Autor Thema: Los des Lebens  (Gelesen 1913 mal)

Martin Römer

  • Gast
Los des Lebens
« am: Februar 23, 2020, 21:29:10 »
Wie rief doch meine Sehnsucht seltsames Geschehen:
vom perlenden Gesang zur stillen Nebelbank!
Der Jüngling hat am Tag den Meister anzuflehen
und reicht indes am Abend seiner Brut den Trank.

Das Menschenkind vereinigt wonnesam die Säulen,
bis einst die Außenglut die Auen überschwemmt.
Nur meine Schwerperversen können nicht erfäulen
und das gepeitschte Herz wird grausamlich zerklemmt.

„Wann mag die Schreckenszeit das Flammenjoch erbreiten?“,
erschluchzt am gräulichen Gestade ein Gespenst                             
und birgt sein Goldgeschmeide bang vor den Gezeiten –           
hinwieder köpft es dich, wenn du es pfadlos nennst.

Sufnus

Re: Los des Lebens
« Antwort #1 am: Februar 24, 2020, 10:47:54 »
Lieber Martin!
Wieder ein klangvolles Meisterwerk von Dir! Großes Kino! :)
Mir gefällt übrigens der Titel auch ganz besonders - weil er ganz verschiedene Lesezugänge bietet: Das "Los" lässt sich im Sinne von Schicksal verstehen, aber auch als Imperativ wie in "Leinen los!"....
Sehr sehr gerne genossen! :)
S.

  • Gast
Re: Los des Lebens
« Antwort #2 am: Februar 24, 2020, 19:14:35 »
Du guter Geselle,

direkt auf den Punkt, das ist etwas Flutschiges.

Aber wir könnten auch mit einem Hauch das Thema streifen, denn es ist kein einfaches Thema:
das Aufeinanderprallen von Kolossalbegebenheiten und -gewalten.

Die Vorstellung, nach tausendfacher Nacht, Unbehagen, Bitterkeit, Kühle, Grausamkeit etc bei der Selbstterrorismusmiliz einfach nach drei Tagen umzukommen, macht mir geistige Trübsal.
Aber es kann auch sein, dass es für das idiotische und missratene Elendshündchen irgendwo weitergeht, wo sich ja eigentlich fast nur die Gegenteile des Lebendigen gezeigt haben,
auch in teils lächerlichen Zusammenmischungen.


"Es komme, wie es kommen mag" ---- der Wiesenfürstin großer Stoizismus!
Ob ich stoisch bin?
Ich --- flüchte mich wohl zumeist lieber auf die Kirmes und werde zur Schießbudenfigur.


Wohldenn, schöne Abendgrüße
vom noch lieben und noch lebendigen M


Ach ja,
fast hätt ichs vergessen: hier bin ich selbst mal das kleine Gespenstchen!....


« Letzte Änderung: Februar 24, 2020, 19:57:13 von Martin Römer »

Erich Kykal

Re: Los des Lebens
« Antwort #3 am: Februar 27, 2020, 15:10:40 »
Hi Martin!

Klanglich oppulent, melodisch erhaben - und inhaltlich wieder extrem symbilhaft verschlüsselt. Für so gut wie alles steht ein eigenes lyrisches Bild, und oft bis meist fällt es mir schwer, die Symbole zu deuten.

Was ich nicht verstehe oder wahrscheinlich falsch auslege:

S1Z1,3,4
S2Z1,2,3
S3Z1,3,4

Allgemeine Deutung: Nach Gefühl eingeschätzt, geht es hier um ein LyrIch, das das im Alter versickernde Leben beklagt, das sich aber doch immer noch mit "allen Organen an die Welt klammert", wie Goethe so trefflich schrieb.
Es hortet bang die im Leben gewonnenen Schätze und verbietet sich streng jede Kritik zum einstigen Handeln.

Stimmt das in etwa? - Man will ja besser werden im Deuten, und deine (aus meiner Sicht) so hoch verklausulierten Verse bieten da optimales Übungsmaterial!  ;)

Sehr gern gelesen!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Martin Römer

  • Gast
Re: Los des Lebens
« Antwort #4 am: M?RZ 06, 2020, 18:39:47 »
Werter Gefährte -

und ist das hier schon fast eine alte Kamelle, es muss doch Erquickung ausgesprochen werden, mich nicht pauschal zu Düsterlingen einer Mischpoke zu senden!

"Vom perlenden Gesang zum stillen Nebelflor" ?
Es war eine beglückende und beschwingte Zeit, als Lady Anneliese damals im Minutentakt und in circa 10 verschiedenen Foren ihre weisen Kommentare schrieb, noch bisschen andere Kultur mein Herz verzauberte etc pp.
Bis mir Deutschlands schwerste Psychopathen (Hinrichtungsspektakel Psyche, Gestörte, Kranke, böse Mädchen,...) entgegengebracht worden sind.
Die Bilder halte ich für ganz geläufige dichterische Diktion, die umfassender und hoffentlich ergreifender daherkommt.

Zu den Gefilden hoher Ahnen, wie bspw. jenen der Meißners, wollen wir heute nicht promenieren.
Dieser Vers stellt eine Einsicht dar über juvenile Selbstsucht, wie diese Serpentinengänge allen Redlichen doch zu eigen sind.
Von glatten Seelen kann ich nur abraten, die Rache blüht am nächsten Tag.
Diese Deutung, im Alter irgendwelche Schätze zu hüten, ist selbstredend alberner Kitsch.

Du magst mir in meinen vielleicht letzten Lebenswochen zugestehen, etwas ohne Hintergedanken und kindlich von der Seele herunterzubrechen - wahrscheinlich liegt hier die falsche Warte,
von der du über die harten Tatsachen hinweg lauter Symbole und Geheimnisse witterst.
Das Stilmittel des lyrischen Ichs ist sowieso nur bei den Schwächlingen zu finden.
Der Junge fleht den Meister an - wie sollte denn noch deutlicher Trübsal über die eigene Abenteuerlustigkeit geäußert werden?
Ingleichen, was den Kreislauf der Dinge und einzelne eherne Ausnahmen anbelangt, was natürlich im Fortexistieren damit zu großer Marterung führt.

Schlußendlich: das Monströse des Erlebten schreit und schreit, nach Bewahrung, nach Mitteilung, nach Frieden und dergleichen.
Aber dann habe ich mich als Elendshaufen in der Katastrophenzeit.
Es schreit und schreit zum Erbe, es schreit und schreit zum Ende.
Dieses Hin und Her hat mir schon viele qualvolle Stunden bereitet.
Das kann nur mit dem Schreiten selbst aufgelöst werden: also entweder zu einem glücklichen Gestade diesseits oder über das 100fach zurück in einen andern Körper, wobei der entsprechende Pfad der Erlösung aufblüht, wenn ich mit dem Mercedes und den ersten Fällen ins Ungewisse der Nacht fahre.
Wie sagt mein Spukschätzlein nächtens immer so gern: es soll sich jetzt endlich zeigen!


Soweit noch hier das, was gesagt werden musste,
viele Grüße
M