Autor Thema: Abend nach fernem Gewitter  (Gelesen 3150 mal)

Erich Kykal

Abend nach fernem Gewitter
« am: August 04, 2013, 21:04:11 »
Die Himmel sind heute gelbrosa gebändert,
im Honiglicht glühen die Wipfel in Grün
wie dunkelnde Riesen, die wiegend sich mühn,
zur Welt zu gelangen, die ewig sich ändert.

In rötlichem Grau wallen Wolken darüber
gleich schwimmenden Bergen im goldenen Meer.
Sie sinken in Bernstein, vom Schwindenden schwer,
und treiben den träumenden Augen vorüber.

Schon steigen die Schatten aus Tälern und Klüften,
als würde dem Dunkel zu eigen das Land.
Im Schweigen des Augenblicks, den es noch fand,
entsinkt das Erkennen den kühlenden Lüften.
« Letzte Änderung: September 09, 2023, 16:16:11 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

galapapa

Re:Abend nach fernem Gewitter
« Antwort #1 am: August 04, 2013, 22:31:14 »
Hallo Erich,
sehr schön gedichtet in bildreicher Sprache, die einem ansprechende Visionen gibt, und einem wunderbar schwingenden Rhythmus.
Eins möchte ich Dich fragen: Sollte das in S2-V4 nicht "...und treiben an träumenden Augen vorüber...?
Sehr gern gelesen1
Herzlichen Gruß! :)
Charly

gummibaum

Re:Abend nach fernem Gewitter
« Antwort #2 am: August 04, 2013, 23:33:13 »
Berückendes Farbenspiel und titanisches Welttheater. Alliterationen verdichten die Mächtigkeit des Eindrucks, welche ja durch die Pluralform von Himmel schon gleich anfangs evoziert wird. Nach der Zuspitzung löst dann alles, die Sehnsucht, gekühlt, kehrt zurück. ("Schon steigen" erinnert an mich übrigens an den Totentanz "Schon trübet der Mond sich...", den ich einmal aufgesagt habe.) Sehr gern gelesen, Erich.

LG gummibaum

cyparis

Re:Abend nach fernem Gewitter
« Antwort #3 am: August 05, 2013, 10:07:58 »
Nun ist bereits alles gesagt -
was bleibt noch?

Großartig, wahrhaftig!


Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
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Erich Kykal

Re:Abend nach fernem Gewitter
« Antwort #4 am: August 05, 2013, 10:42:16 »
Hi, Leute!

Vielen Dank für euer Lob! Gestern war hier so eine Abendstimmung, die wirklich alles in fast zähflüssig wirkenden Bernstein tauchte - ein magisches Licht!

@Charly: Beide Versionen sind richtig!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.