Autor Thema: Funkstille  (Gelesen 113 mal)

gummibaum

Funkstille
« am: M?RZ 20, 2026, 02:15:11 »
„Hast du von Mama was gehört?
Ich kann sie gar nicht mehr erreichen“,
fragt meine Tochter an und stört
im Frühlingswald mich sondergleichen.

Noch höre ich die Vogelstimmen,
dann sehe ich nur meine Frau
in ihrer Wohnung unter schlimmen
Gesichten wachsend leichengrau.

Was tun, wenn ich sie leblos finde?
Wen rufe ich als erstes an?
Wird es ein Trauma sein, gelinde
gesagt, und heilt es irgendwann? 

Warum bin ich nicht früh gestorben?
Der zweite hat es immer schwer.
Ach, hätte ich doch mehr geworben
um sie. Wie oft war ich verquer!

Wir wollten doch nochmal vereisen.
Nicht immer nur die Enkel. - Ja,
es gab trotz langer Trennung Weisen,
die uns vereinten, hier und da.

„Ich war bei ihr, sie ist zu Hause
und hatte nur ihr Handy aus.“ -
Der Frühlingswald, nach einer Pause,
schält warm sich aus dem Geisterhaus… 


 
 


« Letzte Änderung: M?RZ 21, 2026, 06:37:40 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Funkstille
« Antwort #1 am: M?RZ 20, 2026, 10:26:15 »
Hi Gum!

Oh ja, das kenne ich! Als ich in meinen Zwanzigern noch mit Muttern Schwammerlsuchen war (Das Vater war da schon zu hinfällig mit Parkinson), kam sie zuweilen laaaaange nicht daher, während ich meine Runde längst abgeklappert hatte. Dann saß ich im Wagen und malte mir die schlimmsten Szenarien aus! Dabei hatte sie nur in der Begeisterung die Zeit vergessen.

Ihr lapidarer Kommentar: "Wenigstens weißt du jetzt, was ich jedes Mal durchgemacht habe, wenn du nicht rechtzeitig von Spielen im Wald zurück warst!"

Nun ja, als Kind macht man sich da eher weniger Gedanken um elterliche Ängste ...


Schönes Gedicht, nur das seltsam verkürzte 'erst' in S4Z1 würde ich durch ein korrekt formuliertes 'früh' ersetzten. Ich denke, der Leser zieht die richtigen Schlüsse spätestens beim Lesen von Z2, Komparativ 'früher' also unnötig.

Sehr gern gelesen!  :)

LG, eKy

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Funkstille
« Antwort #2 am: M?RZ 21, 2026, 06:44:40 »
Danke, lieber Erich,

für die schöne Geschichte aus deiner Jugend, die mit den wechselseitigen Ängsten um den nächsten Angehörigen genau hierher passt. Deinen Vorschlag habe ich umgesetzt.

Liebe Grüße von gummibaum 

Erich Kykal

Re: Funkstille
« Antwort #3 am: M?RZ 21, 2026, 08:24:04 »
Und dabei spielte es gar keine Rolle, dass es damals natürlich noch keine Handys gab - die Angst an sich war dieselbe.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.