Autor Thema: Liebe  (Gelesen 153 mal)

Erich Kykal

Liebe
« am: November 27, 2018, 18:08:09 »
Ach, ich möchte stiller an dir lehnen
und mich sanft in deine Seele dehnen,
meine Arme breiten deinem Sein.
Alle Sorgen, die an mir gestalten,
möchte ich an deine Blicke halten,
und ich schleife sie an ihnen klein.

Du, ich möchte deine Weisen spüren,
wohlzutun, wo alle Weltentüren
mich zur Mitte führen, die du bist.
Deinem Wesen will ich angehören,
ihm die Wahrheit, so wir sie verlören,
einzuflüstern, bis es nie vergisst.

Oh, ich möchte deine Liebe lernen,
die du sacht aus deinen Augensternen
niederatmest in mein wahres Licht.
Alle Lieder, die in mir beginnen,
will ich dir mit wachen Innensinnen
weitersingen, bis mein Atem bricht.
« Letzte Änderung: Dezember 11, 2018, 02:50:16 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Liebe
« Antwort #1 am: November 28, 2018, 23:40:39 »
Wunderschön, lieber Erich

Chapeau und LG
gummibaum

Erich Kykal

Re: Liebe
« Antwort #2 am: November 29, 2018, 19:07:08 »
Hi Gum!

Vielen Dank - das Werk enthält einige Anspielungen auf Rilke-Textstellen, denn es entstand als Hommage an diesen Dichter nach einer Lektüre seiner Werke.

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Sufnus

Re: Liebe
« Antwort #3 am: November 30, 2018, 10:41:40 »
Ein wahres Klangkunstwerk voller Binnenreime und Assonanzen in überaus fein gearbeiteter Sprache - wie ein ganz edles Möbelstück (wenn mir dieser gewagte Vergleich verstattet ist), bei dem jede Fuge, jede Verzapfung und jeder Winkel in Perfektion verarbeitet sind. Angesichts dieser Sprachpracht kann ich mich den Zeilen nur vorsichtig nähern... entsprechend unindietiefegehend bleibt zunächst mal meine Bewunderung und arbeitet sich an der "Außenseite" des Gedichts ab. Tatsächlich scheinen mir diese Zeilen eine so makellose Oberfläche zu besitzen, dass es dem Geist schwerfällt, tiefer einzudringen... vielleicht daher mein eigenartiger Vergleich mit einem soliden "Ding" - womöglich wäre auch ein seltenes, äußerst hartes Mineral mit einer hochglänzenden, spiegelglatten Oberfläche eine mögliche Metapher... Verse, die sich dem Verstand verweigern, aber umso mehr die Sinne ansprechen. Die zwei letzten Zeilen mit dem berückenden Doppelreimwort Innensinnen und dem Enjambement, das dann in einen Halbsatz in lakonischem Duktus überleitet, sind in reinstem Rilkeanisch verfasst. Ungewöhnlich übrigens der Trochäus, ein im Deutschen technisch wirklich nicht einfach zu meisterndes Metrum, das zum "Klappern" neigt. Aber hier "klappts" (5 Cent ins Kalauerschwein!).
Lg!!!
S.

Erich Kykal

Re: Liebe
« Antwort #4 am: November 30, 2018, 12:11:39 »
Hi Suf!

Wenn Sprache eine Kunst sein kann, dann ist dieser Kommi von dir ebenfalls welche! Selten (oder so gut wie nie!) habe ich einen schöner formulierten gelesen, oder einen, der mein Schaffen ähnlich nahe berührt.
Allerdings kann ich nur einen Teil dieses grandiosen Lobes für mich beanspruchen, da dieses Werk ja direkt nach einer Rilkelektüre entstand und daher - durchaus bewusst - noch ganz seinen Stil atmet!

Vielen Dank für eine so wortgewaltige Laudatio mit dennoch soviel Gespür für's Wesentliche meiner Kunst!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Sufnus

Re: Liebe
« Antwort #5 am: November 30, 2018, 13:46:19 »
Lieber eKy!  :)
Wie schön, dass Du die Poetik Deiner Zeilen durch meinen Kommentar erfasst siehst - und dass er Dich zu so hohem Lob anstiftet... das gebe ich sehr gerne wieder zurück, auf dass wir uns also gegenseitig das Lob nur so um die Ohren pfeffern, bis nur noch selbige aus einem gewaltigen Lobhudelhügel herauslunzen. Möge dann unser Beispiel den Mitmenschen Mahnung und Gedächtnis sein! ;D
Lg!
S.

Erich Kykal

Re: Liebe
« Antwort #6 am: November 30, 2018, 19:18:22 »
Jaja, wir dachten, der Lorbeer würde hinterm Ohr knistern, dabei rieselte nur der Kalk ...  ;D >:D
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Liebe
« Antwort #7 am: Dezember 07, 2018, 23:27:46 »
 ;D cool  8)

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Agneta

Re: Liebe
« Antwort #8 am: Dezember 11, 2018, 19:41:28 »
ein Liebesgedicht der besonderen Art, lieber Erich. Poesie eben.
LG von Agneta

Erich Kykal

Re: Liebe
« Antwort #9 am: Dezember 12, 2018, 23:14:33 »
Hi Curd, hi Agneta!

Vielen Dank für eure Beiträge!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

wolfmozart

Re: Liebe
« Antwort #10 am: Dezember 22, 2018, 11:29:50 »
Hallo Erich,

ein wunderbares Liebesgedicht, wie meistens sprachlich sehr schön ausgeführt.

Gern gelesen.

Schöne Feiertage

wolfmozart