Autor Thema: William und Mary  (Gelesen 102 mal)

gummibaum

William und Mary
« am: April 16, 2019, 18:31:33 »
Er hat mir allen Spaß verdorben!
Ein Gatte, der kein Laster kennt.
Zu meinem Glück ist er gestorben.
Nun lese ich sein Testament:

„Du sollst“, so schreibt er, „niemals rauchen
noch trinken. Mary, hör aufs Wort!“
Und dann: „Mein Hirn war noch zu brauchen
und lebt in einer Schale fort…“

Sein Arzt und Freund zeigt mir die Lauge,
in der es ohne Kapsel schwimmt,
und er erhielt ihm auch ein Auge. -
Es blickt zu mir und wirkt bestimmt.

„Oh, William, Schatz! Im Wasserbette“
ruf ich, „gefällst du mir so gut.“ -
Dann greife ich zur Zigarette
und zeige ihm die frische Glut.

Wie wütend eng wird die Pupille!
Ich blase Rauch in sie hinein
und sag dem Arzt: „Mein Wunsch und Wille:
Ich nehm ihn mit, ihm nah zu sein…“

(Nach Roald Dahls Geschichte)

Erich Kykal

Re: William und Mary
« Antwort #1 am: April 16, 2019, 22:45:35 »
Hi Gum!

Hier ist mir nicht ganz klar, wer der verstorbene Gatte war: ein selbstgefälliger Machtmensch und Zwangsbestimmer, ein Kontrollfreak, der seiner Frau die Hölle bereitete - oder ein Mann von hoher Moral, der bei allen um sich die Messlatte ebenso hoch legte wie bei sich sebst, ohne zu bemerken, wie unbeliebt von sich und ihrer Sendung überzeugte Saubermänner und Heilige sich bei den Menschen machen.

Dass ihn die trotz Verbots rauchende Ehefrau zornig macht anstatt nur traurig und enttäuscht, lässt mich auf Sorte eins tippen - obwohl ... meistens sind die beiden beschrieben Typen ja gut gemischt!

Gern gelesen!  ;D

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: William und Mary
« Antwort #2 am: April 17, 2019, 00:43:02 »
Danke, lieber Erich. Der Mann ist Philosoph. Er liebt seine Frau, aber er bestimmt über ihr Leben. Sie wäscht die Wäsche, er liest die Bücher. Kurzes Zitat:

»Fürchtest du, ich könnte Lungenkrebs bekommen?« »Nein«, antwortete er. »Warum soll ich dann nicht rauchen?« »Weil ich es mißbillige. Deswegen.« Er hatte auch Kinder mißbilligt, und folglich hatten sie nie eines gehabt.

LG g
« Letzte Änderung: April 17, 2019, 09:10:49 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: William und Mary
« Antwort #3 am: April 17, 2019, 10:54:29 »
Hi Gum!

Hatte er wenigstens soviel Respekt, ihr die Gründe für seine Missbilligung zu erläutern? Philosoph, dass ich nicht lache! Wer geistig so im Männerbild der patriarchaischen Epoche verhaftet bleibt, ohne sich selbst und sein Handeln zu hinterfragen, kann intellektuell nicht sonderlich rege sein!

Gleichwohl trifft sie aber ebenso Schuld, da sie sich offenbar zu seinen Lebzeiten kritiklos fügte - also auch in ihrem Rollenbild gefangen blieb - und erst Rache nahm, als er sich nicht mehr äußern oder wehren konnte.

LG, eKy
« Letzte Änderung: April 17, 2019, 10:56:30 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: William und Mary
« Antwort #4 am: April 17, 2019, 18:06:20 »
Die Geschichte ist von 1959, da war die Rollenverteilung noch etwas anders.

Erich Kykal

Re: William und Mary
« Antwort #5 am: April 17, 2019, 18:28:28 »
Hi Gum!

Was ich im letzten Beitrag sagte, sollte für jede Epoche Gültigkeit haben!  >:(

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.