Autor Thema: Gedanken am Teichrand  (Gelesen 2389 mal)

Erich Kykal

Gedanken am Teichrand
« am: Juli 19, 2016, 10:37:37 »
Der Fisch, er schwimmt in seiner trüben Brühe
und weiß von Wäldern oder Wiesen kaum,
ja selbst der Himmel bleibt ein ferner Traum,
von oben schimmernd und nicht wert der Mühe.

Sein schaler Tümpel hat genug zu fressen,
ist was er einzig kennt und sicher weiß,
wenn kalt im Winter und im Sommer heiß
die flachen Wasser seine Welt bemessen.

Wie muss der Mensch von je dem Fische gleichen,
der nicht erkennen mag, wie klein sein Leben
im Pfuhle bleiben muss, und nie gewinnen

wird er die Weite dessen, was den Sinnen
sich nicht erschließen kann, und sein Bestreben
verliert sich in der engen Welt von Teichen.
« Letzte Änderung: Juli 20, 2016, 00:18:51 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Gedanken am Teichrand
« Antwort #1 am: Juli 19, 2016, 23:21:42 »
moin moin Erich,

deine Betrachtungen gefallen mir immer besser, doch das "und" in S1/Z2 könnte man doch durch ein "auch bleibt der Himmel nur ein ferner Traum" ersetzen, um die Dopplung zu vermeiden.

Zitat
der nicht erkennen mag, wie klein sein Leben im Pfuhle bleiben muss
[/color] warum sollte er auch, er ist glücklich und nach Glück streben wir doch alle.

Tröstend daher : Glücklich sind die Armen im Geiste, denn ihnen gehört das Himmelreich. (Matthäus 5,3+4)  >:D

Sehr gerne gelesen und mich damit auseinander gesetzt.

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: Gedanken am Teichrand
« Antwort #2 am: Juli 20, 2016, 00:20:38 »
Hi Curd!

Zweimal "und" würde mich an sich nicht so stören, aber du hast recht, ohne Dopplung ist besser. Ich habe allerdings eine leicht abweichende Änderung gefunden. Vielen Dank für den Hinweis!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Gedanken am Teichrand
« Antwort #3 am: Juli 20, 2016, 00:44:46 »
moin moin Erich,

sehr oft denke ich an das Sprichwort mit dem Balken im Auge, früher habe ich mich geschämt, auf den Splitter aufmerksam zu machen O0

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

gummibaum

Re: Gedanken am Teichrand
« Antwort #4 am: Juli 23, 2016, 11:56:09 »
Hallo Erich,

du hast unsere beschränkte Welt in diesem Gleichnis sehr schön zum Ausdruck gebracht. Ich musste an Exempel-Literatur des MA und den Voluntarismus (Gottes Wille ist über alle Maßen groß und unbegreiflich und seine Widersprüchlichkeit nur unserm schwachen Erkennen geschuldet) denken. Aber alles hier in weltlicher und doch sublimer Denkweise. 

Nachdenklich und mit Freude gelesen.

LG gummibaum 

Erich Kykal

Re: Gedanken am Teichrand
« Antwort #5 am: Juli 23, 2016, 14:55:55 »
Hi Gum!

Dieses mittelalterliche Argument liest sich wie eine perfekte Rechtfertigung für die inhärente Unlogik in allen Religionskonstrukten, die immer wieder mit dem gesunden Menschenverstand und wissenschaftlichen Erkenntnissen kollidiert: Gott ist immer perfekt, wir sind nur zu blöd, ihn zu verstehen! Wie praktisch - man erklärt die Menschheit zu einer Ansammlung von Idioten (Und was ist mit: "Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde!" - Und das Gehirn etwa nicht???  ;D >:D), damit die Widersinnigkeit des eigenen Welterklärungsmodells weiter funktionieren kann!

Man kann als intelligenter Freigeist nur traurig den Kopf schütteln ...

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Gedanken am Teichrand
« Antwort #6 am: Juli 23, 2016, 21:26:23 »
Das Denken konstruiert Muster, die zu Überblicken wir Verstehen nennen. Manche kehren in der Philosophie, Religion und Wissenschaft wieder. In der letzteren müssen sie sich der Erfahrung aussetzen und -mathematisch gefasst- Ereignisse/Ergebnisse vorhersagen können. Aber auch die Erfahrung und die Logik sind Konstrukte des Gehirns. Ich sehe in Religion und Wissenschaft neben den Unterschieden auch Gemeinsamkeiten. Wie du ja zeigst, entkommen wir der Beschränktheit nur graduell und letztlich nicht.

LG g



     

Erich Kykal

Re: Gedanken am Teichrand
« Antwort #7 am: Juli 23, 2016, 21:38:33 »
Hi Gum!

Was könnten Wissenschaft und Religion wohl gemeinsam haben?

Wissenschaft überprüft Annahmen. Erst wenn mehrfach bewiesen wurde, dass eine Theorie stimmt, wird sie zum Faktum. Objektivität.

Religion überprüft nichts, außer vielleicht die Reue der Glaubenden. Hier geht es nicht um Fakten, sondern um Gemeinschaftswillen. Subjektivität.

Dass Religion sich ethische Muster und moralische Werte nutzbar macht und einverleibt, um sich unentbehrlich zu machen, kann ich nicht als Argument für Gemeinsamkeiten mit objektiver Wahrheitsfindung und Forschung gelten lassen.

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.