Hi Agneta!
Im Übrigen IST die "Melodie" das Metrum..., aber das muss ich ja Erich nicht erklären. 
Es gab eine Zeit, da dachte ich das auch - aber genau da irrst du, wie damals ich. Sprachmelodie und Sprachrhythmus sind nicht identisch, und im von uns so sehr geschätzten Optimalfall lyrischen Empfindens gehen sie auch Hand in Hand, aber man versteht Sprache nur unvollständig, wenn einem nicht klar ist, dass eins teilweise das andere ersetzen - oder sogar dominieren kann. Es ist ein fragiles und labiles Gleichgewicht, und wenn eine harmomische, fließende Sprachmelodie überdurchschnittlich zwingend ist, vermag sie sogar allein einen Text so zu tragen, dass er uns wie feinste Lyrik erscheint, auch ohne exaktes Metrum dahinter. Selten, aber ja!
Ich selbst bevorzuge eindeutig die metrisch korrekte Lyrik, aber ich stehe staunend und ehrfürchtig vor den wenigen Texten, die trotz unperfekter Metrik metrisch korrekt erscheinen, weil die Sprachmelodie, die paradoxerweise ohne dieses Ungleichgewicht wiederum gar nicht so zwingend wäre, sie so wirken lässt.
Ich selbst finde bis heute in meinem alten Texten metrische Schnitzer, die mir damals schlicht nicht aufgefallen sind, weil das Werk beim Vortrag MIT Fehler taktlich so gut harmonierte. Ist eine perfekte Metrik also
immer NOTWENDIG - oder beugen wir uns der Sauberkeit des Dogmas wegen freiwillig unter ein selbst auferlegtes Diktat?
Eine schwierige Frage - zumindest in Einzelfällen. Ganz allgemein gesprochen bin ich natürlich auf der metrischen Seite daheim, keine Frage!

LG, eKy