Autor Thema: Ein Schicksal im IS  (Gelesen 3693 mal)

Erich Kykal

Ein Schicksal im IS
« am: Dezember 30, 2015, 13:28:55 »
Ihr scheuchtet uns zusammen wie die Schafe
und sagtet uns, wir wären ohne Wert,
denn nur, wer Gott nach eurer Art verehrt,
sei lebenswürdig. Unser aller Strafe

jedoch sei Tod aus euren Richterhänden,
die schöne Schwester noch als Sklavin gut,
an welcher sich der Gotteskrieger Lenden
erleichtern könnten von der Lebenswut.

Die Eltern habt ihr knieend dort enthauptet
und filmtet ihre Schlächter noch dabei
und jauchztet laut, wie gnädig Allah sei,
noch während ihr das tote Fleisch beraubtet.

Das Kleine wurde an die Wand geschlagen,
es lebte lang genug für einen Schrei,
und ich, ein Knabe, stand entsetzt dabei
und musste alles sehen und ertragen.

Ihr trugt mich fort, euch anders noch zu dienen:
Als Teilelager im Organverkauf.
Die letzte Stunde zieht mir bald herauf
und wird Erlösung sein von euren Mienen.
« Letzte Änderung: Mai 20, 2016, 20:53:56 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #1 am: Dezember 30, 2015, 13:58:20 »
moin moin Erich,

das Entsetzliche mit Entsetzen gelesen.

Ich habe schon mal daran gedacht es als Moritat zu schreiben, doch dann fällt mir immer Zilles Milljöh in Berlin mit Leierkastenmann und gezeichneten Bildern zum Text ein und so habe ich es als absurd verworfen.

LG
CB


Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #2 am: Dezember 30, 2015, 18:34:06 »
Hi, Curd!

Man fragt sich immer, wie man solches Grauen in Reime zwingen kann! Und doch, es muss sein, so deutlich wie nur möglich.

Die Nachrichten sind zu oberflächlich, mit den gezeigten Bildern kann man sich kaum identifizieren. Man sieht nur ewig Geschieße, flüchtende Menschenmassen, Explosionen in Stadtvierteln. Daran guckt man sich irgendwann müde, man reagiert überhaupt nicht mehr auf emotionaler Ebene.

Damit man die Einstellung und das Handeln dieser Glaubensmonster wirklich verdeutlichen kann, muss man den Leser dort erreichen, wo es noch weh tut! Man braucht Identifikationsfiguren, um das unsägliche Leiden ihrer Opfer nachvollziehbar zu machen. Das versuche ich mit meinen Mitteln.

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #3 am: Dezember 31, 2015, 22:01:27 »
Das Gedicht ist sehr bedrückend und dabei meisterlich. Dass der Erzähler ein Kind ist, das ausgeschlachtet werden soll, finde ich besonders bitter provokant.

LG gummibaum

Erich Kykal

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #4 am: Dezember 31, 2015, 22:58:25 »
Hi, Gum!

Diese Menschen sind in ihrem Wahn völlig enthemmt. Opfer ihrer elitären Verblendung, haben sie alle, die sie nach ihrer Lehre als minder erachten, entmenschlicht und zu Beute erklärt. Das funktioniert schon seit der Steinzeit so. Nach genau demselben Prinzip haben die Nazis die Juden-, Polen- und Russenkinder ins Gas getrieben, erschossen oder totgeschlagen. Auf Heimaturlaub waren sie danach treusorgende, liebende Väter für eigne "rassereine" Brut, gütige Versorger, die nie auf die Idee gekommen wären, Frau und Kinder auch nur zu schlagen!

Ihren Opfern eine Stimme zu verleihen, darum geht es.

LG, eKy
« Letzte Änderung: Januar 01, 2016, 17:26:28 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #5 am: Januar 01, 2016, 14:04:05 »
Das sehe ich auch so, Erich. Für sie einzutreten, ist unsere Aufgabe. Man darf nie großen Erfolg erwarten.

LG gummibaum





cyparis

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #6 am: Juni 24, 2016, 14:46:59 »
Lieber Erich,

sehr bittere Strophen, die wirklich Entsetzen und Abscheu hervorrufen.
Immer wieder frage ich mich, was Menschen dazu treiben mag, "entmenscht" zu werden.
Die Eroberungsgier und Kriegslust können es nicht sein.
Aber kann religiöser Fanatismus so weit führen, daß jegliche Empathie verlorengeht?

Ein schauriges Kapitel im blutigen Buch der Religionskriege.
Eine fürchterliche Rückentwicklung in die Barbarei.
Und ich glaubte eine ganze Zeitlang, solche Greuel gehörten der Vergangenheit an.
(Ich bin wohl geschlossenen Augrs durch die Zeit gewandert).

Betroffenen und bestürzten Gruß
von
Cyparis


Daß Dein Gedicht so gut geschrieben ist, läßt es noch tiefer unter die Haut gehen.
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #7 am: Juni 24, 2016, 16:52:43 »
Hi Gum!

Nein, großer Erfolg mag uns mit unserer Kunst nie beschieden sein, aber wenn jeder von uns nur einen erreicht, der umdenkt ob unserer Werke, so soll mir das schon genug sein - für mich selbst natürlich nur. Für die Sache können es nie genug sein ...  ::)


Hi Cypi!

Zitat: "Aber kann religiöser Fanatismus so weit führen, daß jegliche Empathie verlorengeht?"

Was mich wundert ist, dass du das überhaupt als Frage formulierst! Die Religion ist das perfekte Transportmittel für Dünkel und Überlegenheitsgefühl! Da braucht man noch nicht mal "völkische" oder andere rassistische Vorurteile aufbauen - es reicht, dass man selbst im Besitz der "Einzigen Wahrheit" ist, um all jene, die etwas anderes denken oder glauben, moralisch und intellektuell zu entrechten und abzuwerten! Wer das Falsche denkt oder glaubt, ist ein Untermensch und todeswürdig! Passt.
Vor allem die "zornige" Jugend mit Bildungsferne, die so gern verallgemeinert und mit "simplen" Lösungen leicht abzuspeisen ist, ist anfällig für solche Dünkel: Da kann man gleich "jemand sein", wichtig, respektiert, weil gefürchtet, ohne den langwierigen Umweg über die ehrliche Erarbeitung von Respekt und Anerkennung für wirkliche Leistungen für die Gesellschaft, und man kann ungestraft und ohne Gewissensbisse die Sau rauslassen gegen alle, die zum wertlosen Feind erklärt wurden, ohne sich Gedanken dazu machen zu müssen. Wer von uns hatte als postpubertärer Rabauke mit mangelhafter Selbstkontrolle und noch unterentwickelter Sozialmoral nie solche Allmachtsfantasien?

Wenn sie (je) lernen, dass für all das ein grausamer Preis zu zahlen ist, ist es oft zu spät, und es bleibt ihnen nichts übrig, als ihren Weg in Verbitterung und Zynismus weiter zu gehen. Wenige haben die innere Größe, bewusst auszusteigen und sich zu läutern! Die meisten reden sich dann umso intensiver ein, dass sie richtig lagen und werden noch fanatischer und gnadenloser, wie um ihre Taten vor dem eigenen Gewissen durch ostentative Überzeugung zu rechtfertigen.

Menschliche Psyche - ein bodenloser Abgrund mit vielen Gelegenheiten zum Fall in die Dunkelheit ...

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #8 am: Juni 24, 2016, 17:57:14 »
Lieber Erich,

ich kann Dur nur ein "Ja" entgegenzeufzen.

Lieben Gruß
von
Cyparis
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #9 am: Juni 24, 2016, 19:43:31 »
Und etwas anderes als über all die Dummheit in der Welt zu seufzen bleibt uns letztlich auch nicht übrig ...  ::) :'(

Traurige Grüße, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #10 am: Juni 26, 2016, 21:00:50 »
.............vielleicht sind die Wüsten und Einödsöhne davon überzeugt worden, dass sie von einem Dutzend Jungfrauen erwartet werden, wenn sie im Kampf gegen Andersgläubige ihr leben lassen..............

Doch die Überzeuger sind wie alle anderen Religionsführer nur auf Machtausübung aus und ruhmgeile Frömmler.

Wir haben die christlichen Kreuzzüge hinter uns, sie sind seit Jahrhunderten immer noch dabei, mal weniger mal mehr aktiv.

Mich kotzen religiöse Fanatiker an, aber es wird sie bis zum Ende der Menschheit geben.

Man kann auch darüber lachen, denn wer denkt, dass es in hunderttausend Jahren noch Menschen geben wird.

.............Wir alle sind aus Sternenstaub.......................


Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #11 am: Juni 27, 2016, 13:05:20 »
Mich kotzen religiöse Fanatiker an, aber es wird sie bis zum Ende der Menschheit geben.

Hi Curd!

Dem schließe ich mich bedauernd, aber leider vorbehaltlos an! ::) :'(

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #12 am: Juni 27, 2016, 13:13:53 »
Auch ich!
Aber in hundertausend Jahren wird es weder Fanatiker noch aufgeklärte Menschen geben.
Längst ausgestorben.

Farewell! :)
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #13 am: Juni 27, 2016, 16:53:19 »
Hi Cypi!

Dein Zynismus in Ehren, aber das können wir natürlich nicht wissen. Wer kann schon prognostizieren, was die Evolution noch für uns auf dem Schauferl hat? Werden wir in 100.000 Jahren so weit vom heutigen Stand entfernt sein wie wir heute von den Wilden, die sich noch mit dem Neanderthaler gefetzt oder gepaart haben? Oder werden wir wieder Wilde sein, weil es uns doch noch geglückt ist, uns in die Steinzeit zurückzubomben? Trifft uns der Komet? Rottet uns eine selbsterfundene Seuche aus?

Alles geht ... - Das ist übrigens das einzige, was ich am Tod bedaure: Dass ich nicht mehr da bin, um zu sehen, wie es mit der Menschheit weitergeht! Das wär schon interessant zu wissen ...  8) :o

LG, eKy

PS: Uups - das mit Curds Stress hatte ich verschwitzt! Ich entschuldige mich für die obige Ironie! :-[
« Letzte Änderung: Juni 27, 2016, 16:56:15 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

cyparis

Re: Ein Schicksal im IS
« Antwort #14 am: Juni 27, 2016, 17:19:30 »
Lieber Erich,

in meinen Augen ist
100 000 Jahre
viel zu hoch gegriffen. Bis dahin haben Efeu und Lianen längst wieder ihren wahren Besitz ergriffen.

Jaja - ich möcht auch gern zusehn (möglichst im Zeitraffer), wie Flora wieder um sich greift.
Vor der Fauna bewahre uns Faun! ;D

Meine Mutter vor etlich dreißig Jahren:
"Nur ohne Tiere wird wieder richtig grün". ;)
Dabei war sie tierlieb!

LG
Cypi
(Fauna)


Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte