Autor Thema: Vorstadt-Mussolini  (Gelesen 896 mal)

Erich Kykal

Vorstadt-Mussolini
« am: Juli 12, 2025, 14:04:39 »
Verschränkte Arme, Spiegelsonnenbrille,
das Kinn hervor gereckt, die Nase oben:
Ein hartes Mannsbild und ein starker Wille -
so glaubt er sich zu zeigen und zu loben.

Und wehe, wenn man wie auch immer lächelt,
wenn man an ihm vorbeigeht ohne Arg:
Er fühlt persönlich sich gekränkt und hechelt
beim Prügeln seiner 'Feinde' wie ein Warg!

Selbst wer ihn grüßt, den muss er niederstarren,
muss ihn bedrohen mit Gewalt und Häme:
Wo wären wir, wenn jeder bald der Narren
ihm ähnlich wenig unterwürfig käme!?

Er ist ein eitler Potentat der Gosse,
ein großes Maul mit einer schwachen Seele,
verroht, vertiert auf seiner Leitersprosse
ganz unten geht er jedem an die Kehle.

Verarmter Geist, von deiner Angst gebrochen,
brichst andre du, um vor dir selbst zu gelten.
Das Gute in dir zeigte sich zu selten:
An deinem Grabe wird kein Wort gesprochen.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Vorstadt-Mussolini
« Antwort #1 am: Juli 13, 2025, 01:26:08 »
Lieber Erich,
ich dachte zuerst an den italienischen Duce Benito und seine demütigende Exhibition auf dem Piazzale Loreto. Aber auch wenn es hier um jemand anderen geht - einen ungebildeten jungen Rechtsradikalen der Gegenwart -  sind Ausdruck, Gewaltbereitschaft und Minderwertigkeitskomplex ganz ähnlich und das Lebensende vielleicht auch.

Nein, wir dürfen uns von solchen Charakteren nicht einschüchtern lassen!

Sehr gern gelesen.
LG g

Erich Kykal

Re: Vorstadt-Mussolini
« Antwort #2 am: Juli 13, 2025, 11:24:55 »
Hi Gum!

Interessant: An welchen Details glaubst du zu erkennen, dass es sich um einen Politisierten handelt, vornehmlich rechtslastig? - Ah, des Titels wegen. In diesem Fall liegt die Ähnlichkeit aber woanders:

Nein, ich dachte an ein paar Typen, die ich früher in der Bikerszene die Unehre hatte kennenlernen zu müssen. In den Gegenden, wo sie wohnten, machten sie gern die Lokale unsicher, pöbelten herum und machten sich wichtig, schüchterten jene ohne Kutte ein und genossen die Angst, die sie verbreiteten, wohlwissend, dass ein ganzer Rockerclub notfalls hinter ihnen stand. Vor allem ein ganz Spezieller von der Sorte: Einmal wurde ich 'eingeladen', ihn auf so eine Tour zu begleiten, weil er mich partout beeindrucken wollte, damit ich seinem MC beitrat.
Natürlich schreckte er mich mit seinen unnötigen 'Gangstermanieren' und seinen fast tierischen wie verbalen Drohgebärden nur umso gründlicher ab. Ein jämmerlicher Fatzke, und in seiner Körpersprache ähnelte er sehr dem Duce, wenn der vor einer Menge sprach: Pathetisch aufgeplustert, Brust raus, Kinn so hoch wie möglich - wie ein Gockel mit geschwollenem Kamm!
Ein echter billiger kleiner Vorstadtmussolini eben ...


LG, eKy
« Letzte Änderung: August 26, 2025, 09:09:32 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.