Autor Thema: Aus dem Gedächtnis  (Gelesen 1617 mal)

Erich Kykal

Aus dem Gedächtnis
« am: Februar 19, 2017, 13:38:26 »
Ich trage viel durch meine blassen Tage,
entrückter wohl der Zeit, die ich bewohnte,
und was davon noch ein Erinnern lohnte,
beatmet mich wie eine bange Frage:

Wozu dies alles, das ich mit mir trage?
Die ausgefransten Bilder, die ich schonte,
als ob ein Sehnendes in ihnen wohnte,
dem ich verfallen bin, doch widersage.

Wer bin ich endlich, dass ich nicht vergessen
und tilgen mag, worin mein Wesen badet?
Wie sind wir doch erhaben und vermessen

zugleich - zu glauben, dass es eine Rolle
im Leben spielt zu wissen, was uns schadet
und was uns tanzen lässt ins Wundervolle.
« Letzte Änderung: April 10, 2017, 18:00:14 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Aus dem Gedächtnis
« Antwort #1 am: M?RZ 10, 2017, 13:04:47 »
Lieber Erich,

es verwundert mich sehr, daß Dein Gedicht noch nicht kommentiert wurde, springt einen doch die Schönheit an wie ein ungezähmtes Tier.
Das, was Du so formvollendest beschreibst, treibt auch mich um - und von Jahr zu Jahr intensiver.

Wenn ich richtig geschaut hab, fehlen im zweiten Terzett zwei Kommas.

Bewundernden Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Aus dem Gedächtnis
« Antwort #2 am: M?RZ 10, 2017, 16:02:53 »
Hi Cypi!

Die Kommata hast du richtig bemerkt, aber ihr Einsatz an den nämlichen Stellen ist meines Erachtens otpional: Kann man, muss aber nicht. Oder es ist nach NR anders als früher.
Jedenfalls fand ich, dass für die Flüssigkeit des Lesens, die dort von mir gewollt ist, zu viele Beistriche hinderlich wären.

Wenige kommentieren mich, vielleicht weil sie sich nicht trauen, vielleicht weil ihnen ein simples "Gefällt mir!" zu billig erscheint? Wer weiß ...


Zum Inhalt: Was uns mit dem Tod versöhnen mag, ist der Umstand, dass nichts im Universum letztlich eine Rolle spielt außer der, die man ihm verleiht. Es mangelt also nur an der richtigen Einstellung, wenn man sich Sorgen macht, egal worum ...  ;) ;D

Vielen Dank für deinen Kommi!  :)

LG, eKy



Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Aus dem Gedächtnis
« Antwort #3 am: M?RZ 10, 2017, 20:56:38 »
Hallo Erich,

dieses Festhalten an eigentlich überholten Wünschen und Sehnsüchten kenne ich auch; sie setzen immer noch etwas vom einst Erhofften frei. Wir zehren meist mehr von Hirngespinsten als vom Realen.

Das Gedicht bettet dies gekonnt in widerstreitende Gedanken.

Sehr, sehr gern gelesen.

LG g


Erich Kykal

Re: Aus dem Gedächtnis
« Antwort #4 am: M?RZ 10, 2017, 21:11:11 »
Hi Gum!

Wir zehren meist mehr von Hirngespinsten als vom Realen.

Mit diesen wenigen Worten hast du die Quintessenz dessen, was ich zum Ausdruck bringen wollte, wunderbar präzise umrissen!

Und dass letztlich weder das eine noch das andere ein Rolle spielt, denn was immer es uns bedeutete, stirbt mit uns. Bedeutung ist nur etwas, das der Mensch verleiht ...

LG, eKy

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.