Autor Thema: Wehmutsblick im Wandeln  (Gelesen 1856 mal)

Martin Römer

  • Gast
Wehmutsblick im Wandeln
« am: Februar 11, 2020, 20:36:29 »
Ich lächelte – und hier muss ich um Gnade flehen –,
als Lady Anneliese kam mit Silberhufen:           
„du wirst dereinstomalen als dein Kern bestehen“ –
denn mir ward diese Schnödigkeit nicht zugerufen…..

Ein Admiral kann nicht als grauer Klotz stolzieren,
er kennt den Aufbruch nur und jähes Speisgericht,
wo noch die Englein in der Lust des Kriegs erfrieren,
und weiß sich zitternd vor der selbstgewirkten Pflicht.

Ich habe große Angst, ein Alter zu erreichen.
Es ekelt mich der Häuser und der Menschenläufe.
Ich lebe Jahre schon mit großer Pein im Bleichen.
Wo bleibt denn bloß das friedevolle Sterngeträufe?

Ein funkelprächtiges Gestiebe, das ist mein. 
Und heut vollbracht – das sagt uns der Mercedes-Benz.
Und alles aus dem Kreise führt zum Sonnenschein         
und ich bin nur noch Widerglanz der Quintessenz.

Ein schwerer Sturm hob an. „Du bist so dumm geworden“,
entschwingt ein Geistlein sich und spottet der Vernarbung.
„Du gehst zum Wahren und die Qual geht zu den Horden   
und Mündungspunkt bleibt stets dein Wesen ohne Darbung.“

Erich Kykal

Re: Wehmutsblick im Wandeln
« Antwort #1 am: Februar 11, 2020, 23:51:34 »
Hi Martin!

So schön deine Spache ist und wie erhaben auch zu lesen - inhaltlich ist es mir einfach zu verquast: Praktisch alles ist als Gleichnis formuliert, ist ein Bild für ein anderes Bild, alles so überfrachtet mit Metaebene und Doppeldeutigkeit, dass sich einem das Hirn verknotet beim Versuch, sich da durchzuwurschteln, ohne völlig den imaginären Faden zu verlieren.

Sprachlich und inhaltlich überfrachtet, so will es mir erscheinen. Vielleicht habe ich aber auch einfach nicht den nötigen Horizont für diese Art Lyrik, denke zu geradeaus, zu direkt. Vielleicht mangelt es sogar am nötigen Bildungshintergrund.

Gern gelesen - aber gar nicht erst den Versuch gemacht, es wirklich zu verstehen!  :) :-\

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Martin Römer

  • Gast
Re: Wehmutsblick im Wandeln
« Antwort #2 am: Februar 12, 2020, 03:50:02 »
Ja, hallo nochmals....

Wer weiß, ob ich vor lauter Bäumen nicht irgendwann den Wald aus dem Blick verloren habe,
um auf die mögliche Überfrachtung anzuspielen....


Die beiden Punkte der stilistischen Art:
es mag sein, dass sich die einen im "Alltagsräumlichen" bewegen und andre in die Ferne schweben.
Den Bildungshintergrund kannst du gleich abtun: wir sind quasi kultiviert aus uns selbst heraus.


Es ist natürlich ein wenig unangenehm, sich zum Thron der Erklärungen hinbegeben zu sollen.
Hin und wieder spuken mir Verse oder Kommentare im Kopfe herum der alten Wiesenkönigin.
"Irgendwann wirst du als dein Kern bestehen..." hieß es mal in Bezug auf "Jugendleiden",
hier Impetus, um über das Gehen durch teils hartes Schicksal nachzudenken -
das hast du aber verstanden? Gewiss doch.
 
Seltsam.
Für das Wirre, ob jetzt mit der blauen Blume oder durch Elfenbeintürme, bin ich eigentlich nicht zu haben.
Ist dein Blick - wie soll ich das sagen - getrübt durch irgendein "Vorurteil"?
Gewissermaßen eine zu schnell eingenommene Warte?

Meistens fahre ich auf der Schiene "Vers für Vers", also jede Aussage bzw. Begebenheit für sich.
Hier kann ich nun wirklich keine große Wut nach Gleichnissen, Labyrinthen und abstrakten Modellen sehen.
Es ist eine nüchterne Notiz, dass ich seit Jahren mit Schmerz im Nichts lebe. Ich bitte dich.
Im Grunde bin ich immer nur bestrebt, das zu beschreiben, was aktuell auf dem Tisch liegt oder auch im Herzen wirbelt. 
 
Je nun, selbst Lady Anneliese wurde mal "dunkle Diktion" unterstellt, obschon sie wahrscheinlich einen Hauch klarer schrieb als ich, ja.
Dennoch, ihre Reaktion war: "willst du nicht den Finger drauf legen, damit ich erkennen kann, was dich stört....?"


Nein, ins Mystische von Geist-Anarchisten drängst du diese - mich gelüstet nach altem Übermut! - still-elegische Kostbarkeit nicht!
Ich stand wirklich gestern nachts im Sturmwetter und dachte: du bist so tot, wo und mit welchem Sinn sollten Narben kommen......

Wir sollten Klarheit darüber schaffen, denn an seiner "Erhabenheit" will man so leicht nichts ändern.
Ich kann mich im Gegensatz zu dir, dem Leichten und Unberührten, ohnehin immer nur so selten erheben......


Schöne Morgengrüße
M

 

Sufnus

Re: Wehmutsblick im Wandeln
« Antwort #3 am: Februar 12, 2020, 13:03:50 »
Hi Martin!
Ich bin ganz begeistert, hier wieder neue Werke von Dir lesen zu können!
Sprachlich wunderschön und äußerst inspirierend!
Mit eKys Skepsis, was die Inkommensurabilität angeht, würde ich hier nicht mitgehen. Ich finde die Zeilen gar nicht so hermetisch - der Mensch im Zwiespalt von physischer Begrenztheit und seinen geistigen Ansprüchen an die Welt ist hier das immergrüne Thema. Wenn man von dieser Prämisse ausgeht, ergeben sich dann allerdings viele mögliche Einzeldeutungen für die hier aufgereihten Bilder, insofern hat eKy mit dem Hinweis auf eine Uneindeutigkeit der Verse natürlich nicht unrecht. Ich empfinde das hier aber überhaupt nicht als problematisch. Jeder Leser darf sich hier einen eigenen Zugangsweg erkämpfen - mit hoffentlich mehr Verve als der unglückliche Protagonist in Kafkas Erzählung "Vor dem Gesetz".
Liebe Grüße!
S.

Martin Römer

  • Gast
Re: Wehmutsblick im Wandeln
« Antwort #4 am: Februar 13, 2020, 05:13:00 »
Ach du werter Gefährte,

sei mir in heutigen Tagen lieber mal auf der Hut.
Gewisse Geistliebkosungen.......

Wieder geht es auf die intellektuelle Schiene.
Da fällt dem Dummgeschöpfchen doch glatt etwas aus heileren Zeiten ein:

Ich zerfasere meine Gefühle nicht und liebe, solange ich noch lieben kann.

Welchem Mund das wohl entfloß...? ;)

Und dergestalt soll mir der Anspruch sein: jenseits von Gott und Vagheiten die verschiedenen Dinge textlich zu bannen.

Nein, mit Ketten und Ansprüchen hat es eigentlich nichts zu tun. Das wäre ja der dynamische Bereich, der im Gegensatz zu dieser halkyonischen Schwermut steht.

Was soll denn hier so konfus und verknotet sein, bitte?
Das unstete Wandeln ist ein doch ein uraltes Thema.
Ist sozusagen der ernste Charakter der Beobachtungen irritierend?
Hier scheint man wohl nicht richtig ins Stromgewässer zu finden.

Peinliche Notiz noch schließlich: wie die Sache nicht wie üblich mit Erlösung und Sonnenschein endet oder dergleichen, sondern mit einem "warum bist du denn hier noch im Nichts", das verströmt einen besonderen Glanz, will ich meinen.

Nun denn - bis zum nächsten Mal!

Viele Grüße
M