Hi Curd!
Das tut mir leid, aber mir gefällt der Titel. Ami-Regisseure rufen beim Dreh ja immer "Action!", sobald die Kamera läuft und die Schauspieler begonnen sollen, die Szene zu spielen.
Die deutsche Verballhornung dieses Ausrufs konterkariert mE. augenzwinkernd den nur leicht satirischen ernsten Text, mit ihm verbunden durch die Parallele, dass die Menschen nun mal "Äktschn" brauchen, ob indirekt in TV und Kino serviert oder aktiv auslebend als Adrenalinjunkie.
Im Augenblick rückt unsere Wohlstandsgesellschaft wieder in Richtung "Äktschn" - die Schwarzweißmaler finden Zulauf, die Rechten werden stärker, in vielen Köpfen wird als gut befunden, dass man die islamische Aggression mit ebensolcher christlicher oder zumindest "abendländischer" beantworten sollte! Es wird wieder fröhlich verallgemeinert, Meinungsmache mit Fake-News betrieben, Ängste geschürt.
Es scheint ein stetes Auf und Ab in der Weltgeschichte zu herrschen, mal dominieren tolerante, friedlich-vernünftige Töne, dann wieder - wie in einem Rausch - setzen sich die Parolenbrüller wieder durch, und der Wahnsinn muss sich in einem katastrophalen Kataklysmus ausglühen! Jede Kultur, zuweilen benachbarte miteinander, auf dem Globus unterliegt diesen Strömungen, die Dekaden stabil bleiben mögen - aber irgendwann kippt es wieder!
Wenn man bedenkt, dass 50 Menschen, sollen sie gemeinschaftlich handeln, in etwa die Intelligenz eines Laubfrosches haben, dann sind die Phasen der Blüte ohnehin überraschend lang. Aber wenn die Mehrheit sich ihres Wohlstandes und ihrer Freiheiten zu sicher wird und die Vorsicht und Weitsicht nachlassen - dann rühren sich scheinbar unausrottbar die Dämlichen und Kleingeistigen und finden Gehör, destabilisieren das System, vor allem, wenn es ohnehin schon Probleme hat - und dann werden wieder Dinge möglich, die man nicht mehr für möglich gehalten hätte, allzu überzeugt von menschlicher Zivilisation und innerer Größe!
Aber Pustekuchen! Unter der dünnen Tünche dieser Zivilisiertheit lauert immer noch der kreischende Affe, der mit Kot und Steinen wirft! Mach dem Affen Angst, und er wird zetern.
Warum wohl sehen unsere Filme und Fernsehprogramme so aus, wie sie es tun? Weil der Affe in uns "Äktschn" will und braucht, nach wie vor! Und manchmal muss er sie selbst erleben und spielt Krieg im Namen "höherer Werte und Wahrheiten" - was für eine Verlogenheit! Es geht im Grunde immer nur um Macht und Einfluss: Der lauteste Affe will Oberaffe sein! Sensation erleben oder die Sensation werden - das treibt uns an.
All diese Gedanken standen Pate zu diesem Sonett. Die Anleihe bei den Filmregisseuren finde ich nicht unpassend. Die deutsche Lautschrift untermalt das satirische Element: Vom Kino in die Realität, von den geschminkten Leichen zu den echten ...
LG, eKy