Autor Thema: Glaube und Wahrheit  (Gelesen 5268 mal)

Erich Kykal

Glaube und Wahrheit
« am: Juni 02, 2016, 13:06:36 »
Der Glaube ist wie eine Glocke im Turm -
bewegt sie keiner, verschweigt sie ihr Schlagen.
Selbst im erbarmungslosesten Sturm
hat sie der Welt nichts zu sagen.

Kommt aber einer und hängt am Seile
sich auf, wie klingt der metallene Ton
göttlich und mächtig, und nach einer Weile
weiß jeder im Dorfe davon.


Die Wahrheit ist wie ein Samen im Wald -
von Bäumen, die dunkel und schattend stehen.
Und endlich, wenn einer fällt, kann bald
ein Pflänzlein man wachsen sehen.

Kommt aber gerne des Nachts ein Tier
und frisst, weil es hungert, was grünte.
So geht’s aller Zeiten im Walde hier -
und ganz ohne Gott, der es sühnte.
« Letzte Änderung: Februar 06, 2021, 11:06:19 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #1 am: Juni 10, 2016, 00:28:34 »
moin moin Erich,

das gefällt mir vom Gedanken und von der brillanten Fassung her.

Muss und werde es heute Abend noch einmal lesen.

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

cyparis

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #2 am: Juni 10, 2016, 16:31:05 »
Lieber Erich,


ich fände nie solche Metaphern; für Dich scheinen sie zum Greifen nah zu sein.
Schön, ein wirklich geschliffenes Gedicht über die Religion zu lesen, als das, was sie ist:
Ein Vehikel.
Nutzloser als die kleinste Pflanze.


Lieben Gruß
von
Cypi
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #3 am: Juni 11, 2016, 13:08:18 »
Hi Curd und Cypi!

Vielen Dank für die Akklamation!

Dieses Werk war eigentlich ein "Schnellschuss" aus dem Unterbewussten: Kaum mir eingeschossen - auf's Papier geworfen, eher kryptischen Bildern denn klarer Logik folgend.

Schön, dass man es versteht! :) Ich musste ehrlich gesagt erst selbst mal nachgrübeln, was ich damit eigentlich hatte zum Ausdruck bringen wollen! ::)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Agneta

  • Gast
Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #4 am: Juni 11, 2016, 20:48:50 »
Erich, mich wundert und erstaunt die holpernde Metrik. Sowas kennt man von dir ja gar nicht...
Soll da so sein?


Der Glaube ist wie eine Glocke im Turm -
-/--/--/--/

bewegt sie keiner, verschweigt sie ihr Schlagen.

-/-/--/--/-
Selbst im erbarmungslosesten Sturm

-/-/-/--/
hat sie der Welt nichts zu sagen.
-/-/--/-

usw.

War wohl echt ein Schnellschuss ;)
LG von Agnegta


Erich Kykal

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #5 am: Juni 11, 2016, 20:58:31 »
Hi Agneta!

Erwischt! ;D

Ja, hier setzte ich die reine Sprachmelodie vor die Gesetze der Metrik. Es war, wie ich schon erwähnte, ein Schnellschuss, ganz intuitiv geschrieben, praktisch in einem Guss. Da habe ich nicht auf exakte Metrik geachtet.

Interessant - du bist überhaupt die erste, der das auffällt! ;) Alle anderen ließen sich vom harmonischen Satzfluss sozusagen verführen ...

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Agneta

  • Gast
Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #6 am: Juni 11, 2016, 23:01:35 »
dass du der Meinung bist, ein metrisch so verholpertes Gedicht könnte  "  harmonischer Satzfluss " sein, ist mir allerdings noch erstaunlicher...- zuviele Distichen von Charis gelesen? ;)
Deine Anpassung wird doch nicht so weit gehen, dass du deine Metrik-Prinzipien über Bord wirfst? Schade wär es... :'(

 ;D von Agneta
« Letzte Änderung: Juni 11, 2016, 23:03:52 von Agneta »

Erich Kykal

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #7 am: Juni 12, 2016, 00:39:23 »
Hi Agneta!

Überraschenderweise kann ein Gedicht auch ohne perfekte Metrik "gut" klingen, wenn man es richtig vorträgt. Wichtig sind weiche, gleichmäßig fließende Sprachmelodie und die richtige Wortwahl. Zu Beginn meines Schaffens, als ich noch nichts davon verstand, schrieb ich so - rein nach Gehör, Gefühl und Sprachfluss.

Aber keine Sorge - diese Reminiszenz an die Frühzeit meines Schaffens bleibt eine Ausnahme! ;) ;D

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #8 am: Juni 12, 2016, 10:13:54 »
Erich, mich wundert und erstaunt die holpernde Metrik. Sowas kennt man von dir ja gar nicht...
Soll da so sein?


Der Glaube ist wie eine Glocke im Turm -
-/--/--/--/

bewegt sie keiner, verschweigt sie ihr Schlagen.

-/-/--/--/-
Selbst im erbarmungslosesten Sturm

-/-/-/--/
hat sie der Welt nichts zu sagen.
-/-/--/-

usw.

War wohl echt ein Schnellschuss ;)
LG von Agnegta

Na und?
Wenn sich die Melodie mitteilt, laß ich jede Metrik links liegen.
Ich persönlich sehe das nicht als Manko, daß die Ixe hier nicht kongruent sind.
Im Gegenteil.

Lieben Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Agneta

  • Gast
Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #9 am: Juni 12, 2016, 10:29:10 »
sicherlich , Cyparis, kann jeder so schreiben wie er will, aber bei einem "Meister der Metrik", der jedem anderen Autor zunächst einmal seine falsche Metrik unter die Nase reibt, verwundert  mich das doch sehr. ;).
Die Argumentation der "Sprachmelodie" kennen wir von all denen, die damit ihre metrischen Schwächen zu  nivellieren suchen, aber bei jemandem, der jedem anderen erst mal sein Gedicht durchixt, kommt mir diese Erlärung  schon sehr erstaunlich vor.

Er hat ja geschrieben, dass es ein altes Werk sei, soweit ok...


Grübeln von Agneta



« Letzte Änderung: Juni 12, 2016, 10:32:19 von Agneta »

cyparis

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #10 am: Juni 12, 2016, 10:42:32 »
Liebe Agneta -

haben wir ein Verständigungsproblem?
Ich lese eher die Melodie als dss Matrum.

Auch in Deinem Gedichtband fand ich wunderschöne Texte, die sich der Ixerei entziehen.
Oder ich selbst betone falsch.

Lieben Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #11 am: Juni 12, 2016, 11:45:36 »
Hi Agneta!

Wenn ich jemanden auf rhythmische Mängel aufmerksam mache, dann sicher nicht, weil ich als "Meister der Metrik" dastehen will und ihm "etwas unter die Nase reiben" möchte!
Du unterstellst mir da schon ein wenig niedere Motive, oder?
Wenn ein Gedicht rhythmisch aufgebaut ist, dann fallen Fehler nun mal recht unangenehm auf, und dann weise ich darauf hin, weil ich davon ausgehe, dass es anderen wie mir vor allem um die Lyrik an sich geht und nicht um Selbstdarstellung. Ich will das Werk verbessern - nicht den Autor lächerlich machen oder mich gar über ihn erheben!

Es gibt auch Beispiele, wo ich im Kommi schreibe, dass die Metrik zwar nicht stringent ist, dass es dank starker und harmonischer Sprachmelodie aber dennoch lyrisch klingt! Selten, ja, aber ich stelle eben hohe Ansprüche, wie du selbst bestätigst.

Tu bitte nicht so, als wäre es eine Art unverzeihliches Schwerverbrechen, wenn ich den selbst gepflasterten Pfad mal verlasse und frei durchs Unkraut streune! ;) ;D

Take it easy! LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
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Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Agneta

  • Gast
Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #12 am: Juni 12, 2016, 11:54:24 »
in meinem Gedichtband findet sich kein Werk mit falscher Metrik, da bin ich sicher, Cyparis.
Es gibt Prosagedichte, die einen ganz anderen Stil haben, aber selbst da versuche ich auf Metrik. zu achten, obwohl man es da nicht muss.
Im Übrigen IST die "Melodie" das Metrum..., aber das muss ich ja Erich nicht erklären. ;)


Es ist auch wurscht. Mir fiel es nur auf.
Unterstellungen hatte ich nicht im Sinn.
Ich habe nur Fakten genannt, die mich erstaunen.
LG an euch beide von Agneta








« Letzte Änderung: Juni 12, 2016, 11:56:53 von Agneta »

Erich Kykal

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #13 am: Juni 12, 2016, 14:52:43 »
Hi Agneta!

Im Übrigen IST die "Melodie" das Metrum..., aber das muss ich ja Erich nicht erklären. ;)

Es gab eine Zeit, da dachte ich das auch - aber genau da irrst du, wie damals ich. Sprachmelodie und Sprachrhythmus sind nicht identisch, und im von uns so sehr geschätzten Optimalfall lyrischen Empfindens gehen sie auch Hand in Hand, aber man versteht Sprache nur unvollständig, wenn einem nicht klar ist, dass eins teilweise das andere ersetzen  - oder sogar dominieren kann. Es ist ein fragiles und labiles Gleichgewicht, und wenn eine harmomische, fließende Sprachmelodie überdurchschnittlich zwingend ist, vermag sie sogar allein einen Text so zu tragen, dass er uns wie feinste Lyrik erscheint, auch ohne exaktes Metrum dahinter. Selten, aber ja!

Ich selbst bevorzuge eindeutig die metrisch korrekte Lyrik, aber ich stehe staunend und ehrfürchtig vor den wenigen Texten, die trotz unperfekter Metrik metrisch korrekt erscheinen, weil die Sprachmelodie, die paradoxerweise ohne dieses Ungleichgewicht wiederum gar nicht so zwingend wäre, sie so wirken lässt.
Ich selbst finde bis heute in meinem alten Texten metrische Schnitzer, die mir damals schlicht nicht aufgefallen sind, weil das Werk beim Vortrag MIT Fehler taktlich so gut harmonierte. Ist eine perfekte Metrik also immer NOTWENDIG - oder beugen wir uns der Sauberkeit des Dogmas wegen freiwillig unter ein selbst auferlegtes Diktat?

Eine schwierige Frage - zumindest in Einzelfällen. Ganz allgemein gesprochen bin ich natürlich auf der metrischen Seite daheim, keine Frage! :)

LG, eKy

« Letzte Änderung: Juni 09, 2026, 09:59:05 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Glaube und Wahrheit
« Antwort #14 am: Juni 12, 2016, 17:44:51 »
Liebe Agneta -

habe ich wirklich von falscher Metrik gesprochen?
Ganz sicher nicht.
Aber es gibt immer wieder in Gedichten - von wem auch immer - eine Metrik, die sich mir nicht erschließt.
Das hängt mit meinem Mangel an metrischem Wissen zusammen.
Ich selbst achte immer auf die "Melodei", bevor ich mich nach Metrik und ihren Regeln umsehe.

In Haikus gibt es auch keine Metrik.
Aber wenn sie gut gemacht sind, liegt ihnen eine Melodie innen.

Lieben Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte