Autor Thema: Gemeine Hundsrute  (Gelesen 49 mal)

gummibaum

Gemeine Hundsrute
« am: Mai 26, 2026, 21:13:59 »
Im Wald, an einem hübschen Ort,
steht eine Bank und lädt uns ein,
bei milder Rast im grünen Hort
des Stifters eingedenk zu sein.

Heinz war hier gerne, steht geschrieben,
und wünscht den Späteren ein Gleiches,
denn, was von diesem Mann geblieben,
erfreut sich eines fernen Reiches.

Wir nehmen Platz für eine Rast,
und meine Frau wirkt recht verzagt,
weil etwas nicht zum Gleichklang passt,
das durch das Laub am Boden ragt.

Ich sehe es orange schimmern
und feg die Blätter leicht zur Seite,
in Sorge, etwas zu verschlimmern,
als ich mit Fingern drüber gleite.

Ein rauer Schaft, so mäßig steif,
orange und mit schwarzem Spitz,
und ehe ich ihn zart umgreif,
denk ich: oh, nein, der folgert: spritz.

Ich wende mich, um froh zu sagen:
„Ein Pilz!“, und sehe meine Gute
am Handy jetzt, KI zu fragen:
„Er nennt sich hundsgemeine Rute.“

So weit, so gut, die Garantie. -
Im Weiterwandern löst sich keins
der Worte unsrer Phantasie:
Es war bestimmt ein Stück von Heinz …


Erich Kykal

Re: Gemeine Hundsrute
« Antwort #1 am: Mai 27, 2026, 09:34:25 »
Hi Gum!

Echt sorry, aber hier stehe ich komplett auf dem Schlauch. Weder verstehe ich, was genau das Werk beschreibt, abgesehen von der gestifteten Bank im Wald, noch begreife ich, worauf du hinauswillst. Keines der Bilder dazu in meinem Kopfkino macht ab Str. 2 irgendeinen Sinn. Und wer genau war dieser Heinz?

Betretene Grüße, eKy

NACH dem Googeln des Titels: Okay, dass diese Hundsrute ein perverser Pilz ist, sollte man dem Leser schon irgendwie erklären, ehe man so ein Gedicht auf ihn loslässt. Und 'spritzt' dieser Pilz wirklich ab, wenn man ihn drückt? (Abgesehen davon, dass ihm eine 'Folgerung' zu unterstellen, ihm schon eindeutig zuviel an Geistestätigkeit zutraut)
Warum auch musst du einfach alles ANFASSEN!? (Vor allem bei einer so zweideutig eindeutigen Form!? - Igitt!!)

Insgesamt erschien mir die Geschichte etwas wirr gestaltet, nicht so recht stringent. Zuerst die lange Beschreibung der Bank und dieses Heinz, so als müsste all dies etwas für die 'quasisexuelle' Handlung des ahnungslosen Pilzwichsens bedeuten, was dann aber nicht der Fall ist, mal abgesehen von einer abstrusen Conclusio (Und worauf bitte spielt das Ende von S2 an? Welches 'ferne Reich' ist gemeint?). Dann der zusätzlich verwirrende jähe Umschwenk auf die Beschreibung der Szene auf dem Boden - zuerst meint man, jemand hätte da einen Hund oder Fuchs begraben oder so. Vielleicht ein gewollter Spannungsbogen, der die ohnehin schon bestehende Verwirrung wegen der so ausführlich beschriebenen Heinz-Bank aber letztlich nur zusätzlich befeuert.
Dann die etwas unglückliche Beschreibung der Pilz-Szene selbst: Das befürchtete 'Spritzen' verwirrt nur noch mehr. Bei einer Leiche? Bei einem Pilz?
Die Conclusio dann: Nachdem eindeutig erwiesen ist, dass es sich um einen Pilz handelt, vermutet das Pärchen dennoch, es könnte ein Stück dieses Heinz sein. Möchten wir wirklich annehmen, dieser wäre dort bei seiner Bank flach im Wald begraben worden, und bekäme nach Jahren in der Erde immer noch einen Steifen? - BRRRR!

Und du (oder das LyrIch) würde den dann auch noch anfassen!? Doppel-BRRRR!! (Das ist sogar mir ein wenig ZU kinky!)

Zwiegespaltene Grüße, eKy
« Letzte Änderung: Mai 27, 2026, 10:06:43 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Gemeine Hundsrute
« Antwort #2 am: Mai 27, 2026, 11:06:57 »
Danke, lieber Erich,

du hast es doch eigentlich verstanden:
Beim Betrachten und Berühren wurde dem LI klar, dass es ein ihm unbekannter Pilz ist (warum sollte man den nicht anfassen?), doch seine Phantasie ließ Heinz dort (in Rückenlage) beerdigt sein, so dass es mit "oh, nein" die Hand von der anthropomorphen Form zurückzog.

Phantasien unterliegen ja nur teilweise der Ratiio. Lass dich von sowas nicht verärgern.

Frühlingsgrüße von gummibaum
« Letzte Änderung: Mai 27, 2026, 12:23:45 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Gemeine Hundsrute
« Antwort #3 am: Mai 28, 2026, 10:24:34 »
Hi Gum!

Bei - frischen! - männlichen Leichen kann es Erektionen geben, weil der Körper sogar noch im Sterbeprozess instinktiv versucht, ein letztes Mal seine Gene weiterzugeben. Bei erst mal Begrabenen ist das allerdings nicht mehr möglich, daher habe ich Probleme damit, dieses leicht schlüpfrige Scherzgedicht in der realen Physik und Anatomie zu verankern.
Natürlich verstehe ich (seit dem 2. Mal Lesen zumindest) die Intention und die Punchline, aber dass du (oder ein LyrIch) wirklich glauben könnten, eine verwesende Leiche konnte noch erigieren, quasi 'aus dem Grab heraus', erscheint mir doch ziemlich weit hergeholt.
Es sei denn, der 'Schreck' war von vornherein bloß gespielt, um auf Kosten dieses Heinz einen zweifelhaften Scherz zu reißen.  ;) >:D
Im Gedicht kommt das aber, zumindest erzählerisch, im ersten Moment des 'Fehlschlusses' ziemlich 'echt' rüber. Daher meine Schwierigkeiten mit dieser Diskrepanz.

Mein seltsamer Verstand fußt sehr allumfassend auf physikalisch Beweisbarem, Logik und folgerichtigem Denken, manchmal beinahe bis zur Roboterhaftigkeit eines autistischen Savants. Vielleicht gibt es deshalb so wenige Humorgedichte von mir ...


LG, eKy
« Letzte Änderung: Mai 28, 2026, 10:28:24 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Gemeine Hundsrute
« Antwort #4 am: Mai 28, 2026, 14:07:37 »
Lieber Erich,

hab Dank für deine Aufklärung über die Impotenz der Leichen. Die war mir natürlich klar. Deine Orientierung am wissenschaftlich Erwiesenen teile ich und stelle doch die Realität gern bewusst auf den Kopf. Im Brustton der Überzeugung werde ich zum LI und behaupte das Gegenteil. Das kann nerven, verunsichern oder erheitern.

Für mich gilt hier: "Es sei denn, der 'Schreck' war von vornherein bloß gespielt, um auf Kosten dieses Heinz einen zweifelhaften Scherz zu reißen."

Für das LI gilt aber : "Im Gedicht kommt das aber, zumindest erzählerisch, im ersten Moment des 'Fehlschlusses' ziemlich 'echt' rüber."

Alles Liebe von gummibaum