Autor Thema: Missbraucht  (Gelesen 39 mal)

Erich Kykal

Missbraucht
« am: Mai 02, 2018, 15:13:49 »
Er trug die Qual des Zweifels durch die klammen Jahre,
ob er verhindern hätte können, was geschah,
verachtete sich selbst und kam sich niemals nah
aus nackter Angst, dass er sein Angesicht nicht wahre,

wenn ruchbar würde, was in ach so vielen Stunden
an Leib und Seele krank ihm alle Kindheit machte,
wenn auf das Monster wartend er durch Nächte wachte,
verborgen in der Angst und dennoch stets gefunden!

Für immer schwieg er, von der eignen Lust erschlagen,
die er trotz aller Widerwärtigkeit empfand,
wenn er die Blicke spürte und die heiße Hand
des Mannes, der ihn lehrte, alles zu ertragen.

Er trug die Qual des Zweifels durch die welken Jahre,
kein Leben wagend, das zu sehr an andre reichte,
an Buße innig glaubend, aber nie an Beichte -
verstummt und ewig ungewiegt bis an die Bahre.
« Letzte Änderung: Mai 18, 2018, 18:56:23 von Erich Kykal »
Dummheit und Demut befreunden sich selten.

gummibaum

Re: Missbraucht
« Antwort #1 am: Mai 02, 2018, 18:48:05 »
Lieber Erich,

dein Gedicht zeigt sehr gut, wie die Scham, involviert gewesen zu sein, das spätere Leben des Opfers einschnürt und verkümmern lässt.

Sehr gern gelesen.

LG g





Erich Kykal

Re: Missbraucht
« Antwort #2 am: Mai 02, 2018, 20:41:13 »
Hi Gum!

Etwas, das all jene begleitet, die nicht Opfer eines Gewaltaktes waren, sondern verführt wurden, ob mit Geld, Erpressung, Versprechungen oder - wohl am schlimmsten - mit der Vorspiegelung wahrer Empfindungen oder dem Ausnutzen von Sympathie oder Verlassensängsten.

Und manchmal gibt es nicht einmal eine solche Möglichkeit der Rechtfertigung vor der eigenen Selbstachtung: Manchmal genügt die Neugier eines einsamen Kindes schon ganz allein ...

LG, eKy
« Letzte Änderung: Mai 02, 2018, 20:43:07 von Erich Kykal »
Dummheit und Demut befreunden sich selten.