I
Welche Wut in meinen tiefsten Lebensgrüften,
mühsam nur gesellschaftsfähig unterdrückt!
Welch ein Zorn in dräuend schweren Lasterlüften,
der mein Selbstzerstörerisches tief beglückt!
Kreischend krallen will ich, prügeln und verzehren,
was sich nicht bescheiden meinem Willen fügt!
Alles unterste will ich zuoberst kehren,
bis die Welt um mich mich nicht mehr frech belügt!
Weichen muss der kalte Kreis aus Illusionen,
der mein Grimmen immer schon gefangen hält!
Im gewaltig Losgelassnen will ich wohnen,
bis der fremde Gott aus seinen Himmeln fällt,
der mir anbefahl, mich immer zu bescheiden,
mich für andrer Wohlbefinden abzutun!
Nackter Wahnsinn soll mich bunter nun bekleiden,
aufgebrochen, um mir endlich wohl zu tun!
II
Komm, du Opfer meiner auferglühten Lüste,
füge dich dem Willen, der dich nun bewohnt!
Komm an meiner Wollust aufgedunsne Brüste,
trink die kranke Milch, die jede Mühe lohnt,
sich im heißen Rausch der Sinne zu entarten,
bis die Unschuld im Dämonischen ersäuft!
Schluck die Säfte aus dem geilen Wundergarten,
der sein Sündigstes in deine Kehle träuft!
Labe dich an allem, was man dir versagte,
was Erziehung zu Entmündigung verbot!
Wachse in die nackte Gier, die aus dir ragte -
keine graue Zucht mehr: Mal dein Leben rot!
III
Wohlig ausgelaugt entschlummern wir in Träume,
die kein wölfisch wildes Wollen mehr enthalten,
fassen selig in erschaffne Zwischenräume,
darin wir das Universum neu gestalten.
Ob du atmest oder nicht, spielt keine Rolle -
endlich schweigt das Rasende, das mich betrieb,
all das Brüllende in mir, das Übervolle!
Endlich mag ich mich und hab mein Leben lieb.