" Sich zu töten, nur um anderen ihre Fehler zu zeigen oder sich so über ein hoffentlich schlechtes Gewissen an ihnen zu rächen - das zeigt, wie klein man innerlich werden kann, wenn man in so einer Lage ist, als wie wertlos man sich selbst befindet.
Zum Glück, muss ich sagen, war ich damals letztlich zu feige, und ein anderer Teil in mir wollte noch so viel (er)leben! Ich änderte mich seither ständig, erweiterte mich, lernte so viel dazu und durfte soviel auch Schönes erleben! Heute kann ich sagen: wie gut, dass ich damals nicht mutiger war!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Die Krankheit zum Tode
« Antwort #2 am: April 16, 2019, 11:13:00 »
Eine wunderbare Antwort, lieber Erich, die mich angesichts meines Textes etwas beschämt. Ich sehe es eigentlich wie du, aber eine Stimmungskrise, eine Gefühl,  dass sich eine Traurigkeit in meiner Brust einnistet, war vorgestern Auslöser der Verse. Vielen Dank.

Liebe Grüße
gummibaum


 

Erich Kykal

Re: Die Krankheit zum Tode
« Antwort #3 am: April 16, 2019, 22:37:49 »
Hi Gum!

Da ich das Gefühl, von dem du sprichst, nur zu gut kenne, fühle ich mit dir. Aber wenn es mich überkam, hielt ich mir immer vor Augen, wie schön selbst ein schwieriges Leben immer noch im Vergleich zur Alternative ist!  ;)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Agneta

Re: Die Krankheit zum Tode
« Antwort #4 am: April 25, 2019, 16:53:58 »
Erich, deine Antwort hat Respekt verdient, ebenso wie das Gedicht. beides zeigt den tiefen Ziespalt, in dem totkranke Menschen sich befinden. Drum schwiege ich still...
LG von Agneta