Autor Thema: Traum  (Gelesen 58 mal)

gummibaum

Traum
« am: September 02, 2026, 11:13:59 »
Schon länger sind Geräusche in dem Schrank
an einer Wand der Küche zu vernehmen.
Ich öffne, und gefaltet, dünn und lang
hockt zahnlos jemand dort im Unbequemen.

Er klettert, staubig und voll Spinnenweben
aus dem sonst leeren Schrank ins Freie,
begrüßt mich, ohne mir die Hand zu geben,
und stellt sich neben uns: jetzt wir Dreie.

Mein junges, zartes Schätzchen, lächelt leise,
als kenne sie den Penner wie mich Kleinen,     
Sie essen jetzt gemeinsam, und ich reise
zu meiner Mutter, um mich auszuweinen …

Erich Kykal

Re: Traum
« Antwort #1 am: September 03, 2026, 08:19:16 »
Hi Gum!

In S2Z4 fehlt m.E. ein 'sind' nach dem 'jetzt'.

Der Sinn der Aussage flieht mich hier:
Wer ist der Typ im Schrank? Ein heimlicher Nebenbuhler?
Warum hockt er dann da drin im 'Unbequemen'?
Warum verrät er sich durch Geräusche, wenn er sich doch versteckt?
Warum ist er lang, dünn, staubig und zahnlos?
Warum bezeichnet das LyrIch sich als den 'Kleinen'?

Klar, das ganze Konstrukt soll ein Gleichnis sein, aber worauf? Die Angst vor körperlicher Unzulänglichkeit für den Partner? Eifersucht? Unreife? Seelische Grausamkeit in einer Beziehung?
Der 'Kleine' verhält sich wie ein schmollendes Kind,
der 'Penner' wie ein Dieb,
und das 'Schätzchen' wie eine schizoide Soziopathin.
Was soll die Moral von der Geschicht sein, oder wenigstens der Sinn dahinter?

Interessiert, aber mit vielen Fragezeichen gelesen.

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Traum
« Antwort #2 am: September 04, 2026, 18:40:50 »
Oh je, lieber Erich,

du hast recht. Ich habe es noch einmal versucht:


Oft find ich mich im Traum gestaltet
zu einer anderen Figur.
Verlottert, alt und eingefaltet,
zeigt sie, was ich verstecke, pur:

Geräusche waren zu vernehmen
im letzten Traum aus meinem Schrank.
Gefaltet lag darin als Schemen
ein Alter, zahnlos, gelb und krank.

Das Mädchen hinter meinem Rücken,
mein Schätzchen, wirkt nicht sehr erstaunt,
als er heraussteigt, sie zu drücken
und mich betrachtet, schlecht gelaunt.

Die beiden streichen sich die Butter,
die ich mir kaufte, auf ihr Brot.
Ich fahre weg zu meiner Mutter
und fühle mich ein wenig tot.

Als ich erwachte, war da keiner,
nur ich allein, wie eh und je,
doch alles schien ein wenig kleiner
und eigentlich nur noch Idee…

« Letzte Änderung: September 05, 2026, 13:07:42 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Traum
« Antwort #3 am: September 05, 2026, 08:53:39 »
Hallo Gum!

Oje, da wartet man ja nur darauf, dass das LyrIch demnächst den seltsamen Alten im Spiegel wirderfindet ...
Und das Schätzchen ist auch nur ein Fantasieprodukt. Es ist, als würden sich die Lebenängste und Lebensfantasien dieses LyrIch verbünden, sich selbstständig machen und sich von ihm abnabeln, so als bräuchten sie ihn nicht mehr als übergeordnete Entität, die sie erdenkt.

Das Gedicht gleicht in seiner Surrealität der beunruhigenden Skurrilität eines Dali-Gemäldes, bloß eben mit verbal induzierten Gedankenbildern.

Diesmal wesentlich verständlicher, vielen Dank!

Kleinigkeit:

Oft find ich mich im Traum gestaltet
zu einer anderen Figur.
Verlottert, alt und eingefaltet,
zeigt sie, was ich verstecke, pur:


Sehr gern gelesen und kunstsinnig betrachtet ...

LG, eKy

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Traum
« Antwort #4 am: September 05, 2026, 13:10:40 »
Genau, lieber Erich,

das ist auch ja auch durchaus möglich. Das Wort habe ich eingefügt. Vielen Dank und alles Gute.

g