Autor Thema: Schriftliche Entblößung  (Gelesen 853 mal)

Sufnus

Schriftliche Entblößung
« am: November 15, 2022, 14:48:07 »
Schriftliche Entblößung

Betr.: 15. November (Ich-liebe-es-zu-schreiben-Tag)

Der Schriftverkehr, der Schriftverkehr
fällt manchen Menschen ziemlich schwer,
drum lassen sie das Schreiben bleiben,
um sich nicht sprachlich aufzureiben.
Denn wenn sich so im Schriftgeschehen
die Wörter um Gedanken drehen,
dann bleiben Mittel oder Zwecke
des Intellekts oft auf der Strecke:
Verlegen steht der Schreiber nackt,
als - sozusagen - Schreibe-Akt.



« Letzte Änderung: November 17, 2022, 17:39:39 von Sufnus »

Erich Kykal

Re: Schriftliche Entblößung
« Antwort #1 am: November 15, 2022, 19:20:51 »
Hi Suf!

Nette Wortspielerei. Wozu die Verkürzungen der Reimworte in Z5/6? Ich denke, die männlichen Kadenzen der Schlusszeilen brauchen kein Gegengewicht, sie stehen als Conclusio ohnehn gesondert und schließen in ihrer Prägnanz das Werk durchaus gerundet ab.

In Z3 würde ich das etwas ungelenk klingende 'die' durch 'sie' ersetzen. Es muss nicht mehr gesondert auf die begrenzte Anzahl der angesprochenen Sorte Mensch hingewiesen werden.

Gg, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Sufnus

Re: Schriftliche Entblößung
« Antwort #2 am: November 16, 2022, 18:49:30 »
Hi eKy!
Guter Hinweis bzgl. der verkürzten Reimworte!
Ich wende es nochmal hin-und-her... vermutlich ändere ich es aber tatsächlich.
Und die Änderung von die nach sie wir auf alle Fälle vollzogen... ist tatsächlich einfach ein Typo... danke für den scharfen Blick! :)
LG!
S.

Sufnus

Re: Schriftliche Entblößung
« Antwort #3 am: November 17, 2022, 17:39:51 »
*done!* :)

Erich Kykal

Re: Schriftliche Entblößung
« Antwort #4 am: November 18, 2022, 16:41:26 »
*check*
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

wolfmozart

Re: Schriftliche Entblößung
« Antwort #5 am: November 27, 2022, 17:27:43 »
Hallo Sufnus,

ist mir beim Stöbern aufgefallen weil ich kurz schmunzeln musste (was bei mir nicht leicht geschieht  :))

L Gruß wolfmozart

Rocco

Re: Schriftliche Entblößung
« Antwort #6 am: Dezember 03, 2022, 01:34:36 »
Hallo Sufnus,

der Schriftverkehr als Bewegung und als Akt. Zwei Seiten einer Bedeutungsmedaille - das ist trefflich pointiert.

Hatte kurz Angst, es würde ein Verkehr gezeigt, Martin Walser hat das glaube ich versucht, war dann erleichtert, dass es bei dir nicht walsert.

Einen schönen Tag!

Rocco
"Erst in Rage werde ich grob -
aber gelte als der Hitzkopf?!"

Yusuf Ben Goldstein, aus Rocco Mondrians Komödie: Yusuf Ben Goldstein, ein aufrechter Deutscher

Sufnus

Re: Schriftliche Entblößung
« Antwort #7 am: Dezember 09, 2022, 13:26:42 »
Hi WM & Rocco!
Lieben Dank für Eure Wertschätzungsbekundungen! Offenbar hat das Gedicht Euch zu amüsieren oder zu erfreuen gewusst, womit sein wesentlicher Daseinszweck als erfüllt angesehen werden kann. :)
Was das nicht stattfindende Walsern (ein schöner Neologismus! :) ) in meinem Text angeht, lieber Rocco, muss (und will) ich Dir einfach mal glauben - ich grübele gerade nach, aber wenn ich nicht ganz falsch liege, habe ich im Leben noch keinen Text von Walser gelesen. Namentlich sind mir natürlich einige seiner Werke bekannt, aber er ist in meiner Wahrnehmung ein vorwiegend narrativer (ggf. auch mal ein narrativ-essayistischer) Autor und kein Lyriker. Da ich wiederum ganz auf die Lyrik spezialisiert bin, ergibt sich einfach keine Überschneidung. :)
Und zu Deinen "Sorgen", lieber Rocco, vor einer Darstellung des Geschlechtsverkehrs: Ich wäre dem Thema nicht grundsätzlich abgeneigt und denke, dass dieses Sujet technisch weitaus einfacher in einem Gedicht als in einem Prosatext verarbeitbar ist. Dass es offenbar weitaus mehr Prosatexte als Gedichte gibt, die sich dem sexuellen Körpergetummel widmen, soll meiner These mal keinen Abbruch tun. ;)
LG!
S.