Autor Thema: Abendfrieden  (Gelesen 50 mal)

Erich Kykal

Abendfrieden
« am: Juni 01, 2021, 17:40:43 »
Himmel über grauen Felsen,
sanfte Schatten auf dem Wald.
Überm Teiche kreisen Gelsen,
und der Abend findet bald

seine honiggoldnen Bilder
im Verklingenden des Lichts.
Alle Kanten werden milder
auf dem Weg ins dunkle Nichts

jener Nächte, die sich nähren
von den Echos des Gesangs,
der bezaubert aus dem Gären
jedes Sonnenuntergangs.

Dieses Lied der letzten Farben,
das in zarter Glut gerinnt
über reifen Weizengarben,
wenn die Stunden müde sind.

Sing mir jeden Ton ins Stille,
bette meinen Tag zur Ruh.
Frieden findet so mein Wille
jeden Abend – immerzu.
« Letzte Änderung: Juni 01, 2021, 22:19:03 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Abendfrieden
« Antwort #1 am: Juni 06, 2021, 01:15:41 »
Ach, ist das schön, lieber Erich.  Da kann man ja richtig hinschmelzen.

Sehr gern gelesen.

LG gummibaum

Erich Kykal

Re: Abendfrieden
« Antwort #2 am: Juni 06, 2021, 12:29:29 »
Hi Gum!

Vielen Dank - auch das Idyll will ab und zu besungen sein, so kitschig sich das für manche auch anhören mag. Solch Seelenspeise ist eben hochgradig stimmungsabhängig. Es freut mich, dich mit meinen Zeilen offensichtlich in der richtigen Stimmung angetroffen zu haben!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Sufnus

Re: Abendfrieden
« Antwort #3 am: Juni 06, 2021, 19:09:12 »
Hi eKy! :)
Ja das ist wirklich ein schönes Abendidyll und in angemessen schöne Worte gekleidet - wenn ich überhaupt etwas einer Verbesserung anheimstellen wollte, dann vielleicht eine gewisse Abrüstung bei Adjektiven, deren Gebrauch mir hier an der ein oder anderen Stelle eher metrisch begründet erscheint, so z. B. bei den grauen Felsen, die genausogut schwarz, braun, hart, schroff, rauh, nackt, hoch oder fern sein könnten, es ist ein kleines bisschen beliebig. Ähnlich beim dunklen Nichts oder bei den letzten Farben, der zarten Glut oder den feinen Weizengarben usw. (Strophe 5 ist besonders Adjektiv-lastig). Hingegen unnachahmlich und großartig sind die honiggoldnen Bilder, was wieder zeigt, dass das "Adjektiv an sich" nicht "böse" ist. :)
Davon ab - sehr gerne gelesen! Like! :)
S.

Erich Kykal

Re: Abendfrieden
« Antwort #4 am: Juni 06, 2021, 20:09:45 »
Hi Suf!

Die "grauen Felsen" sind meiner Heimat, dem Mühlviertel geschuldet: Präkambrisches Rumpfschollengebirge aus sehr altem Granit, der bei uns grau ist (kleine schwarze und weiße Kristalle) oder zumindest grau verwittert. Bei uns sind also tatsächlich alle Felsen grau!

Und gegen den sprachlich abrundenden und beschreibungsvertiefenden Gebrauch von Adjektiven und Adverben habe ich nichts. Für meinen Geschmack ist da nix "zuviel" - im Gegenteil: Weniger wäre mir linguistisch zu trocken, zu frugal, zu "dokumentarisch".  ;) Ist eben Geschmacksache ...

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Rocco

Re: Abendfrieden
« Antwort #5 am: Juni 11, 2021, 21:50:23 »
Hallo Erich,

ein ansprechendes Abendgemälde in klischeefreier Sprache. Die vorletzte Strophe finde ich die beste.

Einen schönen Abend!

Rocco
"Erst in Rage werde ich grob -
aber gelte als der Hitzkopf?!"

Yusuf Ben Goldstein, aus Rocco Mondrians Komödie: Yusuf Ben Goldstein, ein aufrechter Deutscher

Erich Kykal

Re: Abendfrieden
« Antwort #6 am: Juni 11, 2021, 23:21:29 »
Hi Rocco!

Vielen Dank für den freundlichen Zuspruch!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.