Autor Thema: Folgen der digitalen Vereinsamung  (Gelesen 510 mal)

Erich Kykal

Folgen der digitalen Vereinsamung
« am: Juni 22, 2026, 10:46:35 »
Kaufen! Kaufen! Ich muss immer kaufen,
damit ich spüre, dass ich wirklich bin,
denn nur ein Netzklick gibt dem Leben Sinn,
betreibt die Werke, die im Innern laufen.

Durch das Erhalten meiner Postpakete
verankere ich mich in diesem Sein,
wird dieses vage Dasein gänzlich mein,
mein Selbstgewicht zur steigenden Rakete!

Was ich erhalte, ich sogleich vergessen -
nur das Bekommen erntet Drehmoment,
aus dem die Glut in meiner Seele brennt,
und ich bestelle weiter wie versessen.

Ich kaufe! Kaufe meinem Dauern Schulden,
und aus Bedürfnis wird Zufriedenheit
für die Momente, die die Leere leiht,
so lange die Dämonen sich gedulden.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Folgen der digitalen Vereinsamung
« Antwort #1 am: Juni 28, 2026, 14:04:31 »
Sehr schön, lieber Erich,

wie du das Lebenselixier der Gegenwart dingfest machst.
Früher gab es Pakete nur zu Weihnachten. Da das mitmenschliche Beziehungsgeflecht im digitalen Zeitalter kaum noch reale Maschen hat, müssen Lieferdienste beim Aushändigen der bestellten Dinge den vereinzelten Seelen das Gefühl geben, dass sie weiterhin real Kontakte pflegen und daher noch existieren. Der Inhalt der Pakete ist sekundär.

Mit Interesse gelesen.
LG g
« Letzte Änderung: Juni 28, 2026, 14:08:06 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Folgen der digitalen Vereinsamung
« Antwort #2 am: Juni 28, 2026, 17:46:02 »
Hi Gum!

Danke - ein kleines Stückchen Selbstanalyse. Meine Einsamkeit ist zwar nicht der Digitalisierung geschuldet, folgt aber denselben Parametern. Ich habe mich dabei eretappt, dass ich das Erhalten von Paketen als Belohnung zu empfinden begann, wie ein Endorphin-Süchtiger, der seine nächste Dosis kriegt.
Natürlich, weil ich haben wollte, was drin war, dachte ich - bis ich feststellte, dass ich begonnen hatte, unnötigen Tinnef zu ordern, billiges Zeugs, das ich nicht wirklich brauchte. Gimmicks, die genau einmal bemessen lustig oder zumindest taktil interessant waren, und die ich nie jemandem außer mir selbst zeigen würde ...
Und das läpperte sich, ohne dass ich es merkte - bis meine Bank mir mal zufällig mitteilte, dass ich die letzten Monate nichts mehr angespart hatte, so wie zuvor regelmäßig.

Daraufhin habe ich meine Prioritäten neu arrangiert. Fiese Falle ...

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.