Autor Thema: Der Führer (Apokalyptischer Reiter)  (Gelesen 61 mal)

Erich Kykal

Der Führer (Apokalyptischer Reiter)
« am: August 29, 2026, 09:08:18 »
Viel zu spät erkannt als Todesbote
greift er nach den Zügeln aller Macht,
haltlos ihm als Opfer dargebracht,
einem Paragon der eisernen Gebote.

Ordnen, sagt er, wolle er die Wirrnis,
die die Menschheit ungewollt befällt,
wenn sie zuviel Wahl in Händen hält -
eines neuen Bildes fester Firnis.

Auf der Magnitude seiner Welle
reitet er zu viert dahin als einer,
der die Welt erobern kann wie keiner,
niemand sonst an seiner edlen Stelle.

Keiner mag sein wahres Antlitz schauen:
Krieg und Hunger, Pestilenz und Tod!
Terror färbt die Wände wieder rot,
es regiert erneut das kalte Grauen!

In ein neues Schlachten treibt er alles,
was mit Lügen hinter sich er baute,
opfert kalt das heiß ihm Anvertraute
vor der Unausweichlichkeit des Falles.

Nach des Wahnes ausgekühltem Glühen,
wenn die Reste bloß Ruinen sind,
spielt man wieder Vater, Mutter, Kind,
und erklärt sich lauter sein Bemühen.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Der Führer (Apokalyptischer Reiter)
« Antwort #1 am: August 31, 2026, 13:10:31 »
Lieber Erich,

ein monumentales Werk, das mich an deine "Bilder aus dem Dreißigjährigen Kriege" oder Dürers "Apokalyptische Reiter" erinnert. Hier vereint eine Person alle vier. Wie in vielen deiner Gedichte, die das Wort "Krieg" enthalten, wird das Wegschauen der Menschen als Wegbereiter für das Wirken solche Naturen zurecht mitverantwortlich gemacht. Ich schaue zur Zeit nach Kaliningrad, einst Königsberg, und mit Kant noch anders.

Chapeau!
LG g

Erich Kykal

Re: Der Führer (Apokalyptischer Reiter)
« Antwort #2 am: August 31, 2026, 19:33:54 »
Hi Gum!

Vielen Dank für die vollmundigen Hommeurs!  :-*

Das Ende habe ich bewusst zweideutig gehalten: 'Man erklärt sich lauter sein Bemühen' - meint dies nun das Verhalten des Diktators, der trotz der Niederlage und aller aufgedeckten Gräuel von seinen Verehrern insgeheim verklärt wird - oder meint es das eigene Bemühen der Bürger, die sich einreden, immer nur das Beste gewollt zu haben und eigentlich die Guten zu sein? Denn genau das glauben die eingefleischten Nazis ja bis heute: Sie merken und begreifen gar nicht, was für herzkalte, brutale, soziopathische Arschlöcher sie sind!
Lieber argumentieren sie sich ihr intolerantes, sozialdarwinistisches, hassverseuchtes Weltbild als 'gesellschaftliche Notwendigkeit' zurecht, ohne zu merken, wie verbogen selbst ihre Logik ist, weil sie auf höchst selektiven und subjektiven Bildungsmängeln und bewussten Auslassungen basiert.

Für mich sind beide Deutungsmöglichkeiten dieser Conclusio gleich richtig und gültig für das Weltbild dieser hemdsärmeligen Vorgartenideologen ...

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.