Autor Thema: Wer bin ich noch?  (Gelesen 30 mal)

gummibaum

Wer bin ich noch?
« am: August 25, 2026, 11:35:49 »
Wer bin ich noch, da wachsendes Vergessen
was ich erlebte, immer mehr verhüllt,
wie Nebel, der die Landschaft, die durchmessen
zurückbleibt, gleich mit weicher Watte füllt?

Was bleibt von Menschen noch, die mich bewegten,
wenn ihre Namen wie ein blindes Türschild sind,
wenn ich selbst jene, die sich zu mir legten,
wie auch dem Schlachtfeld nicht mehr wiederfind?

Es bleibt mir nur ein stummes Innehalten, 
um einzusehen, dass mich bald erreicht,
was meinen Wunsch, noch etwas festzuhalten,
für immer aus dem Buch des Lebens streicht …

Erich Kykal

Re: Wer bin ich noch?
« Antwort #1 am: August 25, 2026, 14:30:21 »
Hi Gum!

Eine schöne Elegie auf die leidigen Folgen des Alterns. jetzt mal ohne Verdacht auf Alzheimer oder Demenz.

S2Z4 - hier sollte es wahrscheinlich 'wie auf dem Schlachtfeld' heißen?


Eine Folge des Ruhestandes, die auch ich verspüre: Das Leben und dessen zuvor angenommene Prioritäten und Wichtigkeiten im Rausch der täglichen Rituale und Getriebenheit relativiert sich vor der Stille der inneren Abgeklärtheit, die sich nicht mehr bewegen und nichts mehr bewegen muss.

Man kommt innerlich zur Ruhe, und viele verwechseln das mit innerer Leere und Motivationslosigkeit, weil sie es so sehr gewöhnt waren, dass sich ständig etwas regen und muss und Lärm machen. Aber weit gefehlt: Ich finde, man findet eher zum Kern seines Selbst, wenn all die äußeren störenden Einflüsse weg sind, die diese Einkehr und innrer Stille ständig verhindert haben.

Wir vergessen alle, und mehr als wir denken. Im Trubel der Berufstätigkeit mit all den ständig ablenkenden Einflüssen fällt uns das bloß nicht so auf.

Das LyrIch sieht als Fazit nur ein lapidares Warten auf das unvermeidliche Ende, so als wäre mit dem Vergessen gewisser Lebensdetails auch gleich der gesamte Sinn verloren. Dabei sollte es bedenken: Wenn es nicht krankheitshalber bedingt ist, dann gibt es einen triftigen Grund für unser Vergessen: Was uns entgleitet, war einfach nie wichtig genug für uns, um es uns dauerhaft zu merken, und wenn kein strukturierendes Berufsleben oder ständige bis sporadische Sozialkontakte uns ständig daran erinnern.  ;) 8)


Sehr gern gelesen (könnte inhaltlich glatt von mir sein!  :-\)!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.