Liebe Agneta,
ein feiner, bildhafter Text mit vielen Interpretationsmöglichkeiten. Das ist gerade, das schöne, dass er nicht so eindeutig ist.
LyRI lässt sich treiben, mag sich mit nichts mehr auseinandersetzen ("steuern oder streiten"). Das ist auch ganz gut möglich, weil der Wind wohlgesonnen ist.
Doch dann kommt es anders. Die Situation wird bedrohlich und gutes Steuern wäre jetzt enorm wichtig. Aber das geht nicht ohne weiteres, weil "dieses Boot nicht meines war". Es wäre also doch erforderlich gewesen sich mit dem Boot und seinen Steuerungsmöglichkeiten vertraut zu machen.
Das hat mich an die Oper Rigoletto erinnert. Der Narr des Herzogs von Mantua sieht genau, wie die Frauen der Edlen am Hofe umgarnt, sexuell benutzt und dann weggeworfen werden. Er macht sogar seine Späße darüber und glaubt, er könne sich einer kritischen gesellschaftlichen Stellungnahme entziehen. Es reiche, wenn er seine Tochter behütet, abseits des Hofes in einer privaten Idylle. Aber auch dort findet sie der Herzog, wenn auch per Zufall, und bedient sich wie gewohnt. Der Narr muss angesichts seiner sterbenden Tochter erkennen, dass es ein Irrtum ist zu glauben, man könne sich aus allen Konfliktfällen heraushalten und seine private Idylle leben.
Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.