Autor Thema: Windrose  (Gelesen 4016 mal)

Aspasia

  • Gast
Windrose
« am: September 08, 2016, 21:28:14 »
Mich ängstigt der Nordwind, des Freitodes Bote,
mich schaudert der Ostwind, der Festen durchdringt,
ich hasse des Westwindes launische Mode,
der, samtig gewandet, den Sturm zu mir bringt.

Auch wenn mich die Länder des Mittags betören,
so zweifle ich doch an des Südwindes Charme,
vertrau lieber nicht dem erotischen Schwören,
das Seelen betäubt selbst bei höchstem Alarm.

Die Rose der Winde ist mir nicht erhaben,
mein Herz als Matrose gehört nur der See,
und wird sie in Zukunft mich in sich begraben,
verschließen die Winde mein Lebensdossier.

28.08.2016


Korrigierte Fassung:

Windrose

Mich ängstigt der Nordwind, des Freitodes Bote,
mich schaudert der Ostwind, der Planken durchdringt,
ich hasse des Westwindes launische Mode,
der, samtig gewandet, den Sturm mit sich bringt.

Auch wenn mich die Länder des Mittags betören,
so zweifle ich doch an des Südwindes Charme,
vertrau lieber nicht dem erotischen Schwören,
das Seelen betäubt selbst bei höchstem Alarm.

Die Rose der Winde ist mir nicht erhaben,
mein Herz als Matrose gehört nur der See,
und wird sie unter Wogen mich begraben,
verschließen die Winde mein Lebensdossier.

09.09.2016
« Letzte Änderung: September 09, 2016, 07:10:17 von Aspasia »

Erich Kykal

Re: Windrose
« Antwort #1 am: September 08, 2016, 21:57:15 »
Hi Aspasia!

Ein klangvolles, schmetterndes Werk, eine Liebeserklärung an die wilde See unter tückischen Winden!

Ein paar kleine Vorschläge, nimm, was dir brauchbar erscheint:

Mich ängstigt der Nordwind, des Freitodes Bote,
mich schaudert der Ostwind, der Festen durchdringt, Besser ins Bild passende Altern.: "... der Planken durchdringt,"
ich hasse des Westwindes launische Mode,
der, samtig gewandet, den Sturm zu mir bringt.  Sprachmelodische Altern.: "... den Sturm mit sich bringt."

Auch wenn mich die Länder des Mittags betören,
so zweifle ich doch an des Südwindes Charme,
vertrau lieber nicht dem erotischen Schwören,
das Seelen betäubt selbst bei höchstem Alarm.

Die Rose der Winde ist mir nicht erhaben,
mein Herz als Matrose gehört nur der See,
und wird sie in Zukunft mich in sich begraben, Klangliche Altern.: "und wird sie in tosender Gischt mich begraben," "mich in sich" klingt ein wenig umständlich ...
verschließen die Winde mein Lebensdossier.


Sehr gern gelesen!  :)

LG, eKy

Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Aspasia

  • Gast
Re: Windrose
« Antwort #2 am: September 08, 2016, 22:10:05 »
Vorschlag eins ist sehr gut.

Bei Vorschlag zwei hatte ich deine Version auch überlegt, mich dann aber dafür entschieden, dass der Seemann den Sturm pesönlich nimmt, quasi als Sinnbild für die Herausforderung des Schicksals. Das ist so eine Sache ... Im Grunde stimmt es ja, dass es dem Sturm egal ist, wer da gerade auf See ist. Ich muss nochmal darüber nachdenken.

Vorschlag drei klingt gut. Aber mit der Gischt auf hoher See habe ich ein Problem. Wenn keine mechanische Wirkung wie z.B. ein Fels oder eine Schiffsschraube, Gischt erzeugt, sondern der Wind, wie stark muss er sein, um die Gischt zum Tosen zu bringen und ein Schiff kentern zu lassen? Das kann nur ein Sturm. Kann man aber bei den meterhohen Wellen, die ein Sturm erzeugt, noch von Gischt sprechen? Ich kenne mich in Seemannsfragen nicht aus und kann mich auf das verlassen, was ich durch das Lesen und durch Bilder kenne.

Erich Kykal

Re: Windrose
« Antwort #3 am: September 08, 2016, 23:14:39 »
Hi Aspasia!

Gischt nennt man das schäumende Wasser der Wellenkronen, egal ob bei Brandung oder Hochseewellen. Je stürmischer/bewegter die See, desto mehr Luft wird ins Wasser gemischt, desto mehr Gischt entsteht - sie ist also ein immanenter Bestandteil hohen Wellengangs und Sturms.

Es gibt aber noch genug andere Varianten:

"und wird sie mich in ihrem Schoß begraben,"

" und wird sie unter Wogen mich begraben,"

"und wird sie meinen toten Leib begraben,"

"und wird dereinst sie meinen Leib begraben,"

.... usw ...

Alles besser als deine sperrige Zeile ...  ;) ;D

Hoffe, es ist was für dich dabei!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Aspasia

  • Gast
Re: Windrose
« Antwort #4 am: September 09, 2016, 07:11:50 »

Hoffe, es ist was für dich dabei!  :)

LG, eKy

Ja, durchaus. Habe oben unter die Erstfassung jetzt die korrigierte Fassung eingestellt.

LG
Aspasia

Curd Belesos

Re: Windrose
« Antwort #5 am: September 09, 2016, 23:36:47 »

Korrigierte Fassung:

Die Rose der Winde ist mir nicht erhaben,
mein Herz als Matrose gehört nur der See,
und wird sie unter Wogen mich begraben,...und wird sie mich unter den Wogen begraben
verschließen die Winde mein Lebensdossier.

09.09.2016

Liebe Aspasia,

meinen Stolperstein habe ich gefunden ::)

und dir meinen blauen, wogenden Weg gezeigt  ;)

Liebe Grüße von der Küste (Ost) von

Curd
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

cyparis

Re: Windrose
« Antwort #6 am: September 15, 2016, 20:23:05 »
Hallo, Aspasia -


da sieht man mal wieder, was kleine Korrekturen ausmachen.
Den Rat von Curd finde ich sehr gut - flüssiger.
Jetzt hat Dein Gedicht den richtigen touch.

Nur zu gern gelesen
vom grüßenden

Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
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