Autor Thema: Aus dem Dunkel  (Gelesen 3053 mal)

Erich Kykal

Aus dem Dunkel
« am: August 31, 2016, 12:25:06 »
Lass ein Licht an über Nächte,
die bewegt und stürmisch sind.
Weiter, als man jemals dächte,
leuchte es dem Herz entgegen,
das durch Finsternis und Regen
dir entgegenwächst, mein Kind.

Lass die Tür in solchen Stunden
einen Spaltbreit offen sein.
Weiter, als ich je empfunden,
strahlt die Wärme deines Feuers
über meines Ungeheuers
Eis und kalte Seelenpein.

Lass dein Wesen mich bezähmen,
der ich aus der Dunkelheit
und Gedanken, die beschämen,
mich in deine Stube rette,
bis des Frierens Folterkette
schmilzt in deiner Zärtlichkeit.
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Copper

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #1 am: August 31, 2016, 16:32:22 »
Hallo Erich,

recht dramatisch liest sich Dein Werk. Du beschreibst einen Zufluchtsort, den ich jedoch nicht ganz begreife.
Das lyr. Ich verlangt in schweren, dunklen Zeiten nach einem Zufluchtsort, der ihm Linderung verschafft.
Gebettet ist dieses Verlangen vom Lyr. Ich in einer Art Liebe. Ob es die Liebe zwischen Mann und Frau, oder Eltern Kind, oder Nächstenliebe  ist, kann ich nicht zuordnen. Muss man auch nicht, denn gerade diese Unklarheit vermittelt einem eine Spannung beim Lesen.

Oder beschreibst Du die Hoffnung in schweren Zeiten ?

Ich hoffe meine Ausführungen wirken nicht zu naiv.

Danke, ist immer ein Highlight Deine Werke zu lesen.  LG. Copper
« Letzte Änderung: August 31, 2016, 16:57:19 von Copper »

Erich Kykal

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #2 am: August 31, 2016, 17:22:46 »
Hi Copper!

Das Ganze hat etwas bildlich Märchenhaftes. Es ist der Mann, der Wilde, das Tier, das von Wärme, Geborgenheit und Liebe gezähmt sein will. Ein leicht verschlüsseltes Gleichnis.

Aus dem Dunkel, der Kälte, der Angst dieser Welt (stürmische Nacht) bittet ein Liebender/ein zu Rettender sein Mädchen, ihm ein Licht (Symbol für Geborgenheit, Rettung) ins Fenster zu stellen und die Tür unversperrt zu lassen, sei es ins Haus oder in ihr Herz, damit was an Eis aus Schuld, Reue und Weh sich um ihn angesammelt hat, in ihrer warmen Umarmung, sprich Liebe, schmelzen kann.

Vieen Dank für deine Gedanken.  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

a.c.larin

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #3 am: September 01, 2016, 14:18:26 »
ach, ist das schön  - SO poetisch!

ich weiß gar nicht, was ich sagen soll.

da hast du mal voll was aus der seele geschrieben, das klingt und tönt einfach nur wie eine überirdische musik.

wer da nicht dahinschmilzt......


ich frag mich nur, wieso "er" ( sollte es ein er sein?)  sie als "kind" anredet?

aber vielleicht ist mit dem bildnis des kindes ja auch die reine unschuld gemeint, das gutgläubige, das unverbildete, das unverzagte?
das bild des kindes als etwas, das heilt.

das berührt uns wohl immer.

ein weiser, der sich berühren lässt!

und dann das wunderschöne bild von dem haus, dessen türe offen steht: der eintritt ist frei!

das ist wohl das geheimnis der liebe: das sie frei sein lässt. liebe vereinnahmt nicht. liebe versucht nicht, sich zu bemächtigen.

liebe ist einfach nur da.

was für ein gedicht!


lg, larin




Erich Kykal

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #4 am: September 01, 2016, 15:59:50 »
Hi larin!

Früher war es geläufig, ein junges Mädchen als "schönes Kind" oder "mein Kind" anzusprechen, vor allem wenn die Adressanten oder Bewunderer älteren Semesters waren.
Und natürlich brauchte ich einen brauchbaren Reim auf "sind" ...  ;D

Vielen Dank für dein schwelgerisches Lob. Ich wollte es betont flüssig schreiben, mit langen, zeilenübergreifenden Sätzen.

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

a.c.larin

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #5 am: September 01, 2016, 19:45:10 »
ach so - früher!   

soll ich jetzt ein bisschen ätzen und sagen: früher haben die männer die frauen gar nicht ernst genommen?

dann sagt das also so ein alter knacker, der sich in eine siebzehnjährige verguckt hat?   ;D
na hoffentlich antwortet sie ihm nicht mit "he, alter!"

hoppla, das hab ich glatt mit "jetzt" verwechselt  ;D

(nein, ich schreib jetzt bestimmt kein flapsiges antwortgedicht, obwohls mich ja reizen würde... >:D)



aber das kann ich dir und deinem schönen gedicht auf keinen fall antun!  :)

lg, larin

Erich Kykal

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #6 am: September 01, 2016, 20:05:52 »
Hi larin!

Warum müssen Frauen immer gleich übertreiben!? Latenter Minderwertigkeitskomplex?  ::)

Warum muss es gleich der alte sabbernde Lustgreis sein, der hinter einer Minderjährigen her ist!?  :o

Es hat vielmehr - wie du richtig bemerkt hast - mit dem früheren Frauenbild zutun, das ihnen lebenslange Naivität und beschränkte Intelligenz unterstellte. Da lag es nicht fern, ein junges Mädel auch noch mit Mitte Zwanzig "mein Kind" oder "gutes Kind" zu rufen. Das galt sogar als galant, teilte man der Adressatin damit doch mit, dass man sie noch als jung und faltenfrei erkannte, also wurden zuweilen auch ältere Frauen so gerufen, wenn man ihnen ein indirektes Kompliment machen wollte.
Du darfst nicht glauben, dass sich damals alle Kerls insgeheim boshaft die Hände rieben: "Immer schön demütig und gehorsam halten, die Weiber!" An dem damaligen Volksglauben, verursacht durch Jahrtausende männlicher Dominanz, war nichts Boshaftes. Man wollte die Frau nicht als solche herabwürdigen, man dachte aufrichtig, dass der Mann einfach klüger, begabter und willensstärker sei. Es war ebenso wenig kränkend gemeint, als wie wenn man zu einem Stein sagte: "Du bist ein Stein!" Es war anerkannte Ansicht, kaum jemand stellte es jahrhundertelang in Frage. Klar, aus heutiger Sicht unseres Kulturkreises ein Vorurteil, unbedacht - aber damals wusste man eben vieles noch nicht, was heute jeder Schüler lernt!
Ich bin sicher, in 200 Jahren wird man milde lächelnd auf unsere Zeit zurückblicken und sich wundern: Warum haben die so einen Schwachsinn voneinander geglaubt!? Das müssen die doch mit Absicht gemacht haben, weil sie nach einem Grund für Unterdrückung oder Ausgrenzung suchten!  :-\

So, und jetzt komm wieder runter von der hohen Stute!  ;D ;) Kein Grund, pikiert zu sein und Schnute zu ziehen. Ich wollte nur erklären, dass mit dieser Phrase, heutig interpretiert, kein Kinderschänder als LyrIch meines Gedichts gemeint ist.  ::)

LG, eKy
« Letzte Änderung: November 14, 2022, 16:57:21 von Erich Kykal »
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

a.c.larin

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #7 am: September 01, 2016, 21:02:21 »
wer war pikiert? ich nicht!

und welche stute? ich kann gar nicht reiten. ( würd ich zwar gern können, aber: nie gelernt, echt schade!)

das internet hat ein problem: man sieht den augenzwinkerer nicht!

ja, früher dachte man, frauen wären einfach dümmer - und niemand dachte dabei an "unterdrückung". es war halt so die gesellschaftsordnung. insofenrne frag ich mich ja, wieso um die kopftuchträgerinnen so ein bahöö gemacht wird.
die tragen halt ihre tücher, weils so üblich ist. das allein ist noch kein indiz für unterdrückung.
abgesehen davon können sich auch frauen gegenseitig unterdrücken - und männer führen sowieso ihre machtspielchen und hahnenkämpfe durch, immer und überall....

ich hab da grad was von zweien gelesen - was für worttiraden , triefend vor gescheitheit, aber eben doch nur: radschlagende pfauen!

dass der schänder in dem anderene gedicht steht, hab ich schon kapiert, lieber erich, ich kann ja lesen!   ;)

lg, stay cool!
larin

Curd Belesos

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #8 am: September 26, 2016, 00:25:22 »
moin moin Erich,

eigentlich wollte ich schon im Bett sein, aber als ich dein Gedicht kurz lesen wollte, wurde aus kurz, lang.

Eine wunderbare, fast sehnsuchtsvoll geschriebene Bitte eines einsamen Herzens.

Vor Jahren hätte ich es als Liebeserklärung an die Frau meines Herzens verschickt.  ;)

Ich habe es sehr gerne und mit Freude gelesen und eine süße Bitternis dabei gespürt.

LG
CB
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

Erich Kykal

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #9 am: September 26, 2016, 15:26:24 »
Hi Curd!

Trockenübungen des Theoretikers!  ;D Ich habe selten geliebt, und noch wesentlich seltener wirklich so tief, dass ich mir selbst dabei - zumindest eine Zeitlang - weniger wichtig war. Aber auch dieses Gefühl verlor sich irgendwann - heute gehe ich "lieb(e)los" durchs Leben und gedenke auch nicht mehr, dies zu ändern.  ::) 8)

Und ehrlich? Je weiter diese Begebenheiten zurückliegen, desto mehr will mir scheinen, als hätte ich mir diese Gefühle selbst damals bloß eingeredet ...
Warum? Weil ich damals unter allen Umständen "normal" sein wollte, und da verliebt man sich eben ab und zu ...  ::)

Aber Gedichte drüber machen, das kann ich - wie man oben sieht. Aber wozu? Kann ja nix mehr damit anfangen ...  ;D ;)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

Curd Belesos

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #10 am: September 27, 2016, 00:27:17 »
Aber wozu? Kann ja nix mehr damit anfangen ..

moin moin Erich,

was soll ich denn erst in meinem Alter dazu sagen  ??? ;D  ::)  :o  8)

Doch dein Gedicht bleibt für mich eine wundervolle Liebes-Bitte. https://www.youtube.com/watch?v=21U6sb4DN8I

Ich bin davon sehr angetan, danke

Curd.
Nur wenn du frei bist " IF " ....dann bist du ein Mensch

cyparis

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #11 am: Oktober 04, 2016, 15:29:57 »
Lieber Erich,

das ist ein wunder-, wunderschönes Gedicht!
Wie schimmern der Hunger nach Licht, nach Wärme, nach Geborgenheit und Liebe durch die Verse!
Und gerade die Anrede "Kind" macht das ganze noch märchenhafter.
Diese Wendung läßt sogar den Bittenden als unschuldig erscheinen - nichts von Tier!

Ich schließe mich larins erstem Kommentar in großen Teilen zu - auch ich schmolz.

Lieben Gruß
von
cypi
Der Schönheit treu ergeben
(Lady Anne von Camster & Glencairn)
copyright auf alle Texte

Erich Kykal

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #12 am: Oktober 04, 2016, 19:15:34 »
Hi Cypi!

Interessant - anderswo habe ich für die Anrede "Kind" fast Prügel bezogen - man unterstellte kinderschänderische Gedanken! Dass man junge unverheiratete Frauen früher oft so nannte, schien bei manchen nicht mehr im Bildungsprogramm mit dabei gewesen zu sein!  ::)

Vielen Dank für deine lobenden Gedanken!  :)

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.

gummibaum

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #13 am: Oktober 04, 2016, 22:14:26 »
herrlich, erich! die liebe überbrückt die größten gegensätze und löst die selbst schwersten ketten in der seele...

danke. lg g




Erich Kykal

Re: Aus dem Dunkel
« Antwort #14 am: Oktober 05, 2016, 00:32:51 »
Hi Gum!

Gern geschehen!  ;) :D

LG, eKy
Ironie: Ich halte euch einen Spiegel vor, damit wir herzlich lachen können.
Sarkasmus: Ich halte euch einen Spiegel vor, weil ich von euch enttäuscht bin.
Zynismus: Ich halte euch einen Spiegel vor, aber ich glaube nicht mehr an euch.