Autor Thema: Abschiedssonett  (Gelesen 123 mal)

Fridolin

Abschiedssonett
« am: September 24, 2018, 06:45:48 »
Mein Segel hat des Herbstes Wind gebläht,
ich muss mich nun von diesem Orte wenden.
Doch hat der Wind für mich nicht blind geweht,
er sagt mir nur, lass Schüttelworte enden.

Nun heißt es unter neuen Winden fahren,
dass keiner hier von meiner Flaute liest.
will weiter feinen Sinn beim Finden wahren,
dass auch ein Wohlklang in die Laute fließt.

Wie schön, wenn Segel in den Winden schwellen!
So blase Wind mir voll ins Segel rein.
Wenn auch am Horizont verschwinden Wellen,
wird das auf Dauer nicht die Regel sein.

Ich kann nicht mehr an diesem Orte weilen,
weil mit mir fort die Schüttelworte eilen.
« Letzte Änderung: September 24, 2018, 09:34:45 von Fridolin »

Sufnus

Re: Abschiedssonett
« Antwort #1 am: September 24, 2018, 10:22:08 »
Zum inhaltlichen Hintergrund habe ich ja andernorts Weitschweifiges ausgeführt. Um es nochmal etwas prägnanter zu formulieren: BLEIB!

Zum lyrischen: selten (ob nun geschüttelt, klassisch gefügt, in "befreitem" oder "freiem Vers" gebaut oder gleich als Prosagedicht verfasst) habe ich Verse gelesen, die in so vollendeter Weise gleichermaßen von Melancholie wie auch Heiterkeit durchweht (im wahrsten Sinne!) werden. Wer sich da (sehr freundlicher und zugewandter Seitenblick zu eKy :) ) an der einen Inversion störte, dem müsste man wenigstens eine gewisse Verengung des Blickwinkels attestieren.

Also mit solchen Bombenzeilen kannst Du, lieber Fridolin, nicht ernsthaft hier ein Rücktrittsgesuch einreichen... da krieg ich ja echt voll den Vogel...
« Letzte Änderung: September 24, 2018, 10:24:35 von Sufnus »

Erich Kykal

Re: Abschiedssonett
« Antwort #2 am: September 24, 2018, 17:36:58 »
Hi Fridolin!

Ein wunderschönes Schüttelsonett! Bis auf eine winzige Stellen strafst du mein Postulat Lügen, es könne kaum lyrisch gelungene Schüttelgedichte geben. Diese Stellen ist hier:

S3Z2 - Um des Schüttelreims willen greifst du zu einer Wortverkürzung (rein statt hinein), und selbst ausgeschrieben wäre die Phrase nicht sehr sprachgewandt, vor allem im Vergleich zu deiner sonstigen Formulierkunst!


Mein Segel hat des Herbstes Wind gebläht,
ich muss mich nun von diesem Orte wenden.
Doch hat der Wind für mich nicht blind geweht,
er sagt mir nur, lass Schüttelworte enden.

Nun heißt es unter neuen Winden fahren,
dass keiner hier von meiner Flaute liest.
will weiter feinen Sinn beim Finden wahren,
dass auch ein Wohlklang in die Laute fließt.

Wie schön, wenn Segel in den Winden schwellen!
So blase Wind mir voll ins Segel rein.
Wenn auch am Horizont verschwinden Wellen,
wird das auf Dauer nicht die Regel sein.

Ich kann nicht mehr an diesem Orte weilen,
weil mit mir fort die Schüttelworte eilen.


S2Z3 sollte nach einem Punkt am Ende der Vorzeile groß beginnen.


Zum Inhalt (für den Fall, dass er sich wirklich auf dieses Forum und meinen Kommi bezieht und nicht nur allgemein so verfasst ist, oder nicht bloß satirisch gemeint):

Wie ich Suf in einem deiner Fäden bereits erklärte: Ich habe von EINZIG MEINER persönlichen Vorliebe für "klingende" Lyrik geschrieben, weil eben in den meisten Schüttelgedichten Inversionen, Verkürzungen, Gemeinsprachliches oder andere nicht sehr lyrische Kniffe zur Anwendung kommen (früher oder später), weil die Auswahl und Formuliermöglichkeiten hier nun mal enger begrenzt sind. Bös gemeint war das bestimmt nicht! Es ist nun mal einfach so.
Meine Erwähnung dieses Vorliebe persönlichen Geschmacks ist doch beileibe kein Grund, ein Forum zu verlassen! Hast du meine Antwort an Sufnus gelesen? Es ist wie mit Äpfel und Birnen! Kein direkter Vergleich möglich, es kommt drauf an, was dem Autor beim Verfassen wichtiger ist: Das Schütteln oder die runde, harmonische Sprache. Beides zusammen verträgt sich eben nur bedingt, und es kann bei schüttlerischen Höchstleistungen die lyrische Sprachfindung zu kurz kommen und umgekehrt sollte man für lyrische Höchstleistungen das Schütteln lieber lassen.

Ich habe also keinerlei "Vorwurf" irgendeiner Art zum Ausdruck gebracht. Bitte krieg das nicht in den falschen Hals!  :( :-[ :'(
Schreib es meinem mangelhaften Zartgefühl für die möglichen Deutungsmöglichkeiten meines Geschreibsels zu - da hat wohl mein heimlicher Asperger wieder zugeschlagen!
Verzeih mir mein polterndes Ungeschick in manchen Belangen!

Zerknirschte Grüße, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Fridolin

Re: Abschiedssonett
« Antwort #3 am: September 25, 2018, 17:01:08 »
Hi!

Mein Abschiedssonett habe ich in einer halben Stunde verfasst, da wäre sicher noch die ein oder andere Stelle auszubessern. Aber dazu hab ich jetzt grad keinen Kopf. Mein Rückzug, der ja nicht endgültig sein muss, hat auch gesundheitliche Gründe. Anfang Juli musste ich als Notfallpatient nach einer Herzattacke in die Klinik und Mitte August folgte dort noch ein Stress MRT. Akut wurde nichts festgestellt, ich muss aber bei meinem Bluthochdruck sehr vorsichtig sein. Meine größte Baustelle sind aber die Folgen einer Gesichtsrose, die ich mir vor einem Jahr zugezogen habe. Leider hat sich bei mir am Kopf eine Post-Zoster-Neuralgie eingestellt, die mit einer heftigen, dauerhaften Schmerzbelastung einher geht, vor allem im Bereich des rechten Auges. Vor diesem Hintergrund bin ich zurzeit sehr zart besaitet und muss aufpassen, dass ich nicht übertrieben empfindlich reagiere. Ich habe noch ein Projekt vor mir: zu meinem 80. nächstes Frühjahr möchte ich noch ein Schüttelbüchlein mit neueren Schüttelreimen herausbringen, bin aber nicht sicher, ob ich es unter diesen Umständen noch schaffe.

Liebe Grüße
Friedhelm 


Erich Kykal

Re: Abschiedssonett
« Antwort #4 am: September 25, 2018, 21:18:05 »
Hi Fridolin!

Dann wünsche ich dir jedenfalls gute Besserung und genug Kraft, um alles, was du dir vorgenommen hast, auch zu verwirklichen! Optimal wäre natürlich völlige Genesung und ein noch sehr langes Leben - möge es für dich wahr werden, so weit mein guten Wüsche reichen!  :)

LG, Erich
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
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Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Sufnus

Re: Abschiedssonett
« Antwort #5 am: September 26, 2018, 11:38:10 »
Auch von mir hier alles gesundheitliche und schüttelnde Gute (und auch die besten Wünsche abseits dieser beiden Sphären)!

Ist die Neuralgie gut abgeklärt worden und sind entsprechende Behandlungs-Möglichkeiten mit Medikamenten und/oder TENS o. ä. und Vermeidung von Triggerfaktoren ausgeschöpft worden? Manchmal lohnt sich, wenn die Behandlung sehr unzufriedenstillend ist, auch nochmal die Einholung einer Zweitmeinung.

Liebe Grüße!

S.

Curd Belesos

Re: Abschiedssonett
« Antwort #6 am: November 19, 2018, 22:29:45 »
Lieber Fridolin,

toi, toi, toi, für die Gesundheit und bleibe uns gewogen.

Sie sind köstlich und erbauend - deine Geschüttelten.

Meine wenigen waren gerührt, zerrührt.

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch