Autor Thema: Gedanken beim Winterspaziergang  (Gelesen 52 mal)

Erich Kykal

Gedanken beim Winterspaziergang
« am: Januar 10, 2021, 13:47:54 »
Das Land ist doch noch winterlich geworden,
die Zweige tragen schwer an weißer Decke,
als wären es im Krieg verdiente Orden,
und Wächten wachsen jeder Mauerecke.

Verborgen liegt nun, was das Auge schändet,
in monochromer, unbeschmutzter Pracht,
die glitzernd strahlt und alle Blicke blendet,
den Dreck verhüllend wie sonst nur die Nacht.

Die Sonne spart zwar eisern ihre Wärme,
doch wenn sie scheint, ergleißt wie eine Lohe
das weite Land. Es schnarren Krähenschwärme
und fliegen auf, besorgt, dass etwas drohe.

Man geht spazieren, wie vom Licht ermündigt,
das sich verzaubert in Kristallen bricht,
als wäre, was ihr Blinkendes verkündigt,
ein Ahnen, das uns Schöneres verspricht.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

a.c.larin

Re: Gedanken beim Winterspaziergang
« Antwort #1 am: Januar 13, 2021, 22:45:08 »
ach  erich,
das einfach nur schön, so schön......

winter kann etwas zauberisches , mystisches haben!

leider ist er bei uns in wien irgendwie abhanden gekommen  - und diese wochenlange dauerhochnebeldecke: grau, trüb, düster, noch düsterer  ist ein mageres tauschgeschäft dafür.
verreisen geht im augenblick auch nicht.

und so war es jetzt dein gedicht: ein fenster zu  einer welt, von der ich im augenblick nur träumen kann.

ein herzliches dankeschön mit knickserl für den reizvollen ausblick!

lg, larin

Erich Kykal

Re: Gedanken beim Winterspaziergang
« Antwort #2 am: Januar 13, 2021, 23:32:58 »
Hi larin!

Winter in der Großstadt ist nie lange schön - meist reicht ein einziger Tag, und die Strassen sind wieder grau-braun-matschig verdreckt.

Ich hab hier bei mir seit einer Woche ca. 20cm Schneedecke, und dank neuer Überzuckerung immer noch gleißend und glitzernd wie am ersten Tag. Ein paar Sonnentage gab's hier nämlich seither, das macht die höhere Lage.
Bis gestern war's auch windstill, und es lag viel Schnee auf den Ästen, postkartenidyllisch! Jetzt wachsen die Wächten, aber nur kleine ...

Las von deiner Knöchelmalaise - weiterhin beste Besserung dazu!  :-*

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

AlteLyrikerin

Re: Gedanken beim Winterspaziergang
« Antwort #3 am: Januar 14, 2021, 11:58:54 »
Hallo Erich,

die Beschreibung einer Winterlandschaft, die viel Unschönes unter der Schneedecke verbirgt, das Licht, das ganz besondere Verzauberungen bewirkt, ist Dir hier sehr gut gelungen. Nun hat jeder ein anderes Sprachgefühl und Reaktionen auf diverse Bilder können ganz unterschiedlich ausfallen.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man sich gerne Rückmeldungen wünscht, die beschreiben, wie die Bilder wirken (auch wenn das nur ganz persönliche Reaktionen sind ohne Anspruch auf allgemeine Gültigkeit).
Nun, mir gefällt das Bild von den Orden nicht. Es stammt aus der militärischen Gedankenwelt, die mir sehr widersteht (ist freilich mein Problem).
Im Gegensatz dazu gefallen mir die restlichen Strophen in Bezug auf die verwendeten Metaphern extrem gut.
Einzig die Wendung "vom Licht ermündigt" erscheint mir sehr gekünstelt. Das Verb entmündigen ist ja bekannt. Das Verb "ermündigen" ist im Duden nicht vorhanden. Zwar haben Dichter immer wieder auch Neologismen geschaffen, doch denke ich, hier ist es einfach dem Reim geschuldet. Vielleicht findest Du ja noch etwas Besseres?

Herzliche Grüße, AlteLyrikerin.

Erich Kykal

Re: Gedanken beim Winterspaziergang
« Antwort #4 am: Januar 14, 2021, 12:26:52 »
Hi AL!

Ich bin auch kein Militarist, sogar sehr sanftmütig und harmoniesüchtig - sammle aber Waffen des Mittelalters, alte Panzermodelle und verschlinge Trivia zu den Weltkriegen. Wie passt das zusammen?

Das Bild von den Orden passt für mich, weil jene, die sie sich verdient haben, sie eben mit Stolz offen tragen, für alle sichtbar. So wie angehäufter Schnee auf den Ästen vornehmlich von Nadelhölzern. Um die Parallelen zu sehen, muss ich kein Militarist sein, und niemand würde mir den Vorwurf machen, ich wollte mit so einem Bild für das Soldatentum werben!
Denn ebenso schwer wie die Orden am Jackett der Ehemaligen ziehen und ihre Schultern drücken, so drückt die Schneelast auch die Äste nieder, lässt sie zuweilen gar brechen! Für die Bäume ist der Schnee eine gefährliche Last, die ihnen schadet - und damit, finde ich, wird das Bild ganz besonders stimmig!

Dass du - trotz Neologismus - sofort wusstest, was ich mit "ermündigen" aussagen wollte, bestätigt mich darin, dass das Wort gut gewählt war. Interessant übrigens, dass es nicht im Duden steht - falls ich mir dieses Wort je ausgedacht habe, weiß ich nichts (mehr) davon, ich rechne es seit meiner Jugend ganz selbstverständlich zu meinem aktiven Wortschatz, und du bist die erste Person, die die Existenz dieses Begriffs bezweifelt.

"Ich ermündige mich" statt "Ich mache mich mündig" drückt es nicht nur kürzer aus, sondern sogar sprachlich eleganter. Ich kann mir kaum vorstellen, dass da vor mir noch nie einer drauf gekommen sein soll.

Vielen Dank für deine Gedanken, auch wenn sie mir in diesem Falle nicht schlüssig erscheinen. Das Lob zur allgemeinen Wirkung nehme ich gerne mit!  :)

LG, eKy
« Letzte Änderung: Januar 14, 2021, 13:20:24 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Sufnus

Re: Gedanken beim Winterspaziergang
« Antwort #5 am: Januar 14, 2021, 13:41:23 »
Meine liebe AL! Was ist denn los mit Dir? ;) In letzter Zeit scheinst Du mir zunehmend engherzig zu werden und allerlei gesinnungspolizeiliche Sprachbarrieren zu errichten. Das ist der Kunst nicht förderlich.
Mal beklagst Du Dich, dass in einem Gedicht zu oft das Wörtchen "ich" vorkommt, dann darf die Jungfrau Maria nicht aus der Rolle als sanftes Muttergottestier fallen und jetzt ist Dir das Wort "Orden" im Zusammenhang mit Schneebeladenen Zweigen zuwider, weil Dich der martialische Aspekt stört. Ich glaube, unabhängig von Political Correctness-Diskussionen, wäre es um des Erhalts der künstlerischen Ausdrucksweite geboten, wenn Du reflektierst, ob Du nicht gerade ein bisschen dabei bist, den Rahmen des nicht Störenden etwas zu kleinformatig einzustellen.
Wenn ich z. B. in eKys prima Schneegedicht die Metapher der Ordensträger auf die von der weißen Last gebeugten Zweige anwende, stelle ich mir einen alten tapperischen General vor, der mit derartig vielen Orden behängt ist, dass er sich unter der Last dieses Ehrungsblechs kaum noch aus seinem Sessel erheben kann. Und ich finde, das ist doch ein wunderbar humoriges (und auch gar nicht militaristisches) Bild, das sehr schön zu der Schneebeschwernis passt.
Dass das jetzt alles Geschmackssache ist, und auch Dein Geschmack in jedwede Richtung ausschlagen darf, bleibt völlig unbenommen. Insofern hätt ich jetzt auch gar nichts gesagt, wenn mir nicht in den letzten Tagen (siehe oben) aufgefallen wäre, dass Du (nach meinem Eindruck) gerade etwas überempfindlich reagierst. ;)
Ansonsten - um den Fokus auf eKys schönes Gedicht zurückzulenken - finde ich, dass das ein außergewöhnlich gelungenes Werk ist. Die Sprache ist ganz überwiegend sehr gehoben und doch nicht überkomplex oder manieriert, vielmehr ist der Duktus ganz klar und an mehr als einer Stelle lockert ein freundliches Augenzwinkern die Stimmung sehr wohltuend auf. Nur in der letzten Strophe kommt, finde ich, durch die schon seeehr altmodische Wendung "ermündigt" und die unpersönliche Partizipkonstruktion "Blinkendes" ein etwas sperriger Ton auf. Aber insgesamt bin ich nach der Lektüre happy wie ein Schneemann mit Kohlestückchendauergrinsen. :)
LG!
S.