Hi EV!
Sehr schönes Gedicht - inhaltlich ganz auf meiner Linie, möchte ich voll des Lobes sagen!
Anmerkungen:
Widersprechen sich S1Z1 und 2 nicht? Erst fühlt das LyrIch
nicht die "Fristen schwerer Tage", was wohl heißen soll, dass es sich trotz Fährnissen wohlfühlt - nur um in Z2 dann doch schwach zu sein.
Für mich ergäbe es so mehr Sinn:
"Ich trage schwer an dunkler Tage Firsten,"
S1Z3 - Kann ein Hunger darben? Darben bedeutet ja ursächlich, hungrig zu sein, das wäre, als würde man sagen, dass das Leben lebt, oder dass ein Tiger tigert. Also auch mit gedachter Personifizierung eigentlich doppelt gemoppelt. Statt "darbe nach" wäre also ein unverfänglicheres Verb hier unproblematischer. Oder du überdenkst den Satzteil mit dem Sophisten ...
S2Z2 - "glaube nicht ... an
eine Welt". Und ich glaube nicht, dass man "erreift" so verwenden kann. Man sagt: "eine Welt ... die mir noch erreift." oder "eine Welt, die sich mir noch erklärt". Aber beides kombiniert? - Ich glaube nicht. Lösung:
"an eine Welt, die
noch in mir erreift."
Gerade diese 2. Strophe halte ich für wirklich großes lyrisches Tennis - meine aufrichtige Reverenz und Chapeau! Vor allem das Bild der Concusio (aus trüben Öl gereift und farbenfressender Schatten!) drückt das Gefühl gekonnt aus, nur zu konsumieren, ohne noch tieferen Sinn zu suchen nur zu gieren - nach Leben, nach Erfüllung, oder wonach auch immer. So erging es auch mir, bis ich begriff, dass das Leben
an sich das Wertvolle war, das Geschenk ohne Rechnung, und dass es keinen Sinn verlangt oder braucht, um genossen werden zu dürfen. Nur wir dummen Menschlein suchen verkrampft danach, als könnten oder dürften wie ohne nicht sein ...
Auch S1 ist gut gelungen, aber diese 2 Str. haut einen vom Lesehocker, wenn mir das drastische Bild gestattet sei.

Interessant für mich die Reimstruktur mit der strophenübergreifenden letzten Zeile: ABAB
C - DEDE
C.
Interessant für mich deshalb, weil ich in meiner lyrischen Frühzeit selbst viel mit Formen experimentiert und derlei selbst angewandt habe. Dein Werk erinnert mich an diese Zeiten - auch dafür hab Dank.
Ausgesprochen gern gelesen!

LG, eKy