Hi Suf!
Vielen Dank für die artigen Honneurs, wie auch die Hinweise auf die "Klitzigkeiten" (geniale Wortschöpfung!), die ich aber ob ihrer - von dir dasebst so definierten - Marginalität unangetastet belassen will. Mögen Buttersoße und Olivenöl den Salat dennoch würzen und ein zumindest einzigartiges Geschmackserlebnis generieren ...
Mit dem "schwänzen" magst du vom Aspekt der Wirkmächtigkeit her Recht haben, indes, es ist durchaus ein hochdeutsches Wort, dürfte also die gehobene Sprache eigentlich nicht diminuieren. Warum es dennoch ein wenig so wirkt? Wer weiß ... - vielleicht weil man sofort das Bild unreifer Lausejungs vor Augen hat, die alles andere als "gehoben" wirken?
Das ist wieder mal so ein Stoßseufzer selbstinduzierten Eremitentums, geschuldet Krankheit, Alter oder der leidigen Erfahrung schlichten Angewidertseins von allgemeinem menschlichem Sozialversagen. Ich muss aufpassen, dass derlei nicht überhand nimmt! Einer meiner Leser meinte mal, er wolle meine Bücher oft gar nicht zur Hand nehmen, weil ich zwar gut, aber eben großteils so depressiv und negativ schriebe, dass einen die Lektüre immer nur noch weiter runterziehen würde.
Dem konnte ich letztlich nicht widersprechen, aber es drängte mich zur Frage, welche Art Poet ich eigentlich sei oder sein wolle für meine Leser. Runterziehen will ich natürlich niemanden, und ich selbst kann durchaus solche Materie verschlingen und mich schon allein an der schönen Sprache derart erbauen und hochziehen, dass mir der negative Inhalt eigentlich kaum schadet. Allerdings darf man bei sowas nicht von sich auf andere schließen, und in den Augen der Nachwelt (so sie gnädig auf mir ruhen möchten) will ich kein Suizidgehilfe sein mit meinem Schaffen!
Mein Bemühen um lebensfrohere, positivere Verse hat indes nicht viel Erfolg gezeitigt, das scheint mein lyrisches Organ einfach nicht ausreichend herzugeben, warum auch immer. Das liegt vielleicht daran, dass das Dichten für mich hauptsächlich eine Art von Psychohygiene darstellt, die mich von Belastendem reinigt, indem ich es so verarbeite und mir aus den Gedanken schaffe, und es mir beim Schreiben primär gar nicht um eine mögliche Reaktion eines Publikums geht.
Die in meinen Augen wertigen Ergebnisse dieses Prozesses allerdings unpubliziert zu lassen, nur um eine potentielle Inkomodierung von Leserschaft zu vermeiden (im Sinne eines positiveren Rufs), erscheint mir egoistisch motiviert manipulativ.
Also soll die Welt doch von mir denken, wozu sie lustig ist! Ich bleibe mir treu.
LG, eKy