Autor Thema: Begehren  (Gelesen 2889 mal)

Erich Kykal

Begehren
« am: August 08, 2016, 09:50:54 »
Schau nur die Sterne in schweigenden Kreisen
würdig die Bahnen im Äther beschreibend,
ewig in großer Erinnerung bleibend,
die wir als taumelnde Träumer bereisen!

Wären nicht jene erhabenen Funken
Wunder genug unsern seligen Sinnen,
die wir aus Trauben des Himmels gewinnen,
würdig gekeltert und willig getrunken?

Nein, wir begehren die irdischen Hüllen,
Lüste und Neigungen ohne Gedanken
tieferer Schwere und nötiger Schranken.

Traurig verenden wir endlich im stillen
Wasser von Warnungen, die sich erfüllen,
krank an Gedanken und elend an Willen.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Copper

Re: Begehren
« Antwort #1 am: August 08, 2016, 18:07:33 »
Hallo Erich,

dein Gedicht ist, wie manche Deiner Gedichte, ein Ort an dem man gerne verweilt.

Was nützen mir die Sterne ? In jener irdischen Hülle, die Du ansprichst, bin ich dazu verdammt mich den Trieben zu ergeben. Trotz allem bleibt die Hoffnung auf mehr Sinn... "Sternegucken"..... Ein Blick in das Unbegreifliche, das uns mahnt, über den Tellerrand hinaus zu hoffen.

Dein Gedicht ist schon etwas religiös angehaucht. Jedoch frei von religiösen Zwängen. Ein freier Geist, ein freier Glaube.

LG. Copper.

Curd Belesos

Re: Begehren
« Antwort #2 am: August 08, 2016, 19:13:08 »
moin moin Erich,

lyrisch sehr fein ziseliert, S2 lässt mich schwärmen  :)

Doch bin ich nur ein Mensch der gerne seinem Begehren nachgibt, daher lese ich die Terzette etwas profaner  ;)

Ja, ich begehre die irdischen Hüllen,
Lüste und Neigungen meiner Gedanken,
tiefe Empfindungen ganz ohne Schranken.

Selig beende ich endlich im stillen
Glanz meiner Wünsche, die sich erfüllen,
froh den Gedanken und bin ihm zu Willen.

Wir alle sind aus Sternenstaub  ::)  >:D

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: Begehren
« Antwort #3 am: August 08, 2016, 20:55:41 »
Hi Copper!

Religiös hatte ich das Gedicht nicht gemeint, eher philosophisch.

Hi Curd!

Dem Verliebten seien die niederen Begierden vergönnt!  ;) ;D


Vielen Dank euch beiden für das Echo!  :)

LG, eKy

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Begehren
« Antwort #4 am: August 09, 2016, 12:38:51 »
Lieber Erich,

Du Sternengucker, dem das Gucken solche schönen Sonette entringt!
Was soll das irdische Leben ohne irdisches Begehren? Das läßt nie nach, auch wenn sich im Lauf des Lebens eine Sublimierung dieser Begierden einstellt.
Das kenne ich.
Du bist noch weit entfernt davon, Dein Lyri mitten im Prozeß.

Lieben Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Begehren
« Antwort #5 am: August 09, 2016, 13:16:57 »
Hi Cypi!

Dies entstand quasi als Schnellschuss im anderen Forum, wo ich aktiv bin, weil dort jemand die Frage aufwarf, ob ein daktylisches Sonett überhaupt möglich sei. Ich trat binnen Minuten den Beweis an!  ;D (Selbst Schulterklopf!  ;))

These (1. Quartett): Beschreibung der Schönheit des Reinen, versinnbildlicht durch die Sterne in der Weite des Alls.

Antithese (2. Quartett): Wirft die Frage auf, ob dieses Reine in der Ferne dem Menschen nicht genug sein könnte für ein erfülltes Leben.

Synthese (Terzette): Bestätigt die Unreife und Unüberlegtheit der menschlichen Natur, der alles auskosten muss, ohne sich über etwaige Folgen Gedanken zu machen, wodurch viele an ihrem Leben, ihren Taten letztlich zerbrechen.


Das Werk ist natürlich kein allumfassender Schlüssel zur menschlichen Natur, soll auch kein Vorwurf oder eine sendungsbewusste Vision sein. Es ist einfach nur ein so dahingeschriebenes Lamento über die Verhaftetheit des Menschen im (allzu) Irdischen, des Regiertseins durch Wünsche, Begierden und seltsame Vorstellungen, geprägt durch Erziehung und kulturelles Umfeld.

Nur als Beispiel für solche Prägungen, die man selbst nicht einmal (mehr) wahrnimmt: Der westliche Mensch regt sich über die ergebene, kritiklose Gottgläubigkeit und das brutale anhängige Rechtssystem im islamischen Kulturkreis auf - der muslimisch geprägte Mensch hingegen verachtet die kritiklose Ergebenheit der Gottlosen gegenüber der demütigend manipulativen Werbe- und Sinnesberieselung durch Kapitalismus und Kommerz. Wir nehmen Fernsehwerbung, Produktplazierungen in Filmen usw. gar nicht (mehr) als das wahr, was sie eigentlich sind: Bewusste Manipulationsversuche unterstellt unmündiger Geister - im Grunde eine sehr herablassende Art, mit Menschen umzugehen (Konsumvieh!)...

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Begehren
« Antwort #6 am: August 09, 2016, 15:11:32 »
Hab Dank für die  ausführlichen Zeilen!
Du bringst es fertig, mit wenigen Worten Klarheit  in "die Dinge" zu bringen, erstaunlich.

Daß Du das Gedicht nach den Regeln der Kunst in Kürze runtergefetzt hast, glaub ich aufs Wort, ich kenne Dich.
Du wächst an den Herausforderungen!

Lieben Gruß
von
Cypi
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Begehren
« Antwort #7 am: August 09, 2016, 15:28:13 »
Hi Cypi!

Leider: An der Herausforderung, mich ernährungstechnisch zurückzuhalten, wächst mein Bauch immer weiter ...  ;D ::)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Begehren
« Antwort #8 am: August 09, 2016, 16:16:44 »
 ;) :-*
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte