Über die Definition und Notwendigkeit der Metrik müsste man zunächst mal auf die Definition „Gedicht“ kommen. Dass ich das allerdings einmal wegen eines Werkes von Erich diskutieren würde, wäre mir auch nie eingefallen.
Was also macht ein Gedicht?
Im literaturwissenschaftlichen Sinne ergibt sich ein Gedicht durch eine bestimmte Struktur, die es vom Text unterscheidet. Eine Vers -und Strophenform, einen Protagonisten und bei klassischen Gedichten und Reimgedichten die Metrik. Viele klassische Genres haben eine festgelegte Metrik .
Der Haiku hingegen, ebenso wie Tanka oder Senriyu sind asiatische Fomen, wo wir eine total andere Sprachsequenz von phonetischen Lauten haben. Hier ist "deutsche" Metrik nicht übertragbar.
Nach und nach verliert sich diese strenge Eingrenzung heutzutage, der Vers libre , die Prosagedichte und neue Formen lassen die Metrik oftmals eine untergeordnete Rolle spielen. Jedoch finde ich persönlich ein Reimgedicht ohne Metrik immer laienhaft. Mir ergibt sich da kein Fluss.
Die Eleganz und Vollendung findet ein Reimgedicht als Perfektion in der vollendeten Metrik.
Ich kann bei dem Gedicht von Erich ,Vers 1 zum Beispiel keine Sprachmelodie finden, die das Werk metriklos tragen würde. Man müsste die Zeilen beim Lesen auseinander ziehen um zu unterbrechen, damit die Holperigkeit nicht auffällt.
Man könnte es auch als Prosatext lesen. Lyrische Worte braucht dieser auch um lyrisch zu sein. Allein durch das setzen wird es noch nicht zum Gedicht:
Nehmen wir mal einen Werbespruch :
Ab in den Urlaub
Die Sonne lacht.
Ab in den Urlaub,
er kommt mit Macht.
Ist das ein Gedicht? Reim, Verse, Strophe, ein lyrisches Bild: die Sonne lacht. Verstärkende Wiederholung und gleiche Metrik. Hatte mich bemüht falsche zu machen , aber kann ich gar nicht. GG
Also nochmal:
Wir gehen in den Urlaub,
fahren morgen früh ab.
In unserem tollen Auto,
urlaubserprobt.
Ist das ein Gedicht?
Nach eurer und im Übrigen der von vielen Autoren, die keine Metrik können ( wobei ich ja weiß, das Erich es eigentlich kann) wäre dies ein Gedicht!
Man könnte es aber auch einfach als Prosatext setzen:
Wir gehen in den Urlaub, fahren morgen früh ab in unserem tollen Auto,
urlaubserprobt.
Mir persönlich wäre das so zu banal als Gedicht, zu unfertig, zu unelegant- aber ich fürchte, es geht durch.
Und? - Ist das schön?
Ich habe mich in einem anderen Forum mit einem gewissen Schweizer über dieses Thema schon einmal langatmig auseinadergesetzt. Ich hatte eigentlich nicht vor, das hier zu wiederholen.
Es wäre nur schade, wenn durch die handwerklichen Defizite vieler, die sich Dichter nennen, nicht nur der Reim, sondern auch Metrik und Stilmittel verloren gingen. Ich halte beides für erhaltenswert. Und wenn schon Autoren wie Erich hier Ausflüchte suchen, dann wird mir etwas bange um die klassische Dichtung.
Es geht mir also nicht um einen Affront gegen Erich persönlich, sondern mehr um den allgemeinen Verfall der“ poetischen Sitten.“ GG
Wir können noch lange darüber diskutieren. Über Melodei, Stilmittel und andere schöne Dinge. Letztlich muss jeder es so machen, wie es seinem eigenen Anspruch gerecht wird. Die meisten Leser kennen sich sowieso nicht aus… und legen auch keinen Wert darauf.
LG von Agneta