Hi Gum!
Ich sah die Verfilmung zuerst und las erst Jahre später das Buch dazu, in dem der Protagoniest ein Dichter ist, kein Komponist. Warum sie ausgerechnet das für den Film verändert haben, ist mir rätselhaft.
Neulich ist der Schauspieler verstorben, der den jungen erwachenden Adomis verkörperte - den 'schönsten Jungen der Welt', wie der Regisseur ihn stolz nannte. Leider hat er dem Burschen außer kurzem Ruhm (vor allem in Japan, wo er zur Vorlage einiger Mangafiguren wurde) damit keinen Gefallen getan. Er litt lebenslang darunter, immer nur mit dieser einen Rolle identifiziert zu werden, auch als er längst ein erwachsener Schauspieler war. Er kam nie von diesem frühen Erfolg los ...
Mittlerweile gibt es die Geschichte auch als Graphic Novel, die sich exakt an die Vorgabe der Novelle hält. Dort finde ich die Figur des von Aschenbach gelungener dargestellt - im Film war mir der Schauspieler, der ihn verkörperte, irgendwie zu wenig asketisch wirkend, zu wenig zugeknöpft bis zum steifen Kragen, spielte allzu emotional und verletzlich.
Dennoch insgesamt eine gute Verfimung, die mich dazumals fasziniert hat. Als Mann das Buch schrieb, war Homosexualität eine Todsünde und ein Verurteilungsgrund vor Gericht, und auch zu Zeiten der Verfilmung galt sie immer noch als unzumutbares Tabu. Umso mutiger beide, Autor und Regisseur, sich dieser Thematik anzunehmen, obendrein mit einem Minderjährigen als Ziel dieser 'verderblichen' Sehnsucht.
Verständlicherweise gehen weder Buch noch Film über Andeutungen, Symbolismen und ein kleines wissendes Lächeln des Knaben hinaus, das den Aschenbach un seinen restlichen Verstand bringt.
Das Ende ist bildhaft: Wahrend Aschenbach im Liegestuhl fiebert, muss er mit ansehen, wofür er gestorben ist: Für die hohle. leere Geste eines Unreifen, der im Grunde noch keine Ahnung davon hat, womit er gespielt hat, wohl eher aus Langeweile oder Eitelkeit: Nachdem er von seinem Spielkameraden zusammengeschlagen wurde, stellt sich der Geknickte in gekränktem Stolz in die Brandung und zeigt in klassischer Pose stehend ins Nichts hinaus, als wäre dort etwas von Bedeutung, das nur er sehen kann, wie um sich erneut eine geheimnisvolle, göttliche Aura zu verleihen, die sein gewalttätiger Kumpel garade so derb zerstört hat. Mit dieser sinnlosen, eitlen Geste vor Augen, die seine Illusion vom gottgleichen Knaben zum Einsturz bringt, fällt der Dichter ins Koma.
LG, eKy