Autor Thema: Hadern mit Wortlust  (Gelesen 2354 mal)

Sufnus

Hadern mit Wortlust
« am: Januar 17, 2020, 11:36:04 »
Hier noch etwas Älteres, leicht modifiziert, aus der Experimentalkiste... wer erkennt, welche sprachliche Formvorgabe dieser Bastelei zugrunde lag? :)

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Hadern mit Wortlust

Aber im Chor furcht Spracheinortung
alles in korundharten Findzorn:
Schuld als Grenzhirn locuststarrer
Biocunablen. Inokkult darben wir
so Hundsarmen sinnlos und hadern
mit Wort und Hand. Erst im Ordnungsgrab
des Rigors umgarnen wir solch Unrat,
den wir todwund an kein Ohr tun.

« Letzte Änderung: Januar 17, 2020, 12:00:13 von Sufnus »

Agneta

  • Gast
Re: Hadern mit Wortlust
« Antwort #1 am: Januar 19, 2020, 11:29:19 »
im Ordnungsgrab des Rigors... tatsächlich ein Wortgeklüft, dieses Stück, lieber Sufnus. Um die Spitze zu ersteigen, muss man sich anstrengen. Lächeln.
Ich könnte mir darunter eine Elegie vorstellen, Distichen, obwohl die Metrik dann nicht stimmt. Aber modern wird das ja heute nicht mehr so eng gesehen
Möglich wäre aber auch, und dahin würde ich eher tendieren, ein 4 faches  Epigramm, das nach alter Vorlage 3 Hebungen hat und moralische Weisheiten verbreitete.
Wie auch immer: opulent und wortgewaltig. Als Aussahe lese ich die oftmals verzweifelte und banale Suche des Menschen nach den richtigen Worten...
LG von Agneta

Erich Kykal

Re: Hadern mit Wortlust
« Antwort #2 am: Januar 20, 2020, 22:00:34 »
Hi Suf!

Ehrlich? Eher Hirnwixerei eines sprachverliebten Autors auf der Suche nach literarischer Selbstbestätigung als Lyrik, so kommt mir das rüber. So nach dem Motto: Wie komplex und mit wievielen Fremdworten darin kann ich schreiben, dass der sprachakzelerierteste Leser gerade noch mitkommt!?  ;) >:D
Liest sich auch unmelodisch und sperrig - ein scharfkantiger Gerümpelhaufen semantischer Überbeanspruchung ... - der Titel ist passend gewählt.

Nö, das kannst du VIIEEEL besser!  ;) :)  - aber hier ging es ja eher um Selbstironie oder sarkastisches Hinterfragen gewisser lyrischer "Spielarten", nicht wahr? So gesehen irgendwie doch passend ...  8)

LG, eKy
« Letzte Änderung: Januar 20, 2020, 22:56:56 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Sufnus

Re: Hadern mit Wortlust
« Antwort #3 am: Januar 21, 2020, 14:43:15 »
Vielen Dank, Ihr zwei Lieben, für die teilweise kongruente, teilweise gegensätzliche, Bewertung meiner Zeilen! "Wortgeklüft" und "scharfkantiger Gerümpelhaufen" gefällt mir sehr gut! :) Und ich lese heraus, dass der Text bei Euch beiden für eine gewisse Aufheiterung gesorgt hat, wenn auch bei eKy etwas durch die Sperrigkeit des Textes getrübt.
Es ist natürlich ein Spiel mit dem Wortmaterial und die Zeilen folgen dabei einer strengen formalen Regel: In dem Text darf kein Vokal unmittelbar wiederholt werden und die Vokale müssen sich stets in ihrer alphabetischen Reihenfolge abwechseln: Hadern mit Wortlust, also immer a,e,i,o,u usw. Eine schöne Übung, um einmal ausgetretene Schreibweisen zu verlassen... kann ich sehr empfehlen. :)

Erich Kykal

Re: Hadern mit Wortlust
« Antwort #4 am: Januar 25, 2020, 11:54:28 »
Hi Suf!

Hättest du diese selbst gestellten Regeln oben gleich VOR dem zu lesenden Werk angegeben, der Lesegenuss wäre ein größerer gewesen ...   ;)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.