Autor Thema: Nachtgedanken  (Gelesen 1798 mal)

Jana

Nachtgedanken
« am: September 05, 2014, 04:21:57 »
Nacht, du hüllst in sanfte Schwaden
schattengleich den müden Tag
und beginnst, zum Tanz zu laden,
weckst mich leise, die ich lag.

Schickst die Worte wundersam
durch Gedanken auf Papier.
Hoffnung, die der Tag mir nahm,
schenkst du leise tröstend mir.

Und so sind wir, Stille du,
uns so nah und manchmal eins.
Deckst mit Dunkelheit mich zu.
Dies Gedicht ist somit deins.
« Letzte Änderung: September 06, 2014, 22:16:32 von Jana »

Meishere

  • Gast
Re:Nachtgedanken
« Antwort #1 am: September 05, 2014, 10:13:10 »
Liebe Jana,
ein wundervolles Gedicht, dass der Nacht sicher würdig ist.

Wie oft lag, saß oder stand ich nicht schon in der Dunkelheit und konnte erst dann aufschreiben, was der Tag mir zugerufen hatte.

In Strophe1 Vers3 hat sich ein nächtlicher Tippfehler hineingeschlichen. "an" statt "am" sollte es sein :)

Strophe3 Vers4 gefällt mir inhaltlich nicht 100%, denn wer liegt, der schläft ja nicht automatisch.
Wer geweckt wird, natürlich schon.
Aber so würde es bedeuten, das LI wurde geweckt und liegt nun nicht mehr.
Ist nicht aber eher gemeint, es wurde geweckt und liegt nun wach?
Naja. Entschuldige, das ist wirklich nur eine Kleinigkeit.
Ich hätte mich wohl für
"weckst mich, die ich schlafend lag"
entschieden.


Aber wie immer: Eine wundervolle Sprache nutzt du. Es macht Freude sie zu lesen!
Gerne habe ich mir morgendliche Gedanken zum nächtlichen Gedicht gemacht.
Als ich es nachts las, war ich leider noch nicht aufnahmefähig genug!

LG,
Meishere

cyparis

Re:Nachtgedanken
« Antwort #2 am: September 05, 2014, 14:23:22 »
Liebe Jana!

Alle Wetter!
Das aus der Feder einer Vierzehnjährigen - noch dazu im Abi-Streß ...

Großes Kompliment vom alten


Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re:Nachtgedanken
« Antwort #3 am: September 05, 2014, 16:58:07 »
Hi, Jana!

Schöne getragene lyrische Sprache. Ein paar Schwächen:



Du umschließt mit sanften Schwaden Dass mit dem einleitenden "Du" die Nacht gemeint ist, erschließt sich nicht sofort, das der Titel ja spezifisch von (Nacht)GEDANKEN spricht. Alternative: "Nacht, du hüllst in sanfte Schwaden"
schattengleich den müden Tag.
Fängst dann am, zum Tanz zu laden, Tippfehler "am --> an" Sprachlich runder und schöner: (Punkt weg in Vorzeile) "und beginnst, zum Tanz zu laden,"
weckst mich leise, die ich lag. Meishere's Vorschlag ist auch gut, aber hier gefallen mir die Gleichlaute sehr gut: "leise/lag". Auch finde ich deine Version in ihrer schlichten Klarheit fast schöner als die vielleicht sprachlich gediegenere Variante. Ich würd's so lassen!

Schickst die Worte schleichendlangsam "Langsam/nahm" ist ein unreiner Reim, da einmal kurzes "a" und einmal langes. Zudem einmal unbetonte Endsilbe und einmal betont. "Schleichend" und "langsam auseinander. Altern.: "Schickst die Worte wundersam"
durch Gedanken auf Papier.
Hoffnung, die der Tag mir nahm,
schenkst du leise tröstend mir.

Und so schreib ich, und so schickst du, Wieder indifferent dank langem und kurzem "u" und wechselnder Betonung. Altern.: "Und so sind wir, Stille du,"
und so werden wir dann eins. "nahe uns und manchmal eins."
Deckst mit Dunkelheit mich zu.
Dies' Gedicht ist somit deins. Apostroph überflüssig bei simplen Verkürzungen.


Neu gefasste Version:


Nacht, du hüllst in sanfte Schwaden
schattengleich den müden Tag
und beginnst, zum Tanz zu laden,
weckst mich leise, die ich lag.

Schickst die Worte wundersam
durch Gedanken auf Papier.
Hoffnung, die der Tag mir nahm,
schenkst du leise tröstend mir.

Und so sind wir, Stille du,
uns so nah und manchmal eins.
Deckst mit Dunkelheit mich zu.
Dies Gedicht ist somit deins.


Ein sehr schönes Gedicht, hochlyrisch und wohlakzentuiert in der Sprachfindung.

Fürs nächste Mal zur Beachtung: Das ganze Gedicht hat betonte Auftakte (jede Zeile beginnt mit einer betonten Silbe) und - fast - nur männliche Kadenzen (die Zeilen enden auf einer betonten Silbe). Ausnahme sind nur Z1 und 3 in Str. 1. Hier wäre es rhythmisch besser, wenn dieser Wechsel sich entweder in jeder Str. wiederholte - oder wenn die beiden erwähnten Zeilen ebenfalls betont endeten. Es ist kein schlimmer Lapsus, aber es fällt dem geschulten Ohr natürlich sofort auf.
Nimm von meinen Vorschlägen, was dir brauchbar erscheint (hoffentlich alles! ;)).

Sehr gern gelesen und bearbeitet!

LG, eKy
« Letzte Änderung: September 05, 2014, 17:03:57 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Jana

Re:Nachtgedanken
« Antwort #4 am: September 06, 2014, 22:17:48 »
Danke Marcel, danke cypi,

für eure lieben Kommentare! Ich freue mich sehr..:)

Ach eKy,

was wäre ich ohne Deine Vorschläge? Du bist ein Held! :)
Danke!

Liebe Grüße
Jana