Autor Thema: Simplizius  (Gelesen 263 mal)

Erich Kykal

Simplizius
« am: Juni 30, 2026, 14:01:43 »
Was kann ein Unbedarfter wollen
in einer Welt, wo Panzer rollen,
wo Drohnen Kinderheime sprengen
und Hater nach Bedeutung drängen?

Was kann ein Unbekannter sagen,
wenn Terroristen Bomben tragen,
wenn Mächtige mit Waffen sprechen
und sämtliche Verträge brechen?

Was kann ein Unerwählter ändern,
wo er die Glut von Aschenrändern
betrachtet wie ein Kind das Feuer?
Die Menschheit blutet Ungeheuer

in jeden Tag, in alle Orte -
wem fehlten dazu nicht die Worte,
den ganzen Wahnsinn zu beschreiben?
Ich will ein Unbedarfter bleiben.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Simplizius
« Antwort #1 am: Juni 30, 2026, 22:39:51 »
Lieber Erich,

das gefällt mir sehr gut.
Wie die Gestalt im Roman von Grimmelshausen ist der heutige, einfach gestrikte Mensch damit überfordert, eine Welt zu verstehen, die aus Machtgier, religiöser oder ideologischer Verbortheit glaubt, zerstören zu dürfen. Und doch ist der Naive, Unbedeutende und Machtlose der einzig Gesunde und Rechtschaffene, und sein Unverständnis zeigt den Wahnsinn derer, die die Welt beherrschen und von sich reden machen.

In einfachen Worten -wie sie zu dieser Figur passen- machst du die ganze Tragik dieser Welt deutlich und legst Bekenntnis ab, nicht zu den schlauen Idioten gehören zu wollen.

Sehr gern gelesen.
LG g





   

Erich Kykal

Re: Simplizius
« Antwort #2 am: Juli 01, 2026, 11:26:31 »
Hi Gum!

Schlau bin ich leider - schlau genug, die ganzen Agitatoren und Manipulatoren zu durchschauen, die ihre Machtkämpfe seit jeher auf dem leider allzu geduldigen Buckel der Friedfertigen austragen.
Bedauerlicherweise macht das nichts besser - was kann ein per se machtloser Außenstehender da jemals ändern? Der Blick in die Welt wird mir immer schmerzlicher.

Laut Beisl-Hans bin ich ein naiver Träumer, der nicht wirklich durchschaut, was vor sich geht. Nun, zumindest ergehe ich mich nicht ständig nur in zorniger verbaler Zerstörungswut an dem, was uns kostbar sein sollte, mag es in Bereichen auch korrupt und unperfekt sein. Die Alternative ist viel schlimmer. Hans sieht überall bloß Krebsgeschwüre und propagiert Euthanasie anstatt Heilungsversuche. Mein Trost ist, dass er das in Putins künftigem Europa wohl genauso machen würde - ein beständiger Stachel und Widerborst, egal in welchem System, ein Gegner aus Prinzip.

Sorry für das ex tempore - da ist wohl was mit mir durchgegangen. Hans gehört nicht in diesen Faden - aber sagen wollte ich es mal jemandem, der zuhört. Er selbst ist nämlich als praktizierender Verschwörungstheoretiker völlig taub auf diesem Ohr ...  ::)

Da lob ich mir meine 'Simplizität' - an der Welt verzweifeln muss ich sowieso, aber wenigsten muss ich nicht wie ein Getriebener auf alles speien, was unsere Welt wenigstens noch marginal zusammenhält, so verrottet es vielleicht auch sein mag.

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Simplizius
« Antwort #3 am: Juli 01, 2026, 12:47:54 »
Lieber Erich,

hab Dank für deine Erläuterungen. Mit Beisl-Hans kann ich nichts anfangen. Es gibt hier einen hans beislschmidt im Forum. Meinst du den?

LG g

 

Erich Kykal

Re: Simplizius
« Antwort #4 am: Juli 01, 2026, 22:02:20 »
Ich sag nicht ja, aber ich sag auch nicht nein ...
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.