Autor Thema: Scherbengericht  (Gelesen 2789 mal)

Erich Kykal

Scherbengericht
« am: August 19, 2013, 10:34:00 »
Wie frisch das Gras nach einem Sommerregen
uns wieder leuchtet in der Unschuld Grüne!
Ihm gleich zu tun auf eines Lebens Bühne
war Trachten oft, doch seltener ein Segen.

Wir können kaum den Schuldenberg bewegen,
und selten rinnt Vergebung aus der Sühne.
Der Sünde Schatten hinter uns: Ein Hüne,
den Wunden tausend Finger aufzulegen.

Uns reinzuwaschen vom Geruch der Taten,
die wir getan, doch die nicht wohlgeraten,
dies meinte: Uns vor allem - zu vergessen.

Doch solch Entsagen hieße, zu verderben,
denn niemals kann, liegt erst ein Krug in Scherben,
die Scherbe je den Sinn des Krugs ermessen!
« Letzte Änderung: August 19, 2013, 20:26:35 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re:Scherbengericht
« Antwort #1 am: August 19, 2013, 12:24:08 »
Lieber Erich,


dieses wahrhaft dreideutige Gedicht ist "ein starkes Stück"!
Über die Naturbetrachtung ganz tief in das einzutauchen, was die "Menschen" ausmacht -
ein Kunstgriff sondergleichen.

später mehr, verzeih, muß an ein Krankenbett.

C.
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re:Scherbengericht
« Antwort #2 am: August 19, 2013, 15:31:28 »
Hi, Cypi!

Der Kranken meine besten Wünsche - möge deine Anwesenheit dort euch beiden Trost sein!

Vielen Dank für das "dreideutige Lob" (dessen 3. Aspekt du mir leider unterschlagen hast)!

Habe ein paar Zeilen nun noch etwas überarbeitet - sie erschienen mir vergleichsweise noch etwas zu sperrig. Ganz glücklich bin ich jetzt auch noch nicht, aber das mag die Zeit heilen, mit der ja bekanntlich zuweilen Rat kommt...

LG, eKy
« Letzte Änderung: August 19, 2013, 15:33:17 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re:Scherbengericht
« Antwort #3 am: August 19, 2013, 16:27:42 »
Nur ganz kurz :
Ich fürchtete ein Sterbelager.
Bin noch nicht ganz Herr meiner Sinne.

Bis bald!!!

Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Daisy

Re:Scherbengericht
« Antwort #4 am: August 20, 2013, 17:20:34 »
Hallo Erich,

das Sonett ist wiederum, wie nicht anders von dir zu erwarten, ein handwerkliches Prachtstück! Alle Achtung!
Es ist äußerst raffiniert gearbeitet und die Verse sind zum Teil so ineinander verschlungen, dass ich mich wie durch ein Labyrinth durchtasten musste.

Manchmal stehe ich einfach unheimlich auf der Leitung, das entspricht eben meinem schlichten Gemüt.  :D
Vielleicht liegt's auch daran, dass ich mich vom Thema nicht so hundertprozentig angesprochen fühle.

Dennoch bin ich wieder einmal von deinem dichterischen Talent mehr als nur beeindruckt!  :)

LG Daisy

Erich Kykal

Re:Scherbengericht
« Antwort #5 am: August 21, 2013, 00:52:08 »
Hi, Daisy!

Bei diesen kopflastig konstruierten Gedichten vergaloppiere ich mich des öfteren in allzu komplexe Satzstrukturen. Wenn ich emotional dichte, verhindert dies eine allzu gedrechselte Sprache, weil ein anderes Hirnzentrum da aktiver ist.

Dennoch vielen Dank für soviel Lob!

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.