Autor Thema: Generationenlied (Doppelsonett)  (Gelesen 2320 mal)

Erich Kykal

Generationenlied (Doppelsonett)
« am: September 14, 2016, 17:13:17 »
Wir waren abertausend treue Seelen,
und zogen willig aus, uns zu beweisen.
Die ganze Erde würden wir bereisen,
und lachend miteinander Pferde stehlen!

Wir wollten uns dem Leben anbefehlen,
nicht ahnend um die schleichenden und leisen
Gesetze, die ein Schuldnerherz vereisen
bei jenen, die ihr Sündenmaß verhehlen.

Wir waren abertausend gute Kinder
und alle glaubten wir an unsre Tage,
und dass wir große Helden und Erfinder

und selig würden mit den Abenteuern,
die alle gut ausgingen ohne Frage,
als würde unser Glück sie stets erneuern.

Die Zeit verflog, die Jahre schrieben Leben
beflissen in das Buch der tausend Wunder -
wir wurden alt, und manche wurden runder.
Was blieb von jungem Drange und Bestreben

in uns zurück? Die meisten blieben kleben
an irgendetwas, das sie nicht bezwangen,
und konnten nie darüber weg gelangen,
um sich erneut in Würde zu erheben.

Wir haben uns beschieden, bei gesunder
Ernährung und Bewegung zu vergreisen,
als wäre nie ein andrer Geist gewesen.

Das große Wort, das junge Münder schwangen,
gerann in uns zu blankpolierten Gleisen!
Was noch im Fahrplan steht, will niemand lesen.
« Letzte Änderung: September 14, 2016, 17:19:49 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Generationenlied (Doppelsonett)
« Antwort #1 am: September 15, 2016, 11:47:44 »
Lieber Erich,


ganz ohne erhobenen Zeigefinger zeigst Du mir ein Fazit, dem ich nicht aus dem Weg gehen kann.
Und doch ziehe ich für mich ein andres Fazit:
Immer noch  begebe ich mich in Abenteuer, mögen die jugendlichen Kräfte auch fehlen und mag ich die Abenteuer auch niccht wirklich  bezwingen können - mein Geist bleibt beweglich und begibt sich täglich auf die Reise.

Ein feines und gutes Gedicht!

Dank dafür
sagt Dir

Cypi mit den besten Grüßen!
« Letzte Änderung: September 15, 2016, 16:27:15 von cyparis »
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Generationenlied (Doppelsonett)
« Antwort #2 am: September 15, 2016, 16:21:42 »
Hi Cypi!

Eine bessere Antwort hättest du nicht geben können!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Generationenlied (Doppelsonett)
« Antwort #3 am: Oktober 02, 2016, 23:57:51 »
moin moin Erich,

lauter als Cyparis möchte ich rufen,

denn
Zitat
und konnten nie darüber weg gelangen, um sich erneut in Würde zu erheben
.

gilt nicht für Wiesenbewohner, da wir nicht die "meisten" sind ;D 8)

Das habe ich sehr gerne gelesen.

LG
CB
« Letzte Änderung: Oktober 03, 2016, 21:43:23 von Curd Belesos »
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: Generationenlied (Doppelsonett)
« Antwort #4 am: Oktober 03, 2016, 17:58:00 »
Hi, Curd!

Und sehr gerne bedanke ich mich für das vollmundige Lob!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.