Autor Thema: Zeitlose Erinnerung  (Gelesen 62 mal)

Erich Kykal

Zeitlose Erinnerung
« am: Januar 11, 2019, 12:40:58 »
Jahrzehnte leben wir, uns selbst zu lernen,
und loten dennoch längst nicht alles aus!
Wir ändern uns, doch wachsen kaum daraus
und glauben lieber an die Macht von Sternen!

Jahrzehnte leben wir, uns selbst zu suchen,
und finden doch nur allzu rasch die Mängel
in anderen – ob Teufel oder Engel,
erscheint uns allzu einfach zu verbuchen!

Jahrzehnte bleiben wir bei solchen Bildern,
als änderte ein anderer sich nie
und bliebe, anders als man selber, wie
erstarrt in den Gedanken, die ihn schildern.

Jahrzehnte sind es, die wir so verschwenden
an stumme Feindschaft, an ein stures Schweigen,
weil wir einander zu verweigern neigen,
dass wir uns mit der Zeit verändert fänden.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Martin Römer

Re: Zeitlose Erinnerung
« Antwort #1 am: Januar 11, 2019, 14:49:12 »
Mir sind diese Gefühle von Feindschaft, Ignoranz, Einsortieren, Richten usw. ganz fremd, deswegen habe ich schon wieder nur Unkraut im Kopf! Und ich schwinge selten mich auf irgendwelche Schaukelpferdchen…

Zwei, drei Sachen hätte ich mir sparen können in meinem Leben. Entweder die Sünden sind verzeihlich und verborgen, dann sind sie quasi Sitte, oder sie sind unverzeihlich und immer gegenwärtig, dann sind sie quasi Sein… Vor Schuld und Schwertkampf glüht man hier, still die eigne Schrecklichkeit gewahrt man dort…

In einer Gosse der Gefühle zu wühlen, hast du mit Vollkommenheit geschafft – gegen meine Empfindungen bin ich leider machtlos. Gut gedichtet und das Grübeln anheizend – du hast die Schuldigkeit getan…

Ich bin wahrlich ein vermaledeiter Frechdachs! Du negierst Schicksal, Engel und diese ganzen hanebüchenen Geschichten, aber wirds nicht irgendwann ein Widerspruch, kommt man nicht irgendwann zu einem natürlich ebenfalls priesterlich-pastoral angehauchten „Glauben an den Menschen“? Sollte man beispielsweise nicht lieber Ergötzen finden an den Vulkanausbrüchen gegenseitiger Vernichtung, anstatt dergestalt vor Äckern mitsamt den Nebelsuppen zu weilen?

Aber mir werden Menschen-Machenschaften und Menschheitsgeschichte immer gleichgültiger. Jetzt herrscht der pure Stalinismus und die Welt verschlingt ein schwarzer Ozean. Kommst du kuscheln und mir die Leviten lesen…?

Viele Grüße
M.

Erich Kykal

Re: Zeitlose Erinnerung
« Antwort #2 am: Januar 11, 2019, 16:31:10 »
Hi Martin!

Weder noch. Ein jeder muss nach seiner Facon selig werden. Was uns einzig eint, ist die zunehmende Gleichgültigkeit dem Irdischen gegebüber, das wir eher früher als später segnen werden.  O0

LG, eKy
« Letzte Änderung: Januar 12, 2019, 00:36:26 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Martin Römer

Re: Zeitlose Erinnerung
« Antwort #3 am: Januar 11, 2019, 20:16:13 »
Yippie, alter Rocker…

Aber vergisst du nicht die Erinnerung an Mutti? Ein anderes Kätzlein, damals noch Giftschlange:

Unsere Wege kreuzen sich nicht im mindesten. Also lass es.

Hat mich jedenfalls bei meinem Spaziergang gerade amüsiert.

Bis dann
M.

Sufnus

Re: Zeitlose Erinnerung
« Antwort #4 am: Januar 11, 2019, 21:45:57 »
Martin hat Dein neustes Werk mit "Yippie" wirklich prägnant und treffend beschrieben - unglaublich dichte und gutgefügte Verse von tiefer Humanität und "Alters"(nichts für ungut - ich mein das natürlich nicht wörtlich)-Weisheit! :)
... und ich möchte - quasi forenübergreifend - Thomas doch sanft aber nachdrücklich widersprechen: Strophe 2 ist mitnichten unnötig (wenn überhaupt könnte man zur Not noch über S1 reden), sondern muss natürlich (selbstredend nur meine subjektive Meinung) drinbleiben! :)
Genussvoll, ja beglückt, gelesen habende Zeilen!!!
S.

Erich Kykal

Re: Zeitlose Erinnerung
« Antwort #5 am: Januar 12, 2019, 00:41:15 »
Hi Suf!

Was Martin schreibt, entzieht sich meist weitgehend meinem Begreifen, spricht er doch fast ausschließlich in Symbolbildern und Andeutungen, von denen er anzunehmen scheint, jeder müsste sie kennen und durchschauen.

Thomas' Kommi "drüben" habe ich noch nicht gelesen, aber Str. 2 ist mitnichten unnötig - hier führt eine Überlegung zur anderen, und alle sind notwendig für den inhaltlichen Gedankengang!

Vielen Dank für das Lob!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Agneta

Re: Zeitlose Erinnerung
« Antwort #6 am: Januar 17, 2019, 19:18:43 »
ja, da magst du recht haben, lieber Erich. Wir alle mögen uns ändern, aber vielleicht nicht so sehr, wie man immer denkt. Der Grundcharakter bleibt, denke ich.
Lebenssituationen jedoch können Änderungen hervorrufen, positive, negative: Da braucht plötzlich jemand mehr Anerkennung und stellt sich ( tat er fürher nie) über andere.
Da muss jemand in die Elternpflege einsteigen und geht völlig darin auf ( während er vormals eher auf sich fixiert war).
Ein negatives und ein positives Beispiel also.

Das Umfeld jedoch muss diesen Weg auch mitgehen, was besonders bei negativer Veränderung schwierig sein kann.
Ernstes Thema also, das du hier angeschnitten hast.
LG von Agneta


Erich Kykal

Re: Zeitlose Erinnerung
« Antwort #7 am: Januar 17, 2019, 20:36:13 »
Hi Agneta!

Die eigentliche Aussage des Gedichtes ist, dass wir allzu leicht und oft genug oberflächlich oder pauschal über andere urteilen, und wenn wir es tun, dieses Urteil nie revidieren, ja oft Jahrzehnte davon ausgehen, der Beurteilte sei immer noch exakt genau so wie damals, als man ihn verwarf. Die Erinnerung wird so quasi "zeitlos", eingefroren in unserem Gedächtnis.
Dabei übersehen wir, dass wir nicht einmal uns selbst ganz durchschauen, uns immer wieder selbst überraschen können, und dass wir schon nach wenigen Jahren komplett andere Menschen sein können, je nachdem, wie das Leben mit uns spielt.
Jenen, die wir einmal nicht mochten, sprechen wir das allerdings unbewusst ab - sie bleiben für uns lebenslang dieselben "A-löcher"! Das ist unfair und ausgesprochen subjektiv, und ich muss leider zugeben, das ich mich darin nicht anders verhalte: zu groß ist mitunter mein Groll, um zu vergeben. Allerdings gestehe ich jedem zu, sich verändert zu haben, denn ich merke sehr bewusst, wie sehr ich selbst mich mit den Jahren immer wieder verändere.
Leider tun viele gerade das nicht ...

Das wollte ich mit obigen Zeilen zum Ausdruck bringen.

LG, eKy
« Letzte Änderung: Januar 17, 2019, 20:38:21 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.