Hi, Charly!
Hochphilosophisch kommt das daher, sprachlich hoch elaboriert und ausgefeilt! Ein klassisches Sonett nach allen Regeln der Kunst! Ich akklamiere!
S1Z1 - stört mich etwas die Wiederholung von "sie" in der4selben Zeile. Alternative: "sie sind, eh man ihr Innerstes errät"
In S2 rätselt man etwas, ob hier "Die Furcht" exemplarisch gemeint ist (wenn ja, ist es eine recht heftige Überleitung von "Gedanken" aus S1) oder eine spezielle, sich auf etwas beziehende Furcht, von der leider nicht näher erklärt wird, woher sie kommt, welchen Bezug sie hat.
S2Z2 - Flüssiger: "denn auf dem Wege gibt es kein Zuspät," Eventuell das "Zuspät" im Text in Anführungszeichen setzen, das erleichtert die Erkenntnis, dass sich die beiden folgenden Zeilen genau darauf beziehen.
Die Terzette sind ganz wunderbar wortgewoben - große Lyrik! Einzig bei der "Entleibung der Seelen" stutzte ich kurz, weil ich das Wortspiel nicht gleich erkannte. Ich dachte an "Entleibung" nur in der Bedeutung "Tod" und nicht im wortwörtlichen Sinne, nämlich, dass sich die Seelen des Leibes entledigen.

Ausgesprochen gern gelesen und genossen!
LG, eKy