Zunächst: Dein Gedicht ist superklasse, lieber Erich. Es ist nicht nur gut formuliert, sondern drückt auch den ganzen Widerwillen gekonnt aus, den du gegen Künstler hast, die sich entweder nur so nennen oder nie ihr Talent entfalten, geschweige denn, ihren eigenen Stil finden.
Was moderne Kunst angeht, stehe ich den Künstlern allerdings offener gegenüber. Mir ist ein Werk von Andy Warhol, Jasper Jones, Frank Stella, Mark Rothko, René Magritte und Jörg Immendorf allemal lieber, um nur einige zu nennen, als die Heile-Welt-Malerei und Abbildung gesellschaftlicher Idylle, und wenn ich nur einen einzigen Jackson Pollock hätte, wären ich und mein Erbe für den Rest des Lebens saniert.
Ausgerechnet Hundertwasser mag ich seit einer kurzen, anfänglichen Begeisterung überhaupt nicht mehr. Er ritt mir zu sehr auf der Öko-Welle mit und benutzte seine Kunst zu einer geschickten Vermarktung: Halstücher, Regenschirme, Kaffeetassen - ich glaube, niemand hat damit mehr Geld gemacht als Hundertwasser. Die Frage wäre interessant, ob er mit seinem bewusst poppigen Stil und den aufdringlichen Farben ohne die Grünen-Bewegung nicht zu den Gescheiterten hätte zählen können. Jedenfalls spricht kaum noch ein Mensch von ihm, seit sich diese Welle gelegt hat, und geblieben sind von seiner Ideologie nur noch ein paar aberwitzige Häuser.
Künstler sind Menschen, die ihre Zeit ausdrücken, das ist allgemein bekannt. Als Toulouse-Lautrec mit seinen Bildern die Zeitschrift "Elle" illustrierte, galt das nicht nur als modern und ungewöhnlich, sondern es war ein Skandal. So, wie er die Frauen darstellte - als abgekämpfte Tänzerinnen in den Lokalen des Montmartre und verlebte Huren - wollte man in Paris die Frauen nicht sehen. Heute sehen wir die Intention des Malers und werten seine Bilder ganz anders als seine Zeitgenossen, die sich durch den vorgehaltenen Spiegel brüskiert fühlten.
Lieben Gruß
Ilka