Ihr Lieben,
ich war gestern bei der ersten Trauerfeier anlässlich der Einäscherung dabei. Der Sarg war bunt bemalt. Sie hatten Thomas wohl sein gutes orangefarbenes Hemd angezogen und seinen Hut hineingelegt. Die Rede der Dame vom Krematorium war sehr esoterisch gehalten (Die Verbrennung sei ein reinigender Prozess und Thomas werde dadurch zu einem Lichtwesen usw.). Aber gefallen hat mir der Anfang: "Immer, wenn ein Mensch geboren wird, stirbt ein Geist. Immer wenn ein Mensch stirbt, wird ein Geist geboren." Wir sangen seine Lieblingslieder zur Gitarre. Etwas grausig war die Verbrennung selbst, zumal sie unweit des KZ Sachsenhausen stattfand, was mich unwillkürlich an Celans "Todesfuge" erinnerte ("Dann steigt ihr als Rauch in die Luft...").
Anschließend rauchten wir draußen einen Joint, dessen Rauch sich mit dem unseres toten Freundes mischte. Ein Joint, sein Trost in den schweren Stunden des Leidens, als er noch lebte. Das englische Wort "Grass" ist ein weiteres Synonym für Hanf, und die Berliner sprechen es auch so aus.
Am Montag findet die Beisetzung statt. Da wird Philipp "unsere" Rede halten.
Ich bin froh, dass ich gestern mit war, denn sowohl seine Familie als auch seine Wahlfamilie waren anwesend, und auf diese Weise konnte ich noch mehr über Thomas erfahren. Und was ich sehr wichtig finde: Wir haben ihn auf allen Stationen begleitet. Selbst als er zu Asche wurde, war er nicht allein. Auch der Friedhof ist ganz in der Nähe am Friedrichshain. Gestern abend haben wir im Freundeskreis beschlossen, dass wir alle mal dort begraben sein wollen.
Liebe Grüße
Seeräuber-Jenny