Autor Thema: Die menschliche Natur  (Gelesen 154 mal)

Erich Kykal

Die menschliche Natur
« am: April 17, 2022, 13:25:13 »
Im Osten wird entrechtet und geschlachtet
im Namen dummer Männer an der Macht.
Auch Kinder werden dabei umgebracht
von Mördern, hirn- wie herzlos und umnachtet.

Doch nicht mal diese Metzelei von Tieren
erachtet wohl der Wohlstandsmensch als Grund
genug, sich aufzuraffen. Sein Befund
erweicht ihn nicht, sich ganz zu engagieren.

Am Bildschirm tritt Gewöhnung ein – das Sterben
erreicht die Augen noch, doch nicht die Herzen
genug mehr, dass die ungestillten Schmerzen
der Leidenden uns je den Tag verderben.

Man tut, als gehe das verlogne Morden
uns gar nichts an, sind wir nicht selbst betroffen,
und nur, wer Menschen noch nicht kennt, fragt offen:
Wie sind wir, und warum, je so geworden!?
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Rocco

Re: Die menschliche Natur
« Antwort #1 am: April 18, 2022, 19:43:43 »
Hallo Erich,

ich kann mir vorstellen, dass du Putin einen Gefallen tust, wenn du ihn als einen Verrückten abstempelst. Lies mal den Fürsten von Machiavelli. Wer Macht will und sie erlangt und behauptet, kann einfach nicht verrückt sein, denn solche Handlungen erfordern Verstand, Intelligenz und etwas Phantasie.

Und wer bitte ist "der Mensch"?

Würdest du, Erich, Kinder abschlachten? Wohl eher nicht.

Wenn man pauschalisieren will, kann man sagen: Kriege verführt jene, die kein Gewissen haben. Du hast mal gemeint, solche Leute seien korrupt - weißt du noch?

Wer in den Krieg zieht, wer bereit ist, anderen Leid zuzufügen, der hat sein Gewissen längst betäubt oder begraben.

Aus dem Grund wäre ich als Soldat ungeeignet. Und du auch.

Um deine Frage zu beantworten:

"Wir" sind so geworden, weil unsere Maßstäbe nur heiße Luft waren oder nur für andere gegolten haben (Wasser predigen und Wein trinken).

"Wir" sind so geworden, weil unser Gewissen schwach war oder wir es betäubt haben. (Kampf für eine gerechte Sache).

Im Kern aber: weil "wir" korrupt sind. (Das war einer deiner besten Gedanken.)

Dir einen schönen Abend!

Rocco

"Erst in Rage werde ich grob -
aber gelte als der Hitzkopf?!"

Yusuf Ben Goldstein, aus Rocco Mondrians Komödie: Yusuf Ben Goldstein, ein aufrechter Deutscher

wolfmozart

Re: Die menschliche Natur
« Antwort #2 am: April 18, 2022, 19:55:06 »
Hallo Erich,

ich versteh dich, das alles ist auch eine MENSCHLICHE Katastrophe.
Wenn ich meinen Gefühlen freien Lauf lassen würde, würd ich wohl Tag und Nacht weeinen vor Einfühlung in diese Fürchterlichkeiten.
Drum grenz ich mich etwas ab. Ich kann eh nicht viel helfen (außer spenden vielleicht).

Dein Gedicht/Betrachtung ist wie meist auf den Punkt gebracht.

Grüße wolfmozart

Erich Kykal

Re: Die menschliche Natur
« Antwort #3 am: April 18, 2022, 23:32:23 »
Hi Roc!

Ich kann mich nicht erinnern, Putin als "Verrückten" abgestempelt zu haben, hier ist die Rede von "dummen Männern an der Macht", und Dummheit ist nicht Irrsinn.

Du glaubst also, jemand, der Intelligenz (Verstand ist ja im Grunde dasselbe) und Fantasie hat, könne nicht verrückt sein? Wie um alles kommst du auf die Idee - oder Machiavelli?

"Menschen", oder "die Menschen", stehen, wie der Terminus bereits aussagt, für die allgemeine Zuständlichkeit der menschlichen Natur, die Sicherheit und Bequemlichkeit jederzeit einer riskanten Einmischung in begangenes Unrecht vorziehen wird, vor allem, wenn es weit weg geschieht.

Und nein, ich würde keine Kinder abschlachten, aber so einige von Putins Schlächtern hat damit offenkundig keine Probleme. Sie sind nicht korrupt im Wortsinne, sondern gefühlskalt oder soziopathisch. Vielleicht auch so fanatisch, dass sie die Durchsetzung hrer Ideen und Weltanschauungen jederzeit über das Leben Unschuldiger stellen, egal, was sie ihrem Gewissen damit antun.

Übrigens, so als Gedanke: Machiavelli war ein Kind seiner Zeit, als das Leben an sich noch relativ wenig bedeutete, vor allem, wenn es nicht adelig oder zumindest reich war Es war zwar schon Renaissance, aber das dürfen wir uns nich so romantisiert vorstellen wie heutzutage im Rückblick, so als wären urplötzlich alle Europäer geistig geläutert gewesen und hätten von da an nur noch von Gewaltenteilung, Gerechtigkeit und Demokratie geschwärmt!

Der Gedanke der Renaissance spielte lange Zeit nur in engen intellektuellen Zirkeln von Kunst und Kultur eine Rolle, ehe all das auch in Gesellschaft und Politik hineinwchs. Bis dahin - so etwa im Laufe des 19. und 20. Jhdts, und das meiste davon rst nach dem 1. Weltkrieg - zähte das Individuum nicht viel in den Rechenspielen der Mächtigen, war Kanonenfutter, Gehorsamsmasse und Ausbeutungsbasis.
Je früher man in der Geschichte zurückgeht, desto brutaler und rücksichtsloser diese Maxime.

Daher ist es umso niederschmetternder, wenn heute, im 21. Jhdt, nach all den Kataklysmen ds letzten Jhdts, die eigentlich eine ewige Lektion hätten sein müssen, die "zivilisierte" Menschheit immer noch keine anderen Mittel sieht, als sich auf dem Rücken unschuldiger Zivilbevölkerung mit aller Härte und Grausamkeit zu bekriegen, um Probleme gelöst zu bekommen.

Vielleicht sah sich Putin aus seiner Sicht zurecht bedroht - aber dass er zu Panzern und Raketen griff, um sich durchzusetzen, sich genötigt sah, eine frei gewählte Regerung anzugreifen und ein ganzes - oder zumindest halbes - Volk zu unterdrücken, macht ihn zu einem Arschloch reinsten Wassers. Die Ausrede des "Wahnsinns" vergönne ich ihm nicht.
Er ist einfach nur ein dummer, böser, grausamer und rüksichtsloser Mensch, den man niemals hätte zum Quasidiktator hätte aufsteigen lassen dürfen!
Leider ist es meist gerade diese Sorte Mensch, die im Spiel um die Macht die besten Karten hat ...

Daher ist es ebenso niederschmetternd, dass die Menschheit bei aller Klugheit und Fortschritt immer noch keine stabilen Mechanismen gefunden hat, die solchen Menschen den unverdienten Weg an die Macht wirksam verwehren. Was daran liegen mag, dass jene, die es verhindern könnten, nie rechtzeitig den Hintern hochkriegen, weil sie sich einreden, es ginge sie - aus welchen Gründen auch immer - nichts an.

Funktioniert schon bei den Kindern: Der Klassenbully terrorisiert die Schwächsten, und alle anderen schauen einfach nur weg, um nicht womöglich auch Ärger zu kriegen. Menschen sind so. Und nur Naive fragen, warum.

LG, eKy



Hi WM!

Du hast recht, man muss sich innerlich abgrenzen, nicht nur vom Elend, das dort geschieht, sondern auch von der bedrückenden, stillschweigenden Übereinkunft der meisten hier, sich nicht allzu direkt einzumischen. Die Gründe dafür mögen gut sein, aber irgendwie riechen sie alle doch ein wenig nach Angst. Und mit Angst konnten Männer wie Putin immer schon gut arbeiten ...

LG, eKy
« Letzte Änderung: April 18, 2022, 23:37:01 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Sufnus

Re: Die menschliche Natur
« Antwort #4 am: April 20, 2022, 15:46:39 »
Hi eKy!
Diese Zeilen sind gut gemeint und auch ohne große Schönheitsfehler zusammengefügt worden, aber für mich persönlich bleiben sie etwas formelhaft und schematisch. Sich der schrecklichen Lage in der Ukraine mit den Mitteln der Poesie zu nähern, ist aber auch extrem schwierig. Ich bin dennoch für jeden Versuch dankbar - also auch für diese Zeilen, wenngleich ich (ausnahmsweise) mal ein bisschen verhalten reagiere.
LG!
S.   

Erich Kykal

Re: Die menschliche Natur
« Antwort #5 am: April 21, 2022, 17:23:54 »
Hi Suf!

Durchaus statthaft. Ich bin ja auch nicht immer gleich gut "bestrahlt", wenn ich etwas schreibe. Bei einem guten Dutzend Werken bisher zu Ukrainekrieg und Putin-Baby wird es durchaus ein gewisses Gefälle an lyrischer Wertigkeit geben.

Vielen Dank für deine Ehrlichkeit!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.