Autor Thema: Unter meines Himmels Blau  (Gelesen 2849 mal)

Erich Kykal

Unter meines Himmels Blau
« am: September 25, 2016, 10:49:43 »
Mir ist, als ob des Himmels Blau verwasche,
was mir verebbend noch am Herzen liegt,
und was sich sterbend meinem Herzen schmiegt,
verglimmt in seiner Farbenglut zu Asche.

Wie aufgerichtet an der leeren Flasche
erlebt mein Geist sich, doch vom Weh besiegt,
das er sich auflud und ihm nie verfliegt,
lügt er sich bloß in seine Manteltasche

ein Stück von allem, das nicht werden konnte,
nur oft erträumt durch sein Verlangen schwebte
wie ein Versprechen, das sich nie erfüllte.

Mir scheint, was meines Himmels Blau besonnte,
erkannte nie, dass es darunter lebte,
bevor mein Dunkeln es in Schatten hüllte.
« Letzte Änderung: Oktober 04, 2016, 19:18:58 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Unter meines Himmels Blau
« Antwort #1 am: September 25, 2016, 11:55:45 »
sehr schön, lieber erich, die zwei himmel: der äußere, dessen strahlkraft die letzte glut der unerfüllten wünsche verblassen lässt, und der innere, den das eigene ich aufspannte und besonnte, ohne sich dessen bewusst zu sein und den es nun schwärzt.

in den meisten fällen bleibt die realität hinter den wünschen zurück. aber es gibt unterschiede, die mal vom ausgreifen der wünsche, mal vom geizen des lebens und mal von art, mit der kluft ins reine zu kommen, bestimmt werden.

mit genuss gelesen

lg gummibaum   
« Letzte Änderung: September 25, 2016, 11:57:55 von gummibaum »

Erich Kykal

Re: Unter meines Himmels Blau
« Antwort #2 am: September 25, 2016, 14:52:05 »
Hi Gum!

Vielen Dank für deine tiefschürfenden Begleitworte!

Das Gedicht beschreibt das Lamento eines Träumers, für den äußerer und innerer Himmel immer ein- und dasselbe waren. Doch mit dem Alter wird das Feld seiner Träume langsam zur Wüste, und sie verdorren unter der Gnadenlosigkeit der Vernunft, bzw. der Gleichgültigkeit zu vieler Jahre.
Nun beweint er die verpassten Chancen, die Gelegenheiten, die ungenutzt verstrichen, weil der den Schritt von der Fantasie zur Realität, vom inneren zum äußeren Himmel nie wagen wollte oder konnte.

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Unter meines Himmels Blau
« Antwort #3 am: September 27, 2016, 02:13:07 »
Nun beweint er die verpassten Chancen, die Gelegenheiten, die ungenutzt verstrichen, weil der den Schritt von der Fantasie zur Realität, vom inneren zum äußeren Himmel nie wagen wollte oder konnte.

Moin moin Erich,

Zitat
Mir scheint, was meines Himmels Blau besonnte,
erkannte nie, dass es darunter lebte

Ein gut beschriebener Gedanke, für mich Differenzierung zwischen leben und existieren.

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: Unter meines Himmels Blau
« Antwort #4 am: September 27, 2016, 21:43:21 »
Hi Curd!

Ich plane Gedichte so gut wie nie - ich fange irgendwie an, und der Rest ist Unterbewusstsein ... - was denken kann, ist mit Metrik, Satzmelodie und Reimen vollauf beschäftigt!  ;D

Ich weiß zu Beginn fast nie, was am Ende rauskommt - bin immer wieder von mir selbst überrascht!  ::)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Unter meines Himmels Blau
« Antwort #5 am: September 27, 2016, 22:34:17 »
..............ich von dir auch, meist sogar positiv  ;D  >:D  8)

DANKE
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

cyparis

Re: Unter meines Himmels Blau
« Antwort #6 am: Oktober 04, 2016, 14:41:05 »
Lieber Erich,

die späte Erkenntnis eines Trinkers ausgerechnet von einem Nichttrinker in ein Sonett gespannt!
Und in was für eines!
Ich kann lange darüber nachsinnen - wird es mein Schicksal werden?
Ich sehe keine Schwärze, sondern auch ein Dunkel, das mählich den Geist verhüllt.
Gnade oder Fluch?

Fragenden Gruß
von
Cyparis

Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Unter meines Himmels Blau
« Antwort #7 am: Oktober 04, 2016, 19:27:04 »
Hi Cypi!

Ich spreche durchaus aus leidiger Erfahrung!

Ich wäre beinahe ein Trinker geworden: Mit Mitte 20 trug ich eine Zeit lang an die vier bis fünf Vollräusche pro Woche heim - bis ich mich entscheiden musste: Leben oder Totsaufen! Dabei hat mir das Zeug nie geschmeckt - im Gegenteil! Ich trank es nur der Wirkung wegen, um mich selbst vergessen zu können - was natürlich nie gelang!

Ich kriegte die Kurve und wustte seitdem, wann es genug war. Die nächsten 15 Jahre gab es Alk nur noch einmal wöchentlich den Sommer über - bei Bikertreffen (aber da ordentlich!), um mich zu enthemmen und Gaudi zu schieben!

Seit 2005 hat es damit auch ein Ende - seitdem trinke ich nur noch einmal jährlich was - zu gewissen Dichtertreffen ....  ;) ;D ::)

Vielen Dank für den schönen Kommi!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.