Autor Thema: Riss im Traum  (Gelesen 2981 mal)

gummibaum

Riss im Traum
« am: August 07, 2013, 07:16:29 »
Nachts fiel der Regen. Schwer erhebt
der Morgen sich aus Nebelschleiern.
Noch träumt das Land. Doch haftend klebt
der Nass an allem, träg und bleiern.

Und Kühle kam und hält sich fest.
Es zwitschert bang in Sommerzweigen,
wo sich die Neige fühlen lässt -
bald werden auch die Träume schweigen.
« Letzte Änderung: August 10, 2013, 15:33:20 von gummibaum »

Erich Kykal

Re:Riss im Traum
« Antwort #1 am: August 07, 2013, 16:31:22 »
Hi, Gum!

So schön der Text sprachlich sein mag, metrisch gibt es hier einige Unstimmigkeiten:


Nachts fiel der Regen. Schwer erhebt Betonter Beginn, 4 Heber
der Morgen sich aus den Nebelschleiern. Ab hier vorne unbetont, eigentlich 4 Heber (das "den" ist völlig überflüssig)
Noch träumt das Land. Doch haftend klebt 4 Heber.
die Feuchtigkeit an allem bleiern. 4 Heber. Das nachgestellte "bleiern" wirkt angeklebt. Alternative: "das Nass (der Tau) an allem, träg und bleiern."
 
Und Kühle ist gekommen, hält sich fest. 5 Heber! Einer zuviel! Alternative: "Die Kühle kam und hält sich fest."
Die Vögel schreien bang aus Sommerzweigen, 5 Heber! Alternative: Es zwitschert bang aus Sommerzweigen,"
weil sich die Neige fühlen lässt - Indifferente Betonungssituation am Beginn durch unklare Formulierung: Beide Varianten möglich: "weil" oder "sich" betont! 4 Heber.
Die Träume werden bald schon schweigen. Stilistische Alternative: "Die Träume werden balde schweigen."4 Heber.



Folgende Alternative für S2 wäre auch denkbar:

Die Kühle kam und hält sich fest.
Ein Schweigen ruht in Sommerzweigen,
wo sich die Neige fühlen lässt -
bald werden auch die Träume schweigen.

Die letzte Zeile beginnt zwar betont, aber da dies die Conclusio ist, zudem nach einem Bindestrich, erscheint mir das in diesem Fall sogar als die Dynamik steigernd. Außerdem wäre es eine passende Symmetrie zum betonten Einstieg.

Sehr gern gelesen!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re:Riss im Traum
« Antwort #2 am: August 07, 2013, 18:20:59 »
Hallo Erich.

ja, da war Unordnung. Sorry. Aber die Vögel zwischterten lauter als sonst, als wollten die Neige nicht akzeptieren. Daher das "weil".

Und Kühle kam und hält sich fest.
Ein Vogel klagt aus Sommerzweigen,
weil sich die Neige fühlen lässt -
bald werden auch die Träume schweigen.

Erich Kykal

Re:Riss im Traum
« Antwort #3 am: August 08, 2013, 10:41:44 »
Hi, Gum!

Muss nochmal stören:

In S2Z2 hast du das "in" unterschlagen...kleines Vertipperle!

Natürlich freue ich mich, dass du meinen Vorschlag übernommen hast, aber ich hoffe, du tust es nicht aus Gefälligkeit - du kannst gern auch eigene Versionen präferieren!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re:Riss im Traum
« Antwort #4 am: August 11, 2013, 12:50:05 »
Lieber Gummibaum -


hier sollte ein "wundervoll" stehenbleiben dürfen.
Etwas Besseres kommt mir gerade nicht in den Sinn.

Das "klebt" irritiert mich.
Als sei es festgeleimt, dabei tropft es nach und nach herab/hinab.

Wie kommt es, daß Dein Gedicht mich so traurig stimmt?


Lieben Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
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