Hi eKy!
Meistens folge ich beim Kommentieren wohl dem - für die Autoren ggf. etwas ärgerlichen - "Rhythmus", erst zu rühmen und zu preisen, wie sich das gehört, und dann mit Korinthen um die Ecke zu schäsen.
Jetzt mach ich das mal umbekehrt...

Also: Der Titel gefällt mir wirklich überhaupt nicht... da wird ein Gedicht in einem behutsam ins 20. Jh. überführten, innigen Eichendorff-Ton (jetzt lob ich ja doch schon wieder!) von einem Titel anmoderiert, der dermaßen nach einem Peter-Alexander-Schlager klingt, dass sich sofort sämtliche Ironiehebel auf Max-Stellung schalten...
Also echt! Hab dadurch beim Lesen einen knallharten Aufschlag erlebt und mir ein böses Brillenhämatom zugezogen!

Je nun. Moppern muss auch mal sein und ich mute Dir ja schließlich auch immer wieder mal rhythmische Schlaglöcher und schräge Klänge zu... also alles im perfekten Karma-Lot!

Und jetzt will aber auch die verdiente Ruhmesrühmung folgen und ich knüpfe hiermit vollumfänglich an den obigen Eichendorffgedanken und verkünde, dass ich ob dieses romantischen Ausflugs in die Welt der blauen Blumen in höchst wohlgefällige Stimmung mich versetzt fühle. Es geht hier ganz offensichtlich um den eigentlichen "kleinen Tod": Nicht etwa jenen, von den Franzosen so besungenen Zustand, sondern um den Schlaf.
Das geschieht hier ganz schön tripelbödig - denn der geübte Gedichteleser ist es natürlich gewohnt, dass der Schlaf eine Metapher für den Tod ist. Überhaupt sind wir es von Gedichten gewohnt, dass sie vom Tod in Metaphern reden - auch abseits vom Bild des Schlafes.
Wenn also das LI "an die Sterne abendlich herangezogen" wird (S1) und "reife Felder" an einem "Ufer" (samt "hol... über"-Wendung) besungen werden (S2), bis sich dann das "Dunkel" (S3) einstellt, lesen wir das als großen Todesgesang. In der letzten Strophe tritt dann die Anrufung des Schlafs deutlicher hervor (ohne dass das Wort "Schlaf" je fällt): Das LI lässt von seines "Tages Leiden".
Und ja, ganz deutlich wird dann wieder der Todesvergleich: "wie ein Leben".
Aber jetzt stutzen wir - es ist eben ein Todesvergleich, sprich: Der Gegenstand des Gedichts wird mit dem Tod verglichen und nicht etwa der Tod mit den Bildern des LI.
Also doch nur ein Schlaflied?
LG!
S.