Hi Gum!
Rückschritt? Das ist der Denkfehler. Die Menschen, die sich da gerade hassgestählt politisch oder religiös überzeugt oder idiotisch patriotisch austoben, leben jeden Tag unter uns, sind wir in Teilen sogar selber, wenn man uns richtig triggert.
Es liegt in unseren Genen, eher kleine Kreise der Gemeinschaft zu ziehen und andere auszugrenzen, allein schon, um die eigene 'verschworene' Gemeinschaft intensiver zu definieren. Größere Konglomerate können wir einfach geistig und emotional nicht mehr bewältigen. Diese Kulturkreise, Völker oder Staaten mögen im Laufe der Geschichte gewachsen sein, aber es scheint eine sozial verträgliche Obergrenze für unser inhärentes Gemeinschaftsgefühl zu geben, über das hinaus wir einfach nicht mehr empathisch sein können - von wenigen möglicherweise genetisch mutierten Ausnahmen vielleicht abgesehen.
Im Kopf können wir uns Weltfrieden wünschen - aber das Herz bleibt dabei irgendwann auf der Strecke, wenn's ans Eingemachte geht, und reine Kopfgeburten sind nie dauerhaft tragend und gesellschaftsfähig.
Ich vermute, das einzige, was jemals zu einer Art 'Weltfrieden' führen könnte, wäre eine gemeinsame Bedrohung von außen: Böse Aliens oder ein Todeskomet. Aber selbst gesetzt den Fall, die Menschheit würde derlei überleben - hinterher würden wir sofort wieder in unsere Kulturklüngel gewohnter Vorurteile verfallen, 'gerechte Sachen' aller Art gewaltsam vertreten, Macht- oder Religionskriege führen, gewalttätig rebellieren (ob nach allgemeinen menschlichen Maßgaben 'moralisch gerechtfertigt' oder nicht), Ungewohnte ausgrenzen, erobern, aus welchen 'guten Gründen' auch immer, Terror ausüben und im ganz Kleinen unserer sozialen 'Übereinkünfte' uns Anvertraute überwältigen, missbrauchen und ermorden (zu einem gewissen Bevölkerungsprozentsatz immer!) usw. ...
Wir sind keine 'nur' guten Wesen und werden es vielleicht niemals sein. Unser soziales Funktionieren, vielleicht sogar das Gefühl der Liebe an sich, obliegt dem Fortpflanzungstrieb (ungesteuert, darum gibt es auch Schwule) und dem genetisch programmierten Instinktdruck zur Rudelbildung, um das eigene Überleben und das der Art zu optimieren. Das Leben an sich ist amoralisch, und es gibt keinen gütigen Gott, der geborene oder erzogene Raubtiere bestraft.
LG, eKy